Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Dresden

Mittelalterliche Überreste bremsen Sanierung der Augustusbrücke aus

Arbeiter sind derzeit damit beschäftigt, eine Schicht aus Bitumen zur Abdichtung des Brückenbaus aufzutragen.

Arbeiter sind derzeit damit beschäftigt, eine Schicht aus Bitumen zur Abdichtung des Brückenbaus aufzutragen.

Dresden.Die Augustusbrücke wird von ihrer bewegten Vergangenheit eingeholt. Weil Arbeiter beim Aufgraben der Brückenrampe auf Neustädter Seite Reste eines romanischen Brückenbaus aus dem 12. Jahrhundert entdeckt haben, sind bei der Brückensanierung nun Umplanungen nötig. Die Generalsanierung der Stadtbrücke gerät deswegen in Verzug. Wie lange, weiß Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz noch nicht zu sagen. „Es wird auch einen Kostennachtrag geben“, sagt er. Bedeutet: Mehrkosten in noch unbekannter Höhe. „Von einer Kostenexplosion kann deswegen trotzdem keine Rede sein, wir bauen hier nicht die Elbphilharmonie“, sagt Koettnitz mit Verweis auf den teuren Prachtbau am Hamburger Hafen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von „Kostenexplosion“ ist keine Rede

Diese Worte sind auch auf eine Presseinformation der Linken-Stadtratsfraktion gemünzt, die auf zwei Antworten der Rathausspitze auf Anfragen von Linke-Fraktionschef André Schollbach basiert. Demnach hatte Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) in Vertretung von OB Dirk Hilbert (FDP) die Kosten im November 2017 mit 20,8 Millionen angegeben, Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) im Juni 2018 mit rund 24,9 Millionen Euro – ein Anstieg von reichlich vier Millionen Euro.

Von „Kostenexplosion“ war deswegen am Mittwoch in den DNN zu lesen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Ich hatte die Zahl von 24,9 Millionen Euro schon 2015 in meiner Kladde stehen, daran hat sich auch nichts geändert“, beteuert dagegen Amtsleiter Koettnitz. Er könne sich nicht erklären, wie die abweichenden Angaben von der Rathausspitze zustande gekommen sind. Bisher habe man den Kostenrahmen von knapp 25 Millionen Euro auch einhalten können – bis zum Fund der alten Brückenreste.

Im Vordergrund sind die Reste des mittelalterlichen Brückenbaus zu erkennen.

Im Vordergrund sind die Reste des mittelalterlichen Brückenbaus zu erkennen.

Dabei wusste man im Bauamt, dass die noch irgendwo in der Rampe schlummern. Bei Bohrungen vor Baubeginn hatte man jedoch Mauerwerksreste am äußeren Rand der der Carolabrücke zugewandten Brückenseite (oberstromige Seite) gefunden und vermutet, dass es sich um den romanischen Bau handelt. Ein Irrtum, wie sich beim Aufgraben feststellte: „Diese Fundamente gehören zum Narrenhäusl“, sagt Koettnitz nun. Zur Mitte der Brücke hin – dort wo die Leitungen für Gas, Trinkwasser, Abwasser und diverse Versorgungskabel eigentlich verlaufen sollten, kamen dagegen Teile des mittelalterlichen Baus mit einem Brückenbogen und einem Pfeiler aus grob behauenem Mauerwerk zutage. Archäologen haben den Fund überprüft und bestätigt.

Leitungsbau muss umgeplant werden

Die Planer wollen nun die Leitungen zwischen den Überresten, die durch Erdreich versiegelt werden sollen, und dem Narrenhäusl-Fundament durchfädeln. „Daran wird jetzt sehr intensiv gearbeitet, ich rechne damit, dass es bald Ergebnisse gibt und die Arbeiten wieder aufgenommen werden können“, sagt Koettnitz. Derzeit geht er noch davon aus, dass Ende des Jahres der oberstromige Brückenteil fertiggestellt und Ende 2019 der gegenüberliegende Brückenteil so weit saniert werden kann, dass dann wieder Straßenbahnen fahren können. Bis alle Arbeiten erledigt sind, wird nach derzeitiger Planung das Frühjahr 2020 angebrochen sein.

Für diese Einschätzung geben gerade die Arbeiten am ersten Brückenbogen auf Altstädter Seite Anlass. Sie liegen im Plan. Wermutstropfen für Autofahrer: Von Freitag, 20 Uhr, bis Montag, 5 Uhr, muss deswegen erneut das Terrassenufer komplett gesperrt werden. „Es handelt sich um die letzte Sperrung in den Sommerferien“, betont Koettnitz. Um weitere wird man später allerdings nicht herumkommen, weil zum Beispiel noch die für Bogenabriss und -wiederaufbau abgesenkte Fahrbahn wieder angehoben werden muss. Fünf Meter Durchfahrtshöhe werde die Brücke am höchsten Punkt dann haben. „Das Terrassenufer bleibt eine Trasse für den Schwerlastverkehr“, sagt Koettnitz.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bei der Sperrung am Wochenende wird das neue Betongewölbe auf einer Fläche von 520 Quadratmetern abgestrahlt, was die an das historische Original von 1910 angelehnte körnige Struktur des extra eingefärbten Betons zum Vorschein bringen und unschöne Zementschlemme beseitigen soll. Auch letzte Reste der Verschalung werden dabei entfernt.

Auf der Brücke sind Arbeiter weiter mit dem Abdichten der aus Gründen der Entwässerung geneigten Betonflächen beschäftigt. Später wird dort die Fahrbahn aufgebaut. Außerdem läuft meist mit originalen und teilweise ausgebesserten Sandsteinen der Aufbau der Gesimse für den Fußweg und auch schon der Brüstung. Im späteren Gehwegbereich werden zudem derzeit gewaltige schwarz lackierte Bodenhülsen befestigt, die später die Fahrleitungsmasten für die Straßenbahn halten werden. Eine Mauer zeigt zudem den Verlauf des künftigen Bordsteins an. Der Gehweg wird aus den alten Krustenplatten bestehen – so will es der Denkmalschutz. Auf dem Schloßplatz sind Arbeiter derweil mit dem Verlegen der Entwässerungsleitung beschäftigt. An der zum Terrassenufer führenden Rampe werden Kabel verlegt.

Von Uwe Hofmann

Mehr aus Dresden

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.