Nach dem Skandal Jackpot für acht Dresdner Gründer

Dresdner Dating-Plattform Lovoo für 65 Millionen Dollar verkauft

Am Firmensitz in der Prager Straße sind gestern die Mitarbeiter über den Verkauf informiert worden.

Am Firmensitz in der Prager Straße sind gestern die Mitarbeiter über den Verkauf informiert worden.

Dresden. Für die acht Gründer der 2012 gestarteten Dresdner Flirt-Plattform Lovoo ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Die US-amerikanische Meet Group aus Pennsylvania legt für das deutsche Unternehmen 65 Millionen Dollar (58,22 Millionen Euro) auf den Tisch. Vollzug für den Übernahmedeal soll Ende Oktober sein. Das gab das US-Unternehmen am Mittwoch offiziell bekannt.

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Geoff Cook, CEO von The Meet Group, sagt: „Wir freuen uns sehr darüber, unsere globale Präsenz auszubauen und mit Lovoo ein rentables Wachstumsunternehmen in unser App-Portfolio aufzunehmen. Lovoo ist unsere dritte strategische Übernahme in zwölf Monaten und wird künftig gemessen am Traffic unsere größte Einzel-App sein. Wir wollen über unser gesamtes Markenportfolio hinweg Wachstum ankurbeln, indem wir Innovationen rund um unser Livestreaming-Video-Produkt entwickeln und Best-Practices bezüglich Monetarisierung und Nutzerbindung portfolioübergreifend teilen.“

Alle 97 Mitarbeiter in Dresden und Berlin sollen übernommen werden, hieß es. Geschäftsführer Florian Braunschweig werde weiter für das operative Geschäft verantwortlich sein, der bisherige Chef Benjamin Bak zunächst für sechs Monate als Berater fungieren.

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Lovoo gehört inzwischen zu den bekanntesten Dating-Apps im deutschsprachigen Raum, liegt auch in Frankreich, Spanien und Italien weit vorn am Markt und hatte seine Nutzerzahlen zuletzt mit 60 Millionen angegeben. Laut Meet Group hat Lovoo in den zwölf Monaten vor dem Verkauf knapp 27,2 Millionen Euro umgesetzt.

Schlagzeilen hatte das Portal zuletzt 2015 wegen Betrugsvorwürfen gemacht. Im Juni 2016 stürmten das LKA und die Polizei in Berlin und Dresden Büros des Startups. Bak und Ko-Chef Alexander Friede wurden festgenommen. Ihnen und zehn weiteren Lovoo-Mitarbeitern warf die Staatsanwaltschaft vor, sogenannte Fake-Profile genutzt zu haben. Das sind fingierte Partnersuch-Anzeigen. Kunden, die die dabei vorgestellten Personen interessant fanden, haben sich bei Lovoo angemeldet und Geld dafür bezahlt, Details zu den vermeintlichen Kotaktsuchern zu erfahren. So sollen 1,8 Millionen in die Taschen der zwölf Beschuldigten geflossen sein. Im September 2016 allerdings war das Verfahren gegen die Zahlung von 1,2 Millionen Euro eingestellt worden.

Lovoo hat sich seither dem Kampf gegen Fake-Profile verschrieben – mit neuen Compliance-Regeln und neuen Check-Chancen für Nutzerprofile. Auch im Unternehmen hat sich vieles verbessert: Beim Ranking zu Deutschlands 1000 beliebtesten Arbeitgebern landete das Flirt-Portal im Februar auf Rang 130.

Noch im März 2014, als Lovoo weltweit nur 8,8 Millionen Nutzer hatte und gerade verkraften musste, dass der Start von Tinder in den USA ihnen den Einstieg in Übersee vermieste, sagte Lovoo-Miterfinder Alexander Friede den DNN: Sollte eines Tages Facebook-Gründer Marc Zuckerberg persönlich mit einem Koffer voll Geld auf der Matte stehen, müsse man eine persönliche Hemmschwelle überschreiten:„Wir haben dieses Baby zum Laufen gebracht und man will es großziehen. Wir sind alles Leute, die noch tausend andere Ideen haben.“ Sollte der Koffer jedoch groß genug sein, würden die Lovoo-Macher ihn allerdings auch nehmen. Nun steht dreieinhalb Jahre später ein anderer Riese mit einem Koffer vor der Tür: Jackpot. Die Gründer haben zugegriffen.

Von Barbara Stock

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