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13. Februar

Frauenkirchenpfarrer mahnt zum „wahrhaftigen Erinnern“

Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt mahnt zum wahrhaftigen Erinnern.

Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt mahnt zum wahrhaftigen Erinnern.

Dresden. Alljährlich um den 13. Februar wird an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg erinnert. Die wiederaufgebaute Frauenkirche steht dabei als authentischer Ort der Erinnerung im Fokus. „Aber wir nehmen aktuelle Bezüge zu Orten des Leidens und des Sterbens, von Krieg und Gewalt in diesem Jahr darin auf“, sagte Pfarrer Sebastian Feydt der Deutschen Presse-Agentur. Die Bedeutung dieser Februartage liege im „wahrhaftigen Erinnern“.

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„Das bedeutet, dass wir nicht 1945 anfangen zu denken, sondern den Beginn des Zweiten Weltkrieges, der von Deutschland aus nach Europa und dann in die Welt getragen wurde, in seiner Gänze sehen“, sagte Feydt. „Gedenken bedeutet Denken, und die historische Einordnung dieses Krieges und seiner Folgen spiegelt sich in der Frauenkirche.“

Wahrhaftige Erinnerung und historische Einordnung seien angesichts eines schwindenden Bewusstseins wichtiger denn je, sagte Feydt. „Die bewusste Verkehrung historischer Fakten und Umkehrung dessen, was gewollt war, kann man nur mit kontinuierlichem Benennen der Wahrheit begegnen.“ Mit jeder Kirchenführung, jedem Gebet werde daher nicht nur an das Leid und den Einsturz der Kirche am 15. Februar 1945 erinnert. „Wir machen klar, dass es die Folge eines von Deutschland aus in die Welt hinaus getragenen Krieges war und welche Folgen das hat.“

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Die Bemühungen um eine zivile Konfliktlösung hätten in der Vergangenheit viel zu wenig im öffentlichen Bewusstsein gestanden, sagte Feydt. „Wir haben uns ausgeruht auf den großartigen Ergebnissen der Friedlichen Revolution und erleben jetzt ein Auseinanderdriften und eine neue Gefahrenlage.“ Das gebe der Frauenkirche einen neuen Stellenwert. „Wir können nicht stehenbleiben mit dem, was wir in der Vergangenheit mit ihr verbunden haben.“

Das Gotteshaus erweise sich als der Ort, mit dem Menschen es über Grenzen, Konflikte und ein kaum zu beschreibendes Ausmaß an Leid und Schmerz hinweg geschafft hätten, gemeinsam etwas aufzubauen: „Damit zeigt sich, dass ein friedliches Miteinander trotz unterschiedlichster eigener Prägung möglich ist.“

Die alten und neuen Steine in ihrer Fassade, die von Nationalismus und selbstbezogener Politik zeugen, zwingen laut Feydt zur Auseinandersetzung mit der Friedensbotschaft. Die Frauenkirche als Ort des Friedens, spürbarer Vergebung und Versöhnung werde offengehalten - auch in turbulenten Zeiten mit zunehmendem Populismus und einer in Frage gestellten parlamentarischen Demokratie, in Zeiten mit Hass und Hetze. Sie sei ein Lernort für alle Generationen: „Die Älteren, die Erinnerungen an Krieg einbringen, und die Jungen, die ihre Hoffnung auf ein friedliches Leben einbringen.“

Von Simona Block, dpa

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