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Verhandlung

Im Gorbitzer Doppelmordprozess sprach am Dienstag die Mutter

In diesem Haus in Dresden-Gorbitz lebte der Tatverdächtige. Hier soll er auch seine beiden Töchter getötet haben.

In diesem Haus in Dresden-Gorbitz lebte der Tatverdächtige. Hier soll er auch seine beiden Töchter getötet haben.

Dresden. „Warum hat er die Kinder getötet, warum nicht mich als Frau und Mutter? Warum hat er die unschuldigen Kinder umgebracht“, fragte am Dienstag eine 35-Jährige verzweifelt im Dresdner Landgericht. Auf diese Frage hat sie vom mutmaßlichen Täter keine Antwort bekommen – der schweigt. Ihre beiden drei und sechs Jahre alten Töchter waren im vergangenen Sommer brutal ermordet worden.

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Eine Ehe zwischen Alkohol und Streit

Der mutmaßliche Täter ist deren eigener Vater. Der Mosambikaner muss sich seit März wegen Doppelmordes vor der Schwurgerichtskammer verantworten.

Die Anklage wirft dem 56-Jährigen vor, am 28. Juli vergangenen Jahres seine völlig arglosen Töchter in seiner Wohnung in Gorbitz mit äußerster Brutalität getötet zu haben. Grund sei, so die Vermutung der Staatsanwaltschaft, dass er seine Frau bestrafen wollte, die sich von ihm getrennt hatte.

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Das Paar hatte sich in Mosambik kennengelernt und dort 2011 geheiratet. Eduardo A., der bereits seit 1981 in der DDR lebte, holte seine Frau nach Deutschland. Die Ehe lief nicht sonderlich gut, es gab oft Streit, vor allem, weil er viel trank. „Er war kalt, zeigte keine Zuneigung und war oft betrunken. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich nicht hier hergekommen. Ich wollte zurück nach Mosambik“, erzählte die 35-Jährige.

Eduardo A. und sein Anwalt beim Prozessauftakt. Am Dienstag sagte seine getrennt lebende Ehefrau aus.

Eduardo A. und sein Anwalt beim Prozessauftakt. Am Dienstag sagte seine getrennt lebende Ehefrau aus.

Nach Tätlichkeiten ihr gegenüber verließ sie ihn, zog mit den Kindern zuerst in ein Frauenhaus und dann in eine eigene Wohnung. Dies wollte er wohl nicht akzeptieren, verfolgte sie und versuchte sie zur Rückkehr zu bewegen – sie lehnte ab. Das Besuchsrecht für die Kinder wurde per Gerichtsentscheid geregelt. Die Kleinen durften alle 14 Tage zu ihm. Auch an jenem Juliwochenende waren die Mädchen bei ihrem Vater.

„Ich merkte, dass sie plötzlich selbst sehr nervös wurden“

Als er sie nicht zur vereinbarten Zeit zurückbrachte und sie ihn nicht erreichen konnte, wurde die Mutter nervös und ging gegen 19 Uhr zur Polizei. „Sie sagten, dass sie hinfahren und ich die Kinder gleich wieder haben werde“, erinnerte sich die Mutter. „Aber es dauerte, auf Nachfragen erhielt ich keine konkreten Antworten, aber ich merkte, dass sie plötzlich selbst sehr nervös wurden. Gegen 23 Uhr sagte man mir dann, dass die Mädchen tot sind.“

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Die 35-Jährige kippte um und kam daraufhin in ein Krankenhaus. Sie befindet sich auch gegenwärtig noch in psychologischer Behandlung. Die Aussage vor Gericht fiel ihr sichtlich schwer.

Der Angeklagte schweigt beharrlich und äußert sich nicht. Auch gegenüber seiner Frau war er wohl ziemlich zurückhaltend. „Ich weiß nur, dass er aus dem Norden von Mosambik kommt. Von seiner Familie hat er mir nie etwas erzählt.“ Sie habe auch erst kurz vor der Heirat erfahren, dass ihr künftiger Mann gar nicht in Mosambik, sondern in Deutschland lebt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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