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Dresden

Prügelnder Angeklagter hat selbst im Gericht Hausverbot

Symbolfoto

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Dresden. Roberto S. hat bei einigen Leuten in der Dresdner Innenstadt einen bleibenden Eindruck hinterlassen – allerdings keinen guten. Der 50-Jährige prügelt auf alles und jeden ein – Autos, Passanten, Obdachlose, Behinderte oder Touristen, die eigentlich nach Dresden gekommen waren, um sich die Stadt anzusehen und dann von ihm eine „gekriegt“ haben. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung, Sachbeschädigung, sexuellen Missbrauch von Kindern und exhibitionistischen Handlungen steht er seit Mittwoch vor dem Amtsgericht.

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Die Staatsanwältin brauchte einige Zeit, bis sie alle Anklagen verlesen hatte. Sie warf dem Angeklagten unter anderem vor, neben dem Hortgelände der Grundschule am Terrassenufer die Hose runtergelassen und an sich exhibitionistische Handlungen vor mehreren achtjährigen Mädchen vorgenommen zu haben.

Roberto S. wies dies zurück. Das scheint aber der einzige Tatvorwurf zu sein, der ihm unangenehm ist. Ansonsten ist ihm nichts peinlich, ganz im Gegenteil, es ist für ihn selbstverständlich, dass er wahllos Menschen verprügelt oder zu Boden stößt. „Die Leute fordern das ja geradezu heraus“. Bei ihm reicht ein schiefer Blick und schon setzt es was – egal, ob er einen Saufkumpan beim Streit um leere Flaschen ins Krankenhaus prügelt, einem fast 90-jährigen Gehbehinderten die Krücke wegtritt oder auf offener Straße einfach mal eine 80-Jährige schlägt. „Ich schlag schon mal Frauen, aber eine 80-Jährige? Da kann ich mich nicht erinnern“.

Manchmal fehlen einem bei dem Mann die Worte. Ein Schuld- oder Unrechtsbewusstsein hat Roberto S. nicht, vielleicht hat er sich das „weggetrunken“. Der 50-Jährige braucht Alkohol wie das tägliche Brot – und das seit Jahrzehnten. Er hat ein klassische Säuferkarriere hingelegt: maßlos getrunken, Job und Wohnung verloren, auf der Straße gelebt, Straftaten begangen, in Haft gewandert, rausgekommen, weiter getrunken. Und mit jedem Schluck wird der temperamentvolle Mann immer aggressiver. „Das geht bei mir schnell, dass ich auf 180 bin“, räumte er ein.

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Und wenn er auf der Palme ist und ihm was nicht passt, gibt es Haue. Fahrgäste in der Bahn, einen Patienten im Krankenhaus, Touristen auf der Brühlschen Terrasse oder der Schlossstraße und Passanten, die denen helfen wollten – sie alle wurden geschlagen oder zu Boden gestoßen. Grund: „Ich hatte mich mit denen in der Wolle.“ Roberto S. hat sich mit vielen in der Wolle, wenn er täglich durch die Innenstadt zieht, um leere Flaschen zu sammeln, die er dann wegbringt, um sich vom Pfand volle Flaschen zu kaufen. Ist er dann selbst voll, landet er in der Ausnüchterungszelle, dort ist er Stammgast und benimmt sich auch den Polizeibeamten gegenüber daneben.

Das hat der Angeklagte auch schon im Gericht getan, deshalb hat er dort Hausverbot. Muss er zum Prozess, wird er am Eingang abgeholt und zum Verhandlungssaal eskortiert – auch bei den Pausen, in denen er sich schnell mal einen Schluck aus der draußen am Fahrrad gebunkerten Flasche gönnt. Das braucht er, sonst funktioniert er nicht. „Wenn ich morgens aufstehe, geht unter drei Flaschen Bier gar nichts.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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