Jugendhilfe

Deutschlands dienstältester Jugendamtschef geht in Ruhestand

Claus Lippmann, Leiter des Jugendamtes Dresden

Claus Lippmann, Leiter des Jugendamtes Dresden

Dresden. An die Regeln hat sich Claus Lippmann nicht immer gehalten. Zumindest aus jungen Jahren ist das überliefert. Im Sachsenbad hat er sich bisweilen von der Galerie aus ins Wasser gestürzt, was natürlich verboten war. „Wahrscheinlich hätte ich Erziehungshilfen gebraucht“, scherzt Lippmann heute. Gerade hat er die 296. Sitzung des Jugendhilfeausschusses in seiner Amtszeit hinter sich gebracht, die 66. in der endenden Stadtratsperiode. Mit erstaunlicher Gelassenheit, denn es ist die letzte für den 65-Jährigen. „Meinen 66. wollte ich nicht hier verbringen, deshalb gehe ich in den Ruhestand.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zusammen mit den dazugehörigen Unterausschusssitzungen sind wohl an die 1000 Gremientreffen zusammengekommen, die sich mit den Hilfen für Jugendliche mit Erziehungsproblemen, Kindern in familiären Schwierigkeiten, der Betreuung in Kindertagesstätten, der Arbeit von Jugendhäusern und vielem mehr aus diesem Metier befasst haben. Am 5. Juli wird es einen offiziellen Abschied mit Oberbürgermeister und Bildungsbürgermeister geben. Zwei Tage später steht mit dem Familienfest des Jugendamtes am Elbufer die letzte Amtshandlung an.

Dann wird Deutschlands dienstältester Jugendamtschef einer Großstadt ab 200 000 Einwohner nicht mehr im Büro im Rathaus am Dr.-Külz-Ring auftauchen. „Vor Langeweile sterben, werde ich nicht“, ist sich Lippmann sicher. Zu der DDR-Zeiten war er Elektronikfacharbeiter und Technischer Assistent für Physik bei der Akademie der Wissenschaften, in der Wendephase Gründungsmitglied der Bürgerbewegung Neues Forum Dresden und des Bürgerkomitees Bautzner Straße, das sich mit der Auflösung der Staatssicherheit befasste. Seit September 1990 arbeitet er in der Stadtverwaltung im Jugendamt. Seit 1. Juli 1995 ist er dessen Leiter. Nach Peter Haschenz erst der zweite, den die Stadt hatte. Lippmann hat dagegen sieben Bürgermeister erlebt, die für sein Amt zuständig waren. Formal endet seine Dienstzeit nach mehr als 24 Jahren als Amtsleiter schließlich Ende August.

Sylvia Lemm wird kommissarische Leiterin des Jugendamtes Dresden

Sylvia Lemm wird kommissarische Leiterin des Jugendamtes Dresden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Jugendhilfeausschuss hat seine nächste reguläre Sitzung erst im Herbst. Daher gab es schon am Donnerstagabend reichlich Abschiedsworte. Lippmann habe einen großen Beitrag für Kinder und Jugendliche in der Stadt geleistet, erklärte der amtierende Ausschusschef Jan Güldemann von der Kindervereinigung Dresden. Die Landeshauptstadt könne stolz sein auf ihre Jugendhilfe-Landschaft, die andere Kommunen neidisch mache.

„Wir sind nicht immer einer Meinung gewesen“, blickte Carsten Schöne vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zurück. „Das ist aber auch gut so, Reibung erzeugt Wärme.“ Er bedaure Lippmanns Abschied, sagte Ausschussmitglied Tilo Kießling. „Er hat die Vielfalt der Jugendhilfelandschaft vor politischem Einfluss geschützt“, fügte der Linkenpolitiker gegenüber DNN hinzu.

Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann stellte die große Laudatio für den 5. Juli in Aussicht. „Die gute Jugendhilfelandschaft ist nicht nur eine Leistung des Amtsleiters, sondern der ganzen Verwaltung, des Jugendhilfeausschusses sowie des Stadtrats und seiner Haushaltsbeschlüsse“, gab Lippmann die Blumen zurück.

Sein Job ist ausgeschrieben. Bis die Nachfolge geklärt ist, übernimmt Sylvia Lemm kommissarisch die Leitung des Jugendamtes. Die 51-jährige ist Sachbearbeiterin Ressourcen- und Prozessmanagement und arbeitet im Büro des Bildungsbürgermeisters, ist dort für Jugendhilfe zuständig.

Der Noch-Amtsleiter ist derweil mit dem Ausräumen befasst. Einem Gast im Ausschuss brachte dies am Donnerstag schon mal eine DVD ein, die sich Lippmann „vor fünf Jahren ungefähr“ geliehen hatte. In seinem Büro hat Stadtarchiv-Direktor Thomas Kübler alles beschlagnahmt, was der Nachwelt erhalten werden soll. Der Interims-Umzug des Jugendamtes an die Enderstraße bleibt Lippmann erspart.

Von Ingolf Pleil

Mehr aus Dresden

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken