Zuschüsse gefordert

E-Bikes für Dresdens Hebammen?

Symbolfoto

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Dresden. „Bis zu dreißig Anrufe muss eine Schwangere in Dresden tätigen, um eine Hebamme zu bekommen“, sagt Heike Erlenkämper, Hebamme im Neustädter Geburtshaus an der Louisenstraße. Das Problem sind dabei nicht die regelmäßigen Geburtenrekorde in der Landeshauptstadt, sondern „mangelnde Wertschätzung gegenüber den Hebammen“, sagt Erlenkämper. Ein rot-grün-roter Antrag im Dresdner Stadtrat soll die zunehmende Belastung finanziell abfedern und einem drohendem Nachwuchsproblem entgegenwirken.

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Dresden hat bundesweit die niedrigsten Kaiserschnittraten

Konkret wollen die Fraktionen von SPD, Linken und Grünen den Hebammen Zuschüsse aus dem städtischen Topf „Soziale Projekte“ bereitstellen, ein Monitoring zur Erkennung von etwaiger Unterversorgung starten und die ambulante Hebammenbetreuung erleichtern. Zum Beispiel durch E-Bikes für Hebammen auf Hausbesuch, die lästiges Parkplatzsuchen ersetzen sollen. „Das Zuschuss-Prinzip wird bereits in anderen deutschen Städten wie Marburg angewendet“, sagt Stadträtin Pia Barkow (Die Linke).

Für die Wochenbettbetreuung, die auch Mütter in Anspruch nehmen können, die ihr Kind im Krankenhaus zur Welt gebracht haben, soll ein Zuschuss von 30 Euro pro Wöchnerin gezahlt werden, für jede begonnene Hausgeburt sowie für Beleggeburten im Krankenhaus sollen die Hebammen 200 Euro bekommen und für jede begonnene Geburt in einem Geburtshaus oder einer Praxis wollen Linke, SPD und Grüne den Hebammen einen Zuschuss von 100 Euro gewähren. „Das Geld soll jeweils zum Ende des Jahres ausgezahlt werden“, erklärt Barkow. Jährlich kommen in Dresden über 8000 Kinder zur Welt. 2017 wurden 369 Kinder außerklinisch geboren, davon 126 zu Hause. Mit rund 4,5 Prozent ist der Anteil der Geburten außerhalb von Krankenhäusern in Dresden fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig hat die Landeshauptstadt die bundesweit niedrigsten Kaiserschnittraten.

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Verein „Gut ins Leben“ will lokal etwas bewegen

Die Wahlfreiheit bei der Geburtshilfe stehe im Sozialgesetzbuch verankert, doch in der Realität können Schwangere oft nicht frei wählen, weil aus Kapazitätsgründen und Personalmangel nicht alle Leistungen zur Verfügung stünden, sagt Tina Siebeneicher (Die Grünen). „Die geforderten Zuschüsse sollen Hebammen motivieren, ihren Job nicht aufzugeben“.

Eine große Last für die Hebammen sind die gestiegenen Prämien bei der Haftpflichtversicherung, aktuell liegen sie bei 8173 Euro. Rückwirkend wird ihnen ein Teil zurück erstattet. Für einen Wochenbettbesuch, der mindestens 45 Minuten in Anspruch nimmt, erhalten die Hebammen rund 45 Euro brutto. „Das Problem der mangelnden Wertschätzung liegt im Bundesgesundheitsministerium“, sagt Erlenkämper. Um lokal etwas zu ändern, hat sich in Dresden der Verein „Gut ins Leben“ gegründet. Die aktuell 32 Eltern und Hebammen im Verein haben sich damit zum Ziel gesetzt, jeder schwangeren Frau eine Hebamme zu ermöglichen, den Geburtsort frei wählen zu können und dem Hebammenberuf eine Zukunft zu geben.

Ob der Antrag umgesetzt wird, entscheidet sich vermutlich im November. Bei der gegenwärtigen Lage empfiehlt Erlenkämper, so früh wie möglich nach einer Hebamme zu suchen – auch schon in der vierten oder fünften Schwangerschaftswoche.

Von tg

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