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1. TFV Dresden

Kickern unter Neonlicht

Drei Tische auf 22 Quadratmetern: Der 1. TFV mietet sich ein Büro am Bahnhof Mitte. Zweimal in der Woche kommen Kapitän Jan (Mitte, zuschauend) und seine Teamkameraden hier zusammen.

Drei Tische auf 22 Quadratmetern: Der 1. TFV mietet sich ein Büro am Bahnhof Mitte. Zweimal in der Woche kommen Kapitän Jan (Mitte, zuschauend) und seine Teamkameraden hier zusammen.

Dresden. Ein Klackern durchbricht die Bürotristesse. Abgehängte Decken, uncharmantes Neonlicht, in den Ecken stehen klapprige Stühle mit Rollen unter ihren Beinen. Und dann das Klackern. Nicht von vergilbten Tastaturen, sondern von den drei Tischkickern, die zwischen Bier- und Club-Mate-Kästen stehen.

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Was sich anhört wie eine klischeehafte Szene aus dem Arbeitsalltag eines Start-Ups, findet jeden Donnerstagabend im Bürohaus „KÖ25“ am Bahnhof Mitte statt. Hier trainiert der 1. TFV, Dresdens erster und einziger Tischfußballverein. Jan und Matthias haben den Verein mit vier anderen Freunden gegründet, inzwischen zählt der Verein 16 Mitglieder. Viele von ihnen kommen einmal in der Woche her, um ihre Fertigkeiten an den Stangen zu verbessern.

„Was, du trainierst Kickern? Warum bleibst du dafür nicht einfach in der Kneipe?“ Das wird Matthias häufig gefragt, wenn er in den Bars der Stadt vom TFV erzählt. Und das macht er häufig: „Wir müssen Präsenz in den Kneipen zeigen“, sagt er und bleibt dabei ganz ernst. Denn er weiß, Nachwuchs für den TFV wächst nicht im Leistungszentrum heran, sondern beim Feierabendbier.

So lernten sich auch Jan und Matthias kennen. Beim Kickern in der Groovestation, einer Bar in der Neustadt. Jeden Montag trafen sie sich dort mit vielen anderen Spielern. „Immer an Tisch Nummer eins“, sagt Matthias. Lange machten sie das nur zum Spaß – bis vor drei Jahren die Idee aufkam, bei Turnieren mitzuspielen.

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„Richtig gegründet haben wir den TFV dann im Dezember 2016“, erzählt Jan, der Mannschaftskapitän. Seitdem spielt sein Team in den offiziellen Tischkicker-Ligen mit. Und ist im vergangenen Jahr gleich in die dritte Liga, die Regionalliga, aufgestiegen.

„Das war episch!“ Wenn der Kapitän davon erzählt, wie knapp das entscheidende Spiel gegen den Favoriten aus Halle ablief, ist ihm seine Leidenschaft besonders anzumerken. Es stand unentschieden, alles hing vom letzten der insgesamt acht Duelle ab. „Da macht sich einfach bemerkbar, wie sehr mentale Stärke beim Kickern entscheidet.“ Und sein Team war an diesem Tag mental stärker, der TFV gewann und stieg auf. In der kommenden Saison, die im März beginnt, geht es jetzt also darum, die Klasse in der Regionalliga zu halten.

Damit darauf auch alle gut vorbereitet sind, hat sich der TFV gerade einen neuen Tisch geleistet. Für rund 1500 Euro – Geld, das die Mitglieder selbst aufbringen mussten. „Wir sind teurer als die meisten anderen Tischfußballvereine“, erzählt Jan. Auch wegen der Miete des Trainingsraums muss jedes Mitglied 15 Euro im Monat zahlen.

Dafür kann die Mannschaft dann aber jeden Donnerstagabend zum Training an den Bahnhof Mitte kommen. Und montags hält man die Tradition hoch, in der Groovestation zu spielen. „Außer während der Vorbereitung auf die neue Saison“, hakt Jan ein. Allein schon das Licht in den Kneipen sei nicht gut genug.

So stehen Jan und Matthias mit ihren Freunden und Teamkameraden zwei Mal in der Woche zwischen Bierkästen, klapprigen Stühlen und unter Neonlicht im Bürohaus an der Könneritzstraße. Arbeit ist es zwar nicht, was sie hier machen. Aber zumindest ein sehr ernsthaftes Hobby.

Wer beim TFV mitspielen möchte, kann sich auf der Facebook-Seite (https://www.facebook.com/1.TFVDresden/) über Veranstaltungen informieren. Einmal im Monat findet zum Beispiel ein „DYP“ (Draw Your Partner) statt, zu dem jeder Interessierte kommen kann.

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Von August Modersohn

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