Zwerge for Future

Das sind Dresdens Klimaknirpse

Bei Fridays for Future in Dresden beteiligen sich auch die ganz Kleinen.

Bei Fridays for Future in Dresden beteiligen sich auch die ganz Kleinen.

Pieschen. Kurz bevor es losgeht, ist die Aufregung auf dem Hof der Pieschener Kita „Rehefelder Straße“ groß. Kinder in grünen und orangenen Warnwesten schwirren durcheinander, halten selbstgemalte Manifeste in den Händen und rufen lautstark: „Wir sind hier! Wir sind laut! Weil ihr uns die Zukunft klaut!“

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Zum vierten Mal engagiert sich die Pieschener Kita der Trägerschaft “Outlaw“ am Freitag beim „Fridays for Future“- Protest in Dresden. 27 Kinder sind mit dabei. Darunter Dreijährige, die gerade erst aus der Krippe kommen und Sechsjährige, die schon bald eingeschult werden. Dazwischen vier Erzieher, ausgerüstet mit Knäckebrot und Keksen, Trommel und Rasseln.

Anstoß kam von den Kindern

Als die Kita-Gruppe auf der Cockerwiese ankommt, empfangen die Fridays-for-Future-Schüler die Kleinen mit Applaus. Der „Outlaw“- Kindergarten scheint der einzige zu sein, der sich bei dem Protest beteiligt. Nach einer kurzen Pause geht es weiter Richtung Altmarkt. Die kleinen Klimaschützer reihen sich mit ihren Warnwesten am Ende des Protestzuges ein, direkt vor den Polizei-Autos. „So haben wir mehr Überblick “, erklärt Susanne Luther, stellvertretende Leiterin der Kindertagesstätte. Zusammen mit ihrem Kollegen Hardy Hälbig organisiert sie die Klima-Proteste der Kita.

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Der Anstoß für einen bewussteren Umgang mit der Umwelt kam allerdings von den Kindern. Alles begann damit, dass diese ihren Betreuern voller Sorge berichteten, wie Wale wegen der großen Plastikmengen im Meer sterben. Dies hätten die Vorschüler wohl in einer Kindersendung aufgeschnappt, vermutet Luther. Da fiel ihr auf, dass im Kita-Alltag in Sachen Naturschutz wenig zu spüren ist.

Kids wollten nicht nur Zuschauer sein

Also starteten Luther und ihre Kollegen ein „Mülltrennungsprojekt“, zeigten den Kindern, wie man einen Komposthaufen baut und erklärten ihnen, dass das Licht nicht immer brennen und das Wasser nicht immer laufen muss. Was anfangs neu war, sind heute eingespielte Rituale im Kita-Alltag. Zur selben Zeit starteten Luther und ihre Kollegen ein „Demokratieprojekt“. So sollten die Kinder erfahren, welche Rechte sie haben, was Demokratie bedeutet und wie sie ihre Meinung kundgeben können. Da kam der „Fridays-for-Future“- Protest am 15. März wie gerufen. Um den Kindern zu zeigen, wie eine Demonstration aussieht, beschlossen die Erzieher, die Demo vom Straßenrand aus zu beobachten.

Doch die Kids wollten nicht nur Zuschauer sein und so bereitete sich die Kita auf den nächsten Protest vor. Nach einer Weiterbildung durch Umweltpädagogen zeigte man den Kindern einen Trickfilm, welcher den Klimawandel, seine Ursachen und mögliche Schutzmaßnahmen altersgerecht erklärte.

Nur noch mit dem Fahrrad in den Urlaub

Der Film machte Vorschüler zu wahren Umweltexperten. So schlug Gustav seinen Eltern vor kurzem vor, sie sollten doch ihr Auto verkaufen. Außerdem wünscht sich der Sechsjährige, es gäbe keine Fischerei mehr. „Damit die Fische im Meer bleiben“, erklärt er. Katharina hingegen stört unsere Fliegerei und fordert, dass wir nur noch mit dem Fahrrad in den Urlaub fahren sollten. Ihre Kita-Genossin Louisa kann da nur zustimmen und beklagt die Dämpfe, die aus Autos und Flugzeugen heraus kommen.

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Die Frage, warum sie in der Kita „Rehefelder Straße“ für den Klimaschutz protestieren, beantwortet Katharina kurz und knapp: „Weil wir ohne die Natur sterben.“ Zudem sollten wir aufhören, die Bäume der Urwälder zu fällen. Schließlich bräuchten wir die Bäume. „Die nehmen die schlechten Nährstoffe auf und geben die guten ans uns ab“, erklärt die Vorschülerin in rosafarbenem Kleid mit Katzemotiv. Ihre beste Freundin Dora hingegen läuft bei der Demo mit, weil sie es cool findet und die ganze Zeit Musik läuft.

Susanne Luther ist sich darüber im Klaren, dass nicht alle Kinder eine klare Meinung zum Thema Klimaschutz haben. „Es gibt welche, denen ist die Sache echt wichtig und welche, die laufen mit, weil ihr bester Freund dabei ist“, erzählt die 42-Jährige. Eine völlig aus freien Stücken geformte, politische Meinung könne man ohnehin erst ab dem Pubertätsalter entwickeln, weiß Luther. Doch darum ginge es auch nicht. Mit ihrem Engagement bei der „Fridays-for-Future“- Bewegung wollen die Erzieher den Kindern zeigen, dass ihre Stimme etwas zählt. Damit sie sich als Teil der Gesellschaft ernst genommen fühlen. Daher wird sich die Kindertagesstätte „Rehefelder Straße“ auch bei den nächsten Freitags-Protesten engagieren. Unter dem Motto „Wir sind zwar klein, aber wir sind laut!“

Von Laura Catoni

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