Nachwuchs in Sicht

Dresdner Zoo soll Koala-Weibchen bekommen

Liegt es an der Vorfreude? Koala Mullaya zeigte sich am Sonntag nach dem Wiegen munterer als gewöhnlich.

Liegt es an der Vorfreude? Koala Mullaya zeigte sich am Sonntag nach dem Wiegen munterer als gewöhnlich.

Dresden. Es ist gerade Paarungszeit bei den Koalas, doch für Nachwuchs können die beiden im Zoo Dresden lebenden Beutelbären Iraga und Mullaya nicht sorgen. Sie sind zwar durchaus in Stimmung und weitaus aktiver auf ihren Anlagen im Gustav-Brandes-Haus unterwegs, weswegen sie sogar spürbar an Gewicht verlieren, doch den beiden seit 2013 an der Tiergartenstraße beheimateten Männchen fehlt schlichtweg eine Partnerin. Seit Jahren wartet der Zoo sehnsüchtig darauf, dass ihm vom Zuchtbuch-Führer für Europa ein Weibchen zugeteilt wird. Ende dieses Jahres/Anfang 2019 könnte es aber Grünes Licht aus Duisburg geben. Im dortigen Zoo, aus dem auch die beiden Dresdner Tiere stammen, wird das europäische Zuchtbuch für die beliebten Botschafter Australiens geführt. Dort, wo 1995 erstmals in Europa eine Koala-Aufzucht gelang, hat man wohl jetzt eine geeignete Partnerin für die Dresdner Jungs ausgemacht.

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„Sie soll aus Antwerpen kommen“, erklärte Dresdens Koala-Pfleger Olaf Lohnitz am Sonntag beim öffentlichen Wiegen von Iraga und Mullaya im Brandes-Haus den zahlreich erschienenen Besuchern. Noch ist das junge Weibchen aus Belgien nicht geschlechtsreif – das sind Koalas erst mit etwa zwei Jahren –, weshalb es mit dem ersten Koala-Nachwuchs in Dresden in jedem Fall noch etwas dauern wird. Kommt das Jungtier aus dem ältesten Zoologischen Garten Belgiens, zu dem die Außenstation Planckendael gehört, dann wird es wohl auf die rechte, etwas größere Anlage im Brandes-Haus ziehen. Mit welchem Männchen es dort verpaart wird, entscheiden das Tier und der Dresdner Zoo nicht allein – das ist vor allem Sache des Zuchtbuch-Führers. Der muss darauf achten, dass die wenigen in Europa lebenden Koalas nicht durch Inzucht gefährdet werden.

Der 2011 geborene Iraga hätte demnach die etwas besseren Chancen: „Seine Zuchtlinie ist wohl noch weniger gestreut“, erklärt Olaf Lohnitz. Mullaya, der 2011 ebenfalls in Duisburg auf die Welt kam, ist hingegen temperamentvoller. Sollte Iraga das Weibchen (oder umgekehrt) nicht mögen, könnte er zum Zuge kommen. Doch all das ist Zukunftsmusik – erst einmal muss die junge Dame wirklich eintreffen. Bewerber gibt es auch anderswo, selbst in Sachsen, wo mit dem Zoo Leipzig ein zweiter Tiergarten zwei Männchen, aber kein Weibchen hält. „Ich würde es den Leipzigern gönnen, wenn sie ein Weibchen bekommen – aber uns noch ein bisschen mehr. Wir warten schon etwas länger“, lacht Lohnitz.

Der Dresdner Revier-Tierpfleger würde es gern noch einmal selbst miterleben, wie Koalas Nachwuchs zeugen: „Das durfte ich schon einmal in Duisburg, wo ich eingearbeitet worden bin. Einmal im Jahr ist Paarungszeit – dann ruft das Weibchen laut nach den Männern. Aber nach der Paarung muss man sie schnell wieder trennen, denn dann kloppen die sich.“ Die Erhaltungszucht im Zoo wird aber immer wichtiger, denn der Wildbestand an Koalas in Australien sinkt stetig durch die Zerstörung ihres Lebensraumes, durch Hunde-Angriffe, Buschfeuer und Unfälle mit Autos. Die Koala Foundation schätzt, dass es nur noch weniger als 100 000 wildlebende Koalas in vier australischen Bundesstaaten gibt. In einigen Regionen gingen die Bestände einer WWF-Analyse seit den 90er Jahren um 80 Prozent zurück. In europäischen Zoos sind Koalas noch selten, denn ihre Haltung ist sehr aufwändig. In Deutschland kann man die Beutelsäuger nur in Duisburg, Dresden und Leipzig live erleben.

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Von Jochen Leimert

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