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Landgericht Dresden

Dreieinhalb Jahre Haft für Banküberfall an der Königsbrücker Straße

Dresden. Im Herbst 2018 fahndete die Polizei nach einem maskierten Bankräuber, der am 18. Oktober die Filiale der Deutschen Bank auf der Königsbrücker Straße überfallen, Angestellte und einen Kunden mit einer Waffe bedroht und über 25.000 Euro erbeutet hatte. Alle Ermittlungen blieben erfolglos, es gab keine Spur, der Täter blieb unauffindbar.

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Das Auffälligste: seine Unauffälligkeit

Vielleicht wäre der Fall nie aufgeklärt worden, wenn nicht am 2. Januar 2019 ein Mann bei der Polizei erschienen wäre und erklärt hätte, er sei der Bankräuber und möchte sich gern stellen. Am Mittwoch stand Michael B. wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Landgericht Dresden.

Der 49-Jährige ist ruhig, höflich, betulich und unsicher. Das Auffälligste an ihm ist seine Unauffälligkeit. Ein Mann, dem man nie etwas Böses zutrauen würde, vor allem keinen Bankraub. Den räumte er in allen Einzelheiten ein – und sagt dazu, dass er sich das alles nicht erklären kann.

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Michael B. lebte in einem kleinen Ort in Niedersachsen, ging arbeiten, hatte eine Wohnung. Dann geriet er in eine „Lebenskrise“. Er öffnete keine Post mehr, zahlte keine Rechnungen, ließ sich treiben und, so sagte er selbst, „haute dann vor den Problemen ab“.

Die Zielbank googelte er zuvor

Dass er nach Dresden kam, war Zufall. Ein Zug auf dem Bahnhof fuhr hierher. Er nahm sich ein Hotelzimmer, schaute sich die Stadt an. Als sein Geld alle war und er auf dem Bahnhof übernachten musste, beschloss er, eine Bank zu überfallen. Er kaufte eine Spielzeugpistole und einen Mundschutz und marschierte in die Filiale auf der Königsbrücker Straße. „Ich hatte gegoogelt, und die Bank war etwas abgelegen“.

„Ich stand an dem einen Schalter, meine Kollegin an dem anderen, da kam Herr S., ein Kunde von uns herein, um Firmengelder einzuzahlen“, erinnerte sich später vor Gericht die Bankangestellte Silvia K. Der Kunde habe eine Geldtasche auf den Tisch gelegt. „Da stand plötzlich wie aus dem Nichts dieser Mann da, hielt eine Waffe in unsere Richtung und rief: ,Geld her, das ist ein Überfall’!“

Nachdem der Mann dies wiederholt und mit der Pistole herumgefuchtelt hatte, packte sie ihm die 25.000 Euro und 320 Dollar von Herrn S. in eine Tüte. Michael B. haute ab. Er blieb noch einige Tage in der Stadt, fuhr dann durch Deutschland, lebte in Hotels, kaufte ein – bis die Beute aufgebraucht war. Dann fuhr er zurück nach Dresden und stellte sich der Polizei. Das rechnete ihm die Kammer positiv an.

„Ich möchte mich aufrichtig entschuldigen“

Die ganze Geschichte ist etwas bizarr, manchmal fast komisch – wären da nicht die Folgen für die Beteiligten. Silvia K., die bei dem Überfall cool und clever reagierte, war danach arbeitsunfähig, monatelang in psychologischer Betreuung und hat noch heute Probleme. In den Lauf einer Waffe zu schauen, muss ganz übel sein – auch wenn es nur eine Spielzeugpistole war, was sie ja nicht wusste.

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Einzig dem Kunden S. fiel auf, das die Pistole möglicherweise nicht echt ist. „Ich bin sehr erschrocken, was das für Konsequenzen für sie hat. Ich möchte mich aufrichtig entschuldigen“, erklärte Michael B. Der 49-Jährige wurde zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Von Monika Löffler

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