Mobilität

Bahn frei für den elektrischen Tretroller: Was rollt da auf Dresden zu?

Hipp und bequem: In vielen europäischen Städten gehört der Elektroroller bereits zum Alltag. Nun will auch Deutschland den Weg für die schnittigen Flitzer freimachen. Kritiker warnen vor den Gefahren.

Hipp und bequem: In vielen europäischen Städten gehört der Elektroroller bereits zum Alltag. Nun will auch Deutschland den Weg für die schnittigen Flitzer freimachen. Kritiker warnen vor den Gefahren.

Dresden. Fährt Dresden bald auf Tretroller ab? Schon in Kürze könnte der Bundesrat mit einem Ge­setz die Bahn für el­ektrische Stehroller freimachen und damit ei­ne ganz neue Form der Mobilität an den Start bringen – auch in der sächsischen Landeshauptstadt. Die ersten Anbieter haben schon Interesse angemeldet, wollen in Dresden große Flotten ausleihbarer E-Roller installieren. Die Stadtverwaltung zeigt sich dafür of­fen, führt bereits erste Gespräche.

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In vielen Städten in Europa ge­hören die Tretroller mit Elektromotor längst zum Alltag. In Paris, Prag oder Porto hatten sich neben all je­nen, die sich ohnehin einen der vergleichsweise preiswerten Roller gekauft ha­ben, im Handumdrehen große Leihsysteme etabliert. Nutzer können sich überall spontan einen Roller leihen, damit zum Ziel düsen und dort das Gefährt einfach stehen lassen. In Dresden gibt es dieses Modell be­reits für Fahrräder.

Der Bundesrat will sich voraussichtlich am 17. Mai mit der neuen Verordnung befassen, die den E-Rollern den Weg ebnen könnte und die den Leihrädern heftige Konkurrenz ma­chen dürften. Wie Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) bestätigt, hätten be­reits fünf An­bieter Interesse be­kundet, in der Stadt ein Leihsystem mit E-Rollern etablieren zu wollen.

Der Verwaltungschef weiß um den Vorteil der Roller, aber auch um die Probleme. Grundsätzlich, so er­klärt Raoul Schmidt-Lamontain, bilden E-Roller „einen weiteren Baustein zur Förderung umweltfreundlicher El­ektromobilität in Verbindung mit dem ÖPNV“. Die Stadt und an­dere Akteure stricken derzeit an ei­nem umfassenden Netz so genannter Mo­­bi-Punkte – Schnittstellen zu Bus und Bahn, wo etwa Carsharing-Autos oder Rä­der geliehen werden können.

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Zwei solcher Punkte gibt es schon

, 76 sollen es mal werden. Und überall dort könnten künftig auch E-Roller ausgeliehen werden.

An Dresdner Mobilitätspunkten – hier der vor der VW-Manufaktur – soll es künftig auch E-Roller geben

An Dresdner Mobilitätspunkten – hier der vor der VW-Manufaktur – soll es künftig auch E-Roller geben.

Zugleich