„Mahnmal für die Verwundung der Stadt“

Gedenktafel an Splittereiche im Großen Garten Dresden enthüllt

Inzwischen schwer gezeichnet hat die Splittereiche mehrere Jahrhunderte der Stadtgeschichte überstanden.

Inzwischen schwer gezeichnet hat die Splittereiche mehrere Jahrhunderte der Stadtgeschichte überstanden.

Dresden. „Die Zeit mag alle Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin.“ Diese Worte von Mark Twain zieren seit Montag eine Tafel vor der so genannten Splittereiche im Großen Garten nahe des Mosaikbrunnens. Sie wurde von Dr. Christian Striefler, Direktor der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH, an den Vorsitzenden des Vereins Denk Mal Fort!, Holger Hase, übergeben.

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„In den 50er oder 60er Jahren hätte es wahrscheinlich keiner Tafel bedurft“, sagt Striefler. „Alle Dresdner wussten, woher dieser Baum seine Schäden hat.“ Heutzutage sei es aber wichtig, den Leuten zu zeigen, dass der Stamm nicht etwa durch eine Baumkrankheit oder einen Blitzschlag so schwer beschädigt wurde.

Diese Tafel wurde am Montag enthüllt

Diese Tafel wurde am Montag enthüllt.

Die Splittereiche ist ein Zeitzeuge der Dresdner Stadtgeschichte. Fast 300 Jahre alt, erlebte sie, wie der Großen Garten von August dem Starken ausgebaut und nach 1813 für die Bevölkerung geöffnet wurde. Sie überlebte mehrere Kriege – den Siebenjährigen Krieg, die napoleonischen Kriege, den Ersten Weltkrieg –, die den Park mitunter stark verwüsteten. Auch die Luftangriffe auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945, bei dem fast der gesamte Große Garten zerstört wurde, überlebte sie – diesmal allerdings schwer gezeichnet und mit einer tiefen Narbe. Neben einem Mahnmal an den Krieg sei sie auch ein Symbol, dass man schwere Schläge und Verletzungen überwinden kann, so Striefler weiter.

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„Dieses versteckte und unscheinbare Mahnmal steht auch für die Verwundungen der ganzen Stadt, die diese im Zweiten Weltkrieg erlitten hat“, sagte Martin Modschiedler (CDU) in seiner Rede. „Und wie die Stadt hat sich auch der Baum erholt – er wächst und gedeiht.“ Tatsächlich wuchs der Baum nach seiner Beschädigung noch weiter und trägt Jahr für Jahr dichtes Blattwerk.

Den 8. Mai, der Tag der Kapitulation Deutschlands und dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, habe man als Tag für die Enthüllung der Tafel gewählt, da dies ein starker Gedenktag dafür sei, dass sich die Geschichte nicht wiederholen dürfe und er symbolisch sowohl für Ende als auch für Neubeginn steht. Umrahmt wurde der Termin von musikalischen Beiträgen sowie dem Verlesen von Briefen einiger Zeitzeugen, die das Erlebte zwischen dem 13. Februar und dem 8. Mai 1945 wiedergaben.

Von Gerrit Menk

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