90 Jahre Staudengärtnerei Jentsch

Raritäten aus Dresden für ganz Europa

Die Staudengärtnerei Jentsch ist ein Familienbetrieb. Im Foto von links: Christian, Martina, Gregor, Klaus und Uta. Martina hat das Sagen, Klaus Jentsch ist der Seniorchef.

Die Staudengärtnerei Jentsch ist ein Familienbetrieb. Im Foto von links: Christian, Martina, Gregor, Klaus und Uta. Martina hat das Sagen, Klaus Jentsch ist der Seniorchef.

Dresden. Dresden war und ist ein Zentrum des Gartenbaus. Forschung und Lehre sind hier vertreten. Zudem befindet sich mehr als die Hälfte der sächsischen Gartenbaubetriebe im Großraum Dresden. Dass es in und unmittelbar um die Stadt gleich vier Gärtnereien gibt, die sich auf die Produktion von Stauden spezialisiert haben, davon können die Leipziger zum Beispiel nur träumen.

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Die Staudengärtnerei in Dresden-Strehlen ist mit 90 Jahren der älteste dieser vier Spezialbetriebe und der einzige mitten in der Großstadt. Das Gelände gleich neben der S-Bahn-Trasse und wenige Meter vom Großen Garten entfernt umfasst eine Fläche von einem halben Hektar.

3000 winterharte Sorten

Nicht viel für einen Produktionsbetrieb. Aber offenbar genug für eine bunte Vielfalt. Denn große Mengen will man hier nicht produzieren, sondern das Besondere bieten. „Wir haben 3000 winterharte Staudenarten und -sorten in Kultur“, sagt Klaus Jentsch, der Seniorchef der Strehlener Staudengärtnerei.

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Gründung 1928 durch Gartenmeister Neugebauer

Diese gibt es bereits seit 1928. Gegründet hat sie Kurt Neugebauer. Der Gartenmeister zog auf dem Gelände Stauden an für seine Gartenanlagen, die er gestaltete. Neugebauer hatte Kontakt zu dem berühmten Gärtner, Staudenzüchter und Schriftsteller Karl Foerster (1874-1970), erzählt Klaus Jentsch.

Er absolvierte 1957-1959 bei Neugebauer seine Gärtnerlehre. Nach Studium und beruflicher Praxis im Volkseigenen Gut (VEG) Saatzucht Baumschulen Dresden-Tolkewitz übernahm er 1969 zusammen mit seiner Frau Uta Neugebauers Betrieb, gestaltete diesen komplett um und erweiterte peu a peu das Staudensortiment. „Diese Pflanzen in dieser Vielfalt produzierte sonst im weiten Umkreis niemand“, erinnert sich der 75-Jährige.

Auch zu DDR-Zeiten ein Familienbetrieb

So blieb der Familienbetrieb zu DDR-Zeiten von Verstaatlichung bzw. Eingliederung in eine Genossenschaft verschont. Unter Beobachtung stand der Familienbetrieb von Staats wegen trotzdem, ist Jentsch überzeugt. Denn gerade in den letzten Jahren der DDR bot die Gärtnerei jenen, die einen Ausreiseantrag in die BRD gestellt hatten und Berufsverbot bekamen, Arbeit und Brot. „Um die 30 Menschen waren das über die Jahre insgesamt, darunter Ärzte und Wissenschaftler.“

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Fundgrube für Hobbygärtner

Nach wie vor ist die Staudengärtnerei Jentsch eine Fundgrube für Hobbygärtner und Pflanzensammler. Und ein kleines Paradies, in dem es grünt und blüht, kreucht und fleucht. Kleine Wasserbecken, Insektenhotel, großer Kompost, viele Bäume bieten vielen Tieren Lebensraum – von der Blauen Holzbiene über Frosch, Kröte, Eidechse und Molch bis hin zu Spitzmaus und Schwanzmeise.

Ökologische Produktion auch ohne Zertifikat

"Auch wenn der Betrieb nicht zertifiziert ist, produzieren wir ökologisch und nachhaltig, verzichten weitgehend auf Pflanzenschutzmittel", sagt Jentsch. "Von der Produktion her sind wir traditionell geblieben." Was bedeutet das? "Wir haben nach altem Vorbild Erdgewächshäuser gebaut, weil die nicht nur klimatisch günstig sind für die Pflanzen, sondern auch wenig Heizenergie brauchen. Und wir vermehren nicht in vitro, sondern durch Teilung."

176 Pflanzensorten aus eigener Zucht

176 Pflanzensorten hat der Diplomingenieur für Garten- und Landschaftsgestaltung in den zurückliegenden knapp 50 Jahren selber gezüchtet, darunter 86 Hostas, aber auch Sonnenröschen, Sonnenbraut, Gräser und sogar Schneeglöckchen. Allein die Sammlung dieser Zwiebelpflanzen, die nicht nur im Frühling, sondern auch im Herbst blühen, umfasst mehr als 200 Arten und Sorten.

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Ritterschlag aus Großbritannien

Schützen lässt Jentsch die von ihm gezüchteten Sorten allerdings nicht. Das lohne sich finanziell aufgrund der geringen Stückzahlen nicht. Anerkennung von Kollegen erfährt er trotzdem. Dass die kürzlich verstorbene preisgekrönte britische Gärtnerin, Autorin und Dozentin Beth Chatto Pflanzen von ihm und vor allem auch unter seinem Namen verkaufte, war für ihn wie ein Ritterschlag.

Kunden in ganz Europa

Kunden nicht nur aus ganz Deutschland honorieren die Arbeit der Dresdner Staudengärtnerei. Erst kürzlich tauchten plötzlich Vertreter aus dem Botanischen Garten in Vilnius auf, ließen sich die Gärtnerei zeigen, um dann begeistert einzukaufen. „Wir versenden Pflanzenraritäten mittlerweile europaweit, nach England zum Beispiel, Russland, Belgien und viele andere Länder“, so Klaus Jentsch.

Der Naturfreund, Pflanzenkenner, -sammler und -züchter hat mit der Gärtnerei seine Berufung gefunden. Dass seine drei Kinder die Begeisterung für Pflanzen und Gärten teilen, macht ihn glücklich. Christian Jentsch gestaltet als Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur Gärten, Gregor ist Gartenbauingenieur.

Was will man mehr?

Martina Jentsch, Gartentechnikerin, hat schon 2006 die Geschäfte im Betrieb von ihrem Vater übernommen. „Es ist so schön hier, ich wollte nie wirklich weg. Die Arbeit ist sehr vielfältig, man sieht, was man geschaffen hat, wenn es wächst und gedeiht. Wir sind immer draußen, können die Natur genießen und lernen viele Menschen kennen. Was will man mehr?“

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Von Catrin Steinbach

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