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Semperopernball

Dresdner Politiker kritisieren Ordensvergabe an Ägyptens Staatspräsident Al-Sisi

Der Präsident der Arabischen Republik Ägypten, Abdel Fattah Al-Sisi, 2017 im Ittihadiya-Palast in Kairo.

Der Präsident der Arabischen Republik Ägypten, Abdel Fattah Al-Sisi, 2017 im Ittihadiya-Palast in Kairo.

Dresden.Der Dresdner Semperopernball vergibt in diesem Jahr auch einen St.-Georgs-Orden an den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah Al-Sisi. Eine Delegation überreiche ihm die Auszeichnung im Bereich Politik und Kultur bereits am Sonntag in der Hauptstadt Kairo, teilte der Ballverein am Freitag mit. Damit werde ein Staatsmann geehrt, der „Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents ist“, hieß es zur Begründung. Zudem wird Al-Sisi als „herausragender Brückenbauer und Friedenstifter in der von schweren Krisen gekennzeichneten nordafrikanischen Region“ gelobt, der den Dialog mit allen Parteien suche und „für die Menschen und ihre Hoffnungen ein Anker“ sei.

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Al-Sisi war nach einem Militärputsch an die Macht gekommen.

Al-Sisi war nach einem Militärputsch an die Macht gekommen.

Friedensstifter oder Hardliner?

Der ehemalige General und Armeechef Al-Sisi war 2013 nach einem Militärputsch an die Macht gekommen und 2014 als Präsident vereidigt worden. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist in Ägypten stark eingeschränkt.

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Dresdner Politiker kritisieren Preisverleihung

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) warf den Semperopernball-Organisatoren Verantwortungslosigkeit vor. Es sei beschämend, dass der Verein „aus PR-Gründen einen Autokraten und Unterdrücker wie Al-Sisi auszeichnen“ wolle.

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Dana Frohwieser, Vorsitzende der SPD-Fraktion Dresden, sieht einen Skandal. „Solche bestenfalls gedankenlose Hobby-Diplomatie schadet dem Ruf Dresdens in der Welt enorm“, sagte sie. Auch der ägyptischen Demokratiebewegung falle man damit in den Rücken. Die Stadträtin forderte den Verein auf, den Vereinsvorstand von seinen Pflichten zu entbinden. „Staatliche Häuser wie die Semperoper dürfen für solche Autokraten kein Schauplatz sein. Gesellschaftliche und politische Verantwortungsträger müssen dem Ball in diesem Jahr fernbleiben“, verlangte Frohwieser.

„Ein fatales Signal aus Dresden“

Die Sprecherin des Grünen-Kreisverbands, Susanne Krause, rief Oberbürgermeister Dirk Hilbert „als Repräsentanten der Landeshauptstadt Dresden auf, nicht in offizieller Funktion am Semperopernball teilzunehmen und keine Personen auf Kosten der Stadtkasse dazu einzuladen.“ Die Ordensverleihung sende „ein fatales Signal aus Dresden“, so die Politikerin.

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Der Dresdner FDP-Stadtrat Holger Hase verurteilt die beabsichtigte Verleihung: „Al-Sisi putschte sich 2013 mit militärischer Gewalt gegen eine demokratisch gewählte Regierung an die Macht, schuf einen Polizeistaat und soll nun in Dresdens guter Stube geehrt werden. Das ist ein Unding für jeden politisch urteilsfähigen Bürger“, kritisierte der FDP-Chef die Wahl. Er forderte den Verein Semper Opernball e. V. auf, seine Entscheidung zu korrigieren. „Wenn in Dresden unter dem Motto ‚Gegen den Strom‘ weiter Autokraten geehrt werden, hätten wir aus der Friedlichen Revolution nichts gelernt. Die Verleihung des St.-Georgs-Ordens an Al-Sisi wäre Hohn und Spott gegenüber den Werten der Friedlichen Revolution“, so Hase weiter.

Hans-Joachim Frey (l.), Chef des Semper-Opernballs, mit Fürst Albert von Monaco, der 2019 einen St.-Georgs-Orden erhielt.

Hans-Joachim Frey (l.), Chef des Semper-Opernballs, mit Fürst Albert von Monaco, der 2019 einen St.-Georgs-Orden erhielt.

Vereinschef verteidigt Auswahl

Hans-Joachim Frey, Künstlerischer Leiter des Semperopernballs und Vorsitzender des Vereins, verteidigte die Entscheidung für Al-Sisi. „Wir haben ja als Motto auf dem St.-Georgs-Orden Adverso Flumine stehen, gegen den Strom. Das heißt, wir machen auch Entscheidungen, die ganz wichtig sind für zukünftige Entwicklung“, sagte er dem MDR in Sachsen. Man wolle „Kulturbrücken bauen, um über die Kultur eine vermittelnde Sprache zwischen Regionen zu schaffen“, erklärte er.

Auch Putin schon ausgezeichnet

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin (2009) und sein rumänischer Amtskollege Klaus Johannis (2017) haben schon einen solchen Orden. Der undotierte Preis ist eine Nachbildung eines barocken Anhängers mit dem Heiligen Georg als Drachentöter, der für den Sieg des Guten über das Böse stand, im Grünen Gewölbe Dresden.

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Von dpa/ttr

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