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 Jazz

Positiv, ehrlich und leicht – Andrea Sulcová über ihre Debüt-EP

Die Musikerin Andrea Šulcová in ihrer Wohnung in Dresden

Die Musikerin Andrea Šulcová in ihrer Wohnung in Dresden

Dresden. Positiv, ehrlich und leicht - so würde die heute in Dresden lebende tschechische Sängerin Andrea Šulcová ihre Musik beschreiben. Obwohl sie schwere Themen wie ihre gesundheitlichen Probleme in ihnen verarbeitet, klingen die Lieder auf ihrer Debüt-EP „Nobody Knows“ stimmungsvoll, lebendig und strahlen Šulcovás Lebensfreude aus.

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In dem kleinen Ort Náchod in Tschechien geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen, kam Andrea Šulcová bereits früh mit Musik in Berührung. Im Grundschulalter begann sie mit Querflötenunterricht, spielte Gitarre und im Alter von zwölf Jahren begleitete sie ihren Vater, der selbst (Amateur-)Musiker ist, zu Proben und Jam-Sessions seiner Band. Hier durfte sie mitspielen und -singen. Die Musik nahm so früh in ihrem Leben einen Platz ein und ist seitdem nicht mehr wegzudenken.

„Jazz gab mir viele Möglichkeiten“

Mit 18 Jahren ging die junge Tschechin nach Prag an das Jaroslav-Ježek-Konservatorium. Dort studierte sie Querflöte und vertiefte sich in Jazz-Musik. „Jazz gab mir viele Möglichkeiten. Ich konnte improvisieren und Harmonien ausprobieren. Mein Querflötenlehrer war klassischer Musiker, das wiederum half mir sehr, bestimmte Techniken zu trainieren.“ Nach ihrem Abschluss blieb sie in Tschechiens Hauptstadt und arbeitete als freie Musikerin. 2015 begann sie ihre Zusammenarbeit mit dem Concept Art Orchestra – einem professionellem Jazzorchester – unter der Leitung der tschechischen Komponistin Štepánka Balcarová, bevor Andrea Šulcová 2016 zum Studieren an die Kunstuniversität nach Graz ging. Dort lernte sie ihren Freund kennen und kam das erste Mal mit der deutschen Sprache in Berührung. Mittlerweile ist sie vollwertiges Mitglied des Jazzorchesters, Teil des Managements und pendelt zweimal im Monat nach Prag.

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Die Stadt ist die Verbindung zwischen ihrem Leben in Dresden und Náchod. In Prag hat sie ihren Bruder, einige Freunde sowie das Concept Art Orchestra. Obwohl ihr Herz an Tschechien hängt, hat sie sich in Dresden gut eingelebt und konnte ihre Wahlheimat bereits nach einem Jahr ihr Zuhause nennen. „In den beiden Städten war ich in unterschiedlichen Lebensphasen. In Prag war ich Studentin, viel unterwegs, in Clubs, Bars, habe musiziert. Nach Dresden kam ich kurz vor einem weiteren Lockdown, kannte so gut wie nichts und niemanden. Aber mir gefällt die Stadt, vor allem die langen Spazier- und Fahrradwege auf den Elbwiesen und die Organisiertheit der Deutschen.“ Dabei kam es nur durch Zufall zum Umzug nach Dresden: Ihr Freund hatte hier bereits eine Stelle in einem Orchester, als sie in Prag auf einen alten Freund traf, der ihr innerhalb eines Tages Job und Wohnung in Dresden vermittelte. Seit Mai 2021 ist sie nun Musiklehrerin in der Region und unterstützte zuvor den Verein Musaik bei dessen Projekt „Stadtsound Prohlis“.

„Die Krankheit lehrte mich, dass man im Leben nicht so viel Zeit hat.“

Mitte des Jahres 2018 ereilte Andrea Šulcová ein Schicksalsschlag. Zwei Jahre lang litt sie an einer schweren Krankheit, es war ihr kaum möglich, ihrem regulären Tagesablauf nachzugehen. Die Musik half ihr, einen Weg aus der Krankheit und gleichzeitig ihren eigenen Kurs in der Musik zu finden. Als sie Anfang 2018 für das Förderprogramm SOFIA – „Support of Female Improvising Artists“ – ausgesucht wurde und mit fünf anderen jungen Musikerinnen an einem einwöchigen Workshop zu Themen wie Buchhaltung, PR und Planung in Zürich teilnahm, war sie dankbar für die neuen Kontakte und das Wissen, aber „ich war wohl noch nicht so weit, ich wusste noch nicht, was mein eigener Stil ist und wohin es mal gehen soll“. Das hätte sich nun geändert. „Die Krankheit lehrte mich, dass man im Leben nicht so viel Zeit hat. Ich versuche seitdem, keine Angst mehr vor Herausforderungen zu haben und mich nicht mehr darum zu kümmern, was andere denken, sondern das zu tun, was mich erfüllt. Ich singe, spiele, schreibe und probiere Neues aus.“ Das spiegelt sich in ihrer Musik wider – sie ist geprägt von Leichtigkeit, Melodie und Harmonie. Diese möchte sie gemeinsam mit ihrer positiven Lebenseinstellung an den Zuhörer weitergeben. „Ich spiele gerne Konzerte, ich mag es, vor den Leuten zu stehen und mit anderen Musikern zu musizieren. Das hat auch meinem Selbstbewusstsein sehr geholfen.“

In ihren Liedern singt sie auf Englisch. Sie hat sich für diese Sprache entschieden, da ihr Leben und die Musik sie quer durch Europa geschickt haben. Die Sprache soll nun die vielen Kontakte verbinden, die sie an den verschiedenen Orten gemacht hat. Außerdem empfindet es die Musikerin als sehr kompliziert, auf Tschechisch zu singen. „Englisch ist fließend, melodisch. Die tschechische Sprache gleicht eher einer Klangfolge in Zick-Zack-Linie mit vielen Regeln, da ist es schwer, Melodie reinzubringen, dabei dem Sprachrhythmus treu zu bleiben und nicht wie ein Klischee zu klingen.“

Die Ideen für neue Lieder entwickeln sich meist von selbst, sie kommen zu ihr: Mal beobachtet Andrea Šulcová eine Situation, mal hat sie eine Melodie oder einen Beat im Ohr. Sie schreibt es dann sofort nieder oder nimmt es auf. „Sobald ich Zeit habe, lege ich die Struktur fest. Erst wenn ich die habe, arbeite ich an den Details. Das kann mal einen Tag oder auch mal ein paar Wochen dauern. Meist bin ich noch auf dem Weg ins Tonstudio damit beschäftigt, etwas zu verändern, zu verbessern oder die Grammatik zu kontrollieren.“ Ebenso war es mit den Ideen für ihre EP, die ihr in Dresden kamen. Hier schrieb sie sie auf und nahm zu dem namengebenden „Nobody Knows“ das Musikvideo im Japanischen Palais auf. Neben einem Lied, in dem sie sich ihrer Krankheit stellt, zu ihr sprich und ihr Fragen stellt, beschäftigt sie sich mit Liebe, Heimweh, Einsamkeit, persönlichem Wachstum und erlaubt damit den Zuhörern einen Einblick in ihre Gefühlswelt.

Für das Jahr 2022 hofft Andrea Šulcová, endlich wieder Konzerte vor Publikum geben zu können. Außerdem sei eine weitere CD-Aufnahme geplant.

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Weitere Informationen zur Sängerin und ihrer EP im Internet. Ihre Musik findet man bei allen üblichen Musikdienstanbietern.

Von Clarissa Seiferheldt

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