Zoff am Gartenzaun

Grundeigentümer will die Zufahrt zur Gartensparte „Spitzweg“ dicht machen

Privatweg Gartenverein "Spitzweg" ; Herr Preuß

Privatweg Gartenverein "Spitzweg" ; Herr Preuß

Dresden. Zum ersten Mal stehen sich die Kontrahenten Preuß und Janosch direkt gegenüber. Es gibt viel Diskussionsstoff, für beide Streitparteien. Grundstückseigentümer Janosch möchte die einzige Zufahrt zum Kleingartenverein „Spitzweg“ e.V. sperren. Für den stellvertretenden Vereinsvorstand Günter Preuß und die Hobbygärtner bahnt sich dadurch eine kleine Katastrophe an: Die Mitglieder können ab dem 1. März wohl nicht mehr auf ihre Parzellen an der Dohnaer Straße gelangen – und das zum Beginn der Frühjahressaison.

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„Das bedrückt uns sehr“, erzählt Preuß. „Unsere Vereinsmitglieder können nicht rechtzeitig mit der Gartenarbeit beginnen. Im März werden eigentlich die ersten Obst- und Gemüsebeete bestellt.“ Doch nicht nur den 36 betroffenen Gartenfreunden ist die Sperrung ein Dorn im Auge: Auch der Hintereingang der Gaststätte „Zum Knipser“ wäre durch eine Sperrung blockiert. Hinter dem Grundstück befinden sich zudem Garagen, die von 15 Personen genutzt werden. Auch diese PKW-Stellplätze könnten nicht mehr erreicht werden. Die Eigentümer der Garagenfläche haben sich bereits Rechtsbeistand geholt.

Vor acht Jahren kaufte Janosch das Grundstück. „Nun wurden meine Hunde und Hühner vergiftet, die ich auf der Fläche halte. Das ist doch nicht mehr normal“, schimpft Janosch aufgebracht. In letzter Zeit habe er außerdem mit nächtlicher Lärmbelästigung zu kämpfen. Daher möchte er den Weg für Fremde dicht machen. Mit seinem Vorhaben sieht sich Janosch im Recht: „Der Weg verläuft über mein Grundstück. Im Grundbuchamt ist der Abschnitt nicht eingetragen. Das Wegerecht greift somit nicht und ich darf die Zufahrt schließen, für immer.“

Dass der Grundstückseigentümer nicht rechtzeitig auf die Vereinsmitglieder zugegangen sei, stößt Preuß sauer auf. Janosch hingegen bestreitet diesen Vorwurf. Er habe bereits vor einem halben Jahr mit dem Vereinsvorsitzenden Peter Müller über die geplante Sperrung gesprochen. „Wie auch immer, jetzt ist es wohl nicht mehr zu ändern“, erkennt Preuß. „Nur eskaliert so etwas sehr schnell, weil man nicht vernünftig miteinander redet.“

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Bei der letzten Vorstandssitzung des 1979 gegründeten Kleingartenvereins in Leubnitz-Neuostra wurde Müller beauftragt, den Stadtverband Dresdner Gartenfreunde von der heiklen Situation in Kenntnis zu setzen. „Der Verband wurde informiert und muss jetzt aktiv werden“, fordert Preuß. „Aber die Besprechung mit dem Grünflächenamt am vergangenen Mittwoch ergab, dass der Stadtverband noch abwarten wolle, ob Herr Janosch seine Pläne tatsächlich in die Tat umsetzt.“ Sollte er den Weg komplett sperren, müsste ein zweiter Zugang zu den Schrebergärten geschaffen werden. Doch bis so eine Maßnahme von der Stadt genehmigt und der Weg fertiggestellt ist, dürften einige Monate vergehen, fürchtet Günter Preuß. Am 1. März trifft sich der 72-Jährige mit den Vereinsmitgliedern am Eingang der Sparte. Vor Ort wird gemeinsam beraten, wie es weitergehen soll.

„Dieser Privatweg wird ab dem 01.03.2018 geschlossen!“ – seit Dezember hängt das kleine Schild am Rande des Schotterweges, doch erst in der heißen Phase gehen beide Streitparteien einen Schritt aufeinander zu: Am 27. Februar wollen sich Janosch und Preuß gemeinsam an einen Tisch setzen und an einer Interimslösung arbeiten. „Ich mache den Weg zwar definitiv für Autofahrer zu, aber ein kleines Tor für die Gärtner wäre durchaus verhandelbar“, erklärt Janosch. Preuß hofft auf anhaltende Kooperation mit dem Grundbesitzer. „Herr Janosch hat einige beruhigende Worte anklingen lassen. Es bleibt abzuwarten, ob er auch bemüht ist, eine gemeinsame Lösung zu finden.“

Von Junes Semmoudi

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