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Dresden

Imker gehen mit Lauge und Feuer gegen Bienenseuche vor

Lutz Gläser (l.) und Norbert Reinhardt bringen die Bienenkästen in die Natronlauge.

Lutz Gläser (l.) und Norbert Reinhardt bringen die Bienenkästen in die Natronlauge.

Dresden. An langen Holzklapptischen stehen mehrere Frauen und Männer. Sie kratzen mit Spachteln, Drahtbürsten und anderen Utensilien mühsam Wachs und Propolis aus Bienenbeuten und von deren einzelnen Bestandteilen.

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Ätzende Flüssigkeit in großen Fässern

Wenige Meter daneben brodelt es in großen Fässern und einer viereckigen Wanne aus Edelstahl. Männer – bekleidet mit gelben Schürzen, Gummihandschuhen und Schutzmasken vorm Gesicht – tauchen die vorgereinigten Imkerutensilien in eine kochende Flüssigkeit.

Alte Bienenbeuten werden verbrannt

Es handelt sich um Natronlauge. Sie entfernt nicht nur das restliche Wachs und Propolis, ätzt jedes Farbpartikel weg, sondern desinfiziert mit Sporen belastetes, hochinfektiöses Material. Danach werden die gereinigten Beuten, die jetzt aussehen wie neu, mit Wasser abgespritzt. Alte Bienenbeuten, bei denen sich der Aufwand nicht mehr lohnt, landen im Feuer.

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Von Aktion wird Lehrfilm gedreht

Der Dresdner Imkerverein e.V. hat – begleitet vom Veterinäramt – der Amerikanischen Faulbrut den Kampf angesagt. Denn die Bienenseuche hatte sich in der Stadt massiv ausgebreitet. „Eine solche generalstabsmäßig organisierte Sanierung in dem Ausmaß ist bislang einzigartig in Deutschland“, weiß Tino Lorz, Vorsitzender des Imkervereins Dresden e.V. Deswegen werde gleich ein Lehrfilm gedreht.

Immer noch angespannte Situation

„Aktuell ist die Situation bezüglich der Amerikanischen Faulbrut in Dresden noch angespannt. Es bestehen derzeit noch neun Sperrbezirke mit über 60 Bienenhaltern, deren Bienenvölker im März 2018 alle klinisch und labordiagnostisch untersucht wurden. Basierend auf den Befunden wurden entsprechende Maßnahmen eingeleitet, die von verstärktem Wabenumschlag (die sog. Celler Betriebsweise) bis hin zur Abtötung von Bienenvölkern und der unschädlichen Beseitigung reichen. Insgesamt wurden bisher vier Sanierungswochenenden durchgeführt“, heißt es auf DNN-Anfrage von der Stadt.

Bald alle Sperrbezirke „durchsaniert“

Lorz spricht von „sechs seit September 2017“. „Einzelne kleinere Aktionen“ würden noch folgen, so der Imkervereinschef. „Dann haben wir es geschafft, alle neun Sperrbezirke in Dresden, die aufgrund der Amerikanischen Faulbrut ausgerufen wurden, durchzusanieren.“

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Über 60 Imker betroffen

Insgesamt seien „über 60 Imker betroffen. Von diesen wiesen Völker entweder Sporen der Amerikanischen Faulbrut der Bienen auf oder die Krankheit war schon ausgebrochen“, sagt Tino Lorz. Verursacher der Faulbrut sind Bakterien. Sie befallen die Bienenlarven und zersetzen diese.

Für Menschen ist Faulbrut ungefährlich

Ergreift der Imker keine Gegenmaßnahmen, stirbt das Volk. Durch räubernde Bienen, die mit Sporen belasteten Honig in ihren Heimat- Bienenstock tragen, gelangen die Erreger der amerikanischen Faulbrut in andere Völker. „Für Menschen ist die Faulbrut ungefährlich und auch Honig kann bedenkenlos verzehrt werden“, beruhigt die Abteilung Tierschutz und Tierseuchenbekämpfung des Veterinäramtes Dresden.

