Todesfall

Rainer Sehm ist im Alter von 66 Jahren gestorben

Mann mit vielen Talenten: Rainer Sehm ist am 17. April im Alter von 66 Jahren gestorben.

Mann mit vielen Talenten: Rainer Sehm ist am 17. April im Alter von 66 Jahren gestorben.

Dresden. Die Todesanzeige ist nur auf der Internetplattform einer Dresdner Tageszeitung erschienen, in einer gedruckten Ausgabe dagegen nicht: Stiller Abschied von einem Mann, der noch vor 15 Jahren an den Schalthebeln der Macht saß: Rainer Sehm, Berater und Fluthilfekoordinator des damaligen Oberbürgermeisters Ingolf Roßberg (FDP), ist bereits am 17. April 2017 gestorben. Plötzlich und unerwartet, heißt es in der Todesanzeige, die von Sehms Kindern und seiner Lebensgefährtin aufgegeben wurde. Sehm wurde vor wenigen Tagen in Thermalbad Wiesenbad im Erzgebirge beigesetzt.

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Sehm hatte viele Talente: Rennfahrer, Pilot, Unternehmer und Lokalpolitiker, er war ein Macher und Problemlöser. Sein größtes Problem konnte er allerdings nicht lösen, mit seiner Spedition scheiterte er und musste auch Privatinsolvenz anmelden. Das alles ist kein Makel, doch mit seiner Heimlichtuerei rief Sehm Misstrauen hervor.

Roßberg holte nach seiner Wahl 2001 den gescheiterten Unternehmer, den er aus seiner Zeit in Radebeul kannte, ins Dresdner Rathaus und stattete ihn mit einem Beratervertrag aus. Sehm verhandelte nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 als städtischer Fluthilfekoordinator mit Ministern und Geschäftsführern von 1000-Mitarbeiter-Unternehmen, er durfte die Fahrbereitschaft der Stadtverwaltung und ein Büro im Rathaus nutzen – aber er bekam am Monatsende nur das, was ihm der Insolvenzverwalter übrig ließ.

Einer, der mit den Größen dieser Stadt auf Augenhöhe verhandelt, soll von etwas mehr als 1000 Euro im Monat leben? Damit konnte sich Sehm nicht abfinden und verstrickte sich immer mehr in einem Geflecht, das schließlich auch zum Sturz von Roßberg führte. Der hatte stets beteuert, nichts von Sehms Machenschaften gewusst zu haben. Wahrscheinlich hat Roßberg sie tatsächlich nicht durchschaut.

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Rainer Sehm hat unkonventionell und ohne Einhaltung des verwaltungsüblichen Dienstwegs sehr effizient mit dafür gesorgt, dass die Flutschäden in Dresden beseitigt wurden. Es gibt nicht wenige, die behaupten, die Landeshauptstadt wäre Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 geworden, wenn sich Sehm darum gekümmert hätte. Doch das Sommermärchen fand in Leipzig statt und Sehms Weg führte sogar ins Gefängnis, nachdem er zunächst zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, aber im freien Fall immer tiefer stürzte.

2011 kam er auf freien Fuß und lebte zunächst im Elsass, ehe er nach Deutschland zurückkehrte. Rainer Sehm erlag im Alter von 66 Jahren einem Herzinfarkt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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