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Dresden-Friedrichstadt

Gewaltserie in Erstunterkünften gibt Polizei Rätsel auf

Die Gewaltserie in Dresdner Erstaufnahmen für Asylbewerber reißt nicht ab. Dabei steht nun die Unterkunft an der Bremer Straße im Fokus.

Die Gewaltserie in Dresdner Erstaufnahmen für Asylbewerber reißt nicht ab. Dabei steht nun die Unterkunft an der Bremer Straße im Fokus.

Dresden. Die Serie von Gewaltausbrüchen in den Dresdner Erstaufnahmen stellt Polizei und Verantwortliche weiter vor Rätsel. Nachdem am Sonnabend erneut zwei Massenschlägereien in der Erstaufnahme Bremer Straße ausbrachen ist zumindest eines gewiss: Wie bisher kann es nicht weitergehen.

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Nachdem Ende Mai 50 Asylbewerber in der Unterkunft Hamburger Straße 60 Polizisten angegriffen und zwei von ihnen und einen Sicherheitsmann verletzt hatten, hat die zuständige Landesdirektion Sachsen (LDS) dort schon reagiert. Der Treppenhaussturm wurde mit einem Sicherheitsnetz ausgestattet, das verhindert, dass Gegenstände auf den Hof der Unterkunft geworfen werden (DNN berichteten). Außerdem wurde der Wachschutz personell verstärkt. Die vergangenen Freitag für Gemeinschaftsräume angekündigte Videoüberwachung sei dagegen ein mittelfristiges Vorhaben, sagte ein LDS-Sprecher am Montag.

Höhere Zäune: Mehr Schutz vs. Gefängnisgefühl

Versteht man die etwas unklaren Äußerungen recht, soll auch an der Bremer Straße permanent mehr Sicherheitspersonal zugegen sein. Genaue Angaben zu ihrer Zahl will die Behörde jedoch bewusst nicht machen. Von der erhöhten Sicherheit sollen vor allem die Bewohner selbst, allen voran in den Unterkünften lebende Familien, profitieren. Von 446 Menschen, die in der Erstaufnahme Hamburger Straße leben, sind 110 Kinder und 135 Frauen. Die Beantwortung einer DNN-Anfrage zu konkreten Überlegungen steht noch aus.

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Das Problem: Mehr Sicherheit allein kann nicht die Lösung sein. Am Sonnabend, als nach einer ersten Schlägerei unter 20 Bewohnern drei Georgier verletzt in ein Krankenhaus kamen, waren Sicherheitspersonal und Polizei vorgewarnt, dass das ein Nachspiel haben könnte. Trotz der erhöhten Aufmerksamkeit gelangten 30 Georgier nach kurzem Fußweg von der Hamburger Straße auf das Gelände der Erstaufnahme Bremer Straße und zettelten dort die nächste Massenschlägerei an. „Nach unserer Rekonstruktion sind sie über den Zaun geklettert“, sagt Polizeisprecher Thomas Geithner auf DNN-Anfrage. Möglicherweise hätten höhere Zäune also die Keilerei, bei der ein 47-jähriger Georgier schwere Verletzungen erlitt, verhindern können.

Die Unterkunft an der Hamburger Straße samt umgebendem Zaun.

Die Unterkunft an der Hamburger Straße samt umgebendem Zaun.

Das ist jedoch ein Gedanke, den sich die Verantwortlichen zweimal überlegen werden. Schon jetzt werden die Erstaufnahmen mit Kasernen oder gar Gefängnissen verglichen, obgleich die Bewohner sich frei bewegen können. Das war am Sonntag bei einer Demonstration des Sächsischen Flüchtlingsrats zu hören, zu der immerhin rund 300 Teilnehmer kamen. Ins gleiche Horn stoßen die Linken im Landtag, die einen Zusammenhang mit den Bedingungen der Unterbringung herstellen: „Wenn Menschen auf lange Zeit gemeinsam in einer Massenunterkunft kaserniert werden, dann sind Konflikte vorprogrammiert. Je größer die Unterkunft, je länger die Aufenthaltsdauer und je geringer die Perspektive auf eine positive Entscheidung des Asylbegehrs, desto größer werden Anspannung und Aggression“, erklärt die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel. Wenn Sachsens Regierung

Ankerzentren mit einer Kapazität bis 1000 Personen

einrichten und die Aufenthaltsdauer in der Erstaufnahme auf bis zu 24 Monate verlängern wolle, widerspreche das nicht nur menschenrechtlichen Standards. Es werde Konflikte weiter anheizen.

Nirgendwo in Sachsen sind die Gewaltausbrüche so heftig

Etwas differenzierte sieht das der SPD-Innenpolitiker Albrecht Pallas. „Die Häufung von gewalttätigen Konflikten ist auffällig. Den Ursachen dafür muss man auf den Grund gehen“, betont er. Es dürfe nicht bei der Behandlung der Symptome bleiben. Solche Unterkünfte brauchten ausreichend Personal für die Betreuung: „Wir werden beim verantwortlichen Innenminister nachhaken, ob hier zugunsten von Wachpersonal an der Betreuung und an Beschäftigungsmöglichkeiten gespart wurde.“ Eines sei klar: „Der Aufenthalt in solchen großen Gemeinschaftsunterkünften sollte so kurz wie möglich gehalten werden.“

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Weil Gewaltausbrüche laut LDS nirgendwo in Sachsen so häufig sind wie in den Dresdner Erstaufnahmen, konzentriert sich die politische Debatte auf die hiesigen Verhältnisse. Die bereiten indes den Ermittlern der Polizei Kopfzerbrechen. Es könne sich nicht sagen lassen, warum in letzter Zeit immer wieder Georgier unter den Tatverdächtigen nach Schlägereien in den Unterkünften sind, sagt Polizeisprecher Geithner. Vorher seien die kaum aufgefallen. Das ist nun anders: Unter den 15 Personen, die am Sonnabend nach der zweiten Schlägerei in Gewahrsam kamen, waren drei Georgier, die zuvor schon bei drei Gewaltexzessen polizeilich aufgefallen waren. 33 Einsätze wegen Gewaltdelikten hat es inzwischen in diesem Jahr in den Dresdner Erstaufnahmen Hamburger Straße und Bremer Straße gegeben.

Persönliche Konflikte werden zu Gruppenstreits

Die Aufklärung gestalte sich meist schwierig, weil weder Opfer noch Täter anschließen ein Interesse an einer Kooperation mit der Polizei hätten. Man regele diese Dinge lieber auf die eigene Weise untereinander, wie sich auch an der Racheaktion nach der ersten Schlägerei am Sonnabend erkennen lässt.Hinzu kämen Problem mit Dolmetschern und ähnlichem, die bei einer so großen Zahl Tatverdächtiger den Vernehmungsprozess auf Tage ausdehnten, wie es aus der Polizeidirektion heißt. So ist noch nicht klar, was den letzten Gewaltausbruch ausgelöst hat. „Meist sind es persönliche Konflikte, die schnell zu Gruppenauseinandersetzungen ausgeweitet werden“, sagt Polizeisprecher Geithner. Dazu trage auch eine gereizte Stimmung bei. Die gegnerischen Gruppen zeichneten sich in aller Regel durch ethnische Geschlossenheit aus, von Revierkämpfen zwischen der großen Gruppe der Georgier und einzelner nordafrikanischer Gruppen in Dresden lasse sich deshalb jedoch nicht sprechen.

Von Uwe Hofmann mit dpa

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