Imker hoffen, ab 2020 wieder normal arbeiten zu können

„Nach Abschluss der Sanierung wird mit der erneuten Beprobung der Bienenhaltungen in den Sperrbezirken begonnen, um schnellstmöglich die Restriktionszonen aufheben zu können“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. „Dann können wir hier in Dresden, negative Untersuchungsergebnisse vorausgesetzt, ab 2020 endlich wieder normal imkern““, freut sich Tino Lorz schon jetzt. „Denn momentan dürfen die Imker mit ihren Bienen die Sperrbezirke nicht verlassen, keine Völker von anderswo hinbringen und können auch nicht züchten bzw. Belegstellen besuchen. Neuimker bekommen keine Bienen.“

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Sanierungsaktion hat Imker 30 000 Euro gekostet

Die konzertierte Sanierungsaktion habe die Dresdner Stadtimker insgesamt ca. 30 000 Euro gekostet. „Finanziert wurde das durch einen Beitrag von 35 Euro für jedes Imkervereinsmitglied und Spenden“, erfahren wir von Tino Lorz.

Viele freiwillige Helfer arbeiteten in Schichten

Er ist froh, dass bei den Sanierungen so viele Freiwillige – 30 bis 40 Helfer pro Wochenende – mitgemacht hätten. „Gearbeitet wurde immer in Schichten und zwar von Freitagmittag bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr, um die vielen Beuten alle zu reinigen und von Sporen zu befreien.“ 1500 Arbeitsstunden seien so zusammengekommen, um die Bienen zu retten.

Brandenburger Imker dabei

Mit von der Partie war in Dresden an einem Sanierungswochenende auch Norbert Reinhardt, 2. Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburgischer Imker. „Die Brandenburger haben den Sachsen an anderen Orten ihr Bienengesundheitsmobil mit der für die Sanierung der Bienenstände erforderlichen Ausrüstung zur Verfügung gestellt, weil der sächsische Landesverband so etwas nicht besaß“, erklärt Lorz. „Mittlerweile haben wir uns jetzt als Dresdner Verein ein solches Mobil angeschafft.“

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„Ich bin hier, um zu lernen“, so Norbert Reinhardt gegenüber DNN. Denn ein solch massives Auftreten der Amerikanischen Faulbrut wie in Sachsen (momentan 22 Sperrbezirke), kenne man in Brandenburg nicht. „Bei uns gibt es ein regelmäßiges amtliches Monitoring, um infizierte Bienenvölker frühzeitig festzustellen.“

Imker plädieren für regelmäßiges amtliches Monitoring

„So etwas wünschen wir uns auch in Sachsen“, sagt Tino Lorz. „Gerade bei deiner solch hohen Bienendichte wie in Dresden und in Sachsen sind diese Maßnahmen zur Tierseuchenbekämpfung unbedingt notwendig, um eine massive Ausbreitung zu verhindern und einen Ausbruch einer solchen Krankheit in einem beherrschbaren Stadium zu erkennen. Es wäre auch eine wirksame Maßnahme gegen das Bienensterben.“

Hohe Bienendichte in Sachsen

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz sieht die Ursache für das massive Auftreten der Amerikanischen Faulbrut in der hohen Bienendichte. „Im Freistaat Sachsen werden pro Quadratkilometer verfügbarer Bundeslandfläche viel mehr Bienenvölker gehalten, als z.B. in Brandenburg, Thüringen oder Sachsen-Anhalt und dies mit stetig steigender Tendenz.“

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Bienendichte begünstigt Ausbreitung von Krankheiten

So seien in Sachsen im Jahr 2015 insgesamt 46 351 gemeldete Bienenvölker gehalten worden. Im Jahr 2017 sei die Anzahl der bei der Sächsischen Tierseuchenkasse gemeldeten Bienenvölker auf 54 988 gestiegen. „Je höher die Bienendichte im Land, desto einfacher ist es für eine ansteckende Infektionskrankheit sich auszubreiten“, heißt es in der Antwort auf eine DNN-Anfrage.

Kein gesetzlich vorgeschriebenes Monitoring

Ein gesetzlich vorgeschriebenes, regelmäßiges Monitoring werde es aber in absehbarer Zeit nicht geben, so Ministeriumssprecher Jörg Förster. Jeder lmkerin und jedem Imker stehe es frei, seine Bienenvölker auf das Vorhandensein von Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut der Bienen untersuchen zu lassen.

„Zusätzlich wird die landesweite Einführung der Anordnung einer regelmäßigen amtlichen Probennahme durch die sächsischen Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter der Landkreise und Kreisfreien Städte diskutiert. Hintergrund ist die vielfach geäußerte Sorge, dass das Engagement der Tierhalter zur Gesunderhaltung ihrer Bienenvölker und die gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zur Vorbeugung vor und Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut, nicht ausreichen könnten.“

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Von Catrin Steinbach

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