Nach Messerattacke in Chemnitz

Dresdner Justizbeamter hat Haftbefehl veröffentlicht

Nach der Messerattacke in Chemnitz hat sich jetzt ein Vollzugsbeamter zu Wort gemeldet.

Nach der Messerattacke in Chemnitz hat sich jetzt ein Vollzugsbeamter zu Wort gemeldet.

Dresden. Der Dresdner Justizvollzugsbeamte Daniel Zabel hat den Haftbefehl im Fall der tödlichen Messerattacke in Chemnitz in den sozialen Medien veröffentlicht. Das ließ der 39-Jährige am Donnerstagabend über seinen Rechtsanwalt Frank Hannig mitteilen.

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Demnach habe er im Rahmen seiner Tätigkeit Kenntnis von dem Haftbefehl gegen einen der Tatverdächtigen erhalten. „Ich habe mich entschlossen, dieses Dokument, den vollständigen Haftbefehl, zu fotografieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, so Zabel. Ihm sei dabei klar gewesen, dass er damit Dienstpflichten verletze und habe auch gewusst, dass er dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Job verlieren werde. „Mir war allerdings nicht klar, dass ich mich mit dem Veröffentlichen dieses Dokuments möglicherweise auch strafbar gemacht habe“, heißt es in der Mitteilung des Rechtsanwalts.

Als Gründe für seinen Schritt gab er an: „Ich möchte, dass die Öffentlichkeit weiß, was geschehen ist. Ich möchte, dass die Spekulationen über einen möglichen Tatablauf ein Ende haben und ich möchte, dass die Medien nicht mehr die Hoheit haben, den tatsächlichen Tatablauf in Frage zu stellen, zu manipulieren oder auf einen ihnen jeweils genehme Art und Weise zu verdrehen.“

Im Hinblick auf den Totschlag oder Mord von Chemnitz wolle er nicht mehr Teil einer schweigenden Masse sein, sondern dafür sorgen, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Die Konsequenzen seien ihm bewusst. „Ich vertraue aber darauf, dass ich ein faires und rechtsstaatliches Verfahren kriege.“ Der 39-Jährige stehe zu dem, was er getan habe.

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Das Justizministerium reagierte umgehend und suspendierte den Justizvollzugsbeamten. „Die Weitergabe von vertraulichen Dokumenten eines Strafverfahrens ist verantwortungslos und stellt einen schwerwiegenden Vorwurf dar. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat seit Mittwoch umfangreiche Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt, sodass ich davon ausgehe, dass der Fahndungsdruck auf den betroffenen Bediensteten derart hoch war, dass er sich jetzt stellte“, sagte Justizminister Sebastian Gemkow.

Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen hatten acht Durchsuchungen durchgeführt. Sie betrafen auch den Beschuldigten, der Anfangsverdacht habe sich gegen den Beamten der JVA Dresden schließlich erhärtet, teilte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase mit.

Nach der rechtswidrigen Veröffentlichung des Haftbefehls gegen zwei Verdächtige im Chemnitzer Todesfall auf mehreren rechten Internetseiten hatten die sächsischen Behörden mit Hochdruck nach den Verantwortlichen für die undichte Stelle. Zunächst war Jan Timke, Bremer Bürgerschaftsabgeordneter der rechtskonservativen Wählervereinigung "Bürger in Wut" in das Visier der Ermittler geraten.

Von Christin Grödel

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