Gerichtsbericht

Bewährung für Messerattacke

Mit einem Küchenmesser stach der Angeklagte auf seinen 16-jährigen Freund ein. (Symbolfoto)

Mit einem Küchenmesser stach der Angeklagte auf seinen 16-jährigen Freund ein. (Symbolfoto)

Dresden. „Wir alle sind Zeugen äußerster Großherzigkeit geworden. Das Opfer und seine Familie haben Ihnen die Tat verziehen. Aber bei allem Vergeben und aller Nachsicht, Sie haben schwere Schuld auf sich geladen und dafür müssen Sie allein gerade stehen“, erklärte Richterin Susanne Halt dem Angeklagten. Der 18-Jährige wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, verurteilt. Abdalrhmen A. muss 250 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten, zur Schule gehen und ein Antiaggressionstraining absolvieren.

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Der Syrer hatte am 8. Oktober 2018 am Amalie-Dietrich-Platz seinen 16-jährigen Freund niedergestochen und schwer verletzt. Beide hatten am Vortag gestritten, weil der Angeklagte einen Passanten um eine Zigarette gebeten und dem, als der verneinte, verprügeln wollte. Der 16-Jährige und sein Bruder fanden das unmöglich und gingen dazwischen. Diese Zurechtweisung ärgerte Abdalrhmen A.

Am Folgetag traf man sich mit Landsleuten in einer Wohnung in Gorbitz. Eine gemischte Truppe – junge Männer, wie das Opfer, die zur Schule gehen, lernen, sich um Arbeit bemühen, an die Regeln halten, aber auch Straftäter. Wieder fühlte sich der Angeklagte vom 16-Jährigen gemaßregelt. Bevor er mit den anderen die Wohnung verließ, griff er sich ein Küchenmesser und stach dann, vielleicht noch von anderen angestachelt, auf das Opfer ein.

Abdalrhmen A. und seine Familie waren vor dem Krieg in Syrien geflohen, er selbst wurde angeschossen – kein einfaches Leben, aber kein Grund, auf andere einzustechen, auch wenn er seinen Freund nicht töten wollte und sich ehrlich entschuldigte. Das die Sache so glimpflich ausging, ist nicht sein Verdienst.

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„Achten Sie auf die Auswahl ihrer Freunde, da sind Leute dabei, die einen Kodex haben, der hier nichts zu suchen hat. Man verschafft sich nicht mit einem Messer Respekt. Ihren Freund, der sich bemüht, hätten sie fast umgebracht“, gab Verteidiger Frank Hannig seinem Mandanten mit auf den Weg.

Von Monika Löffler

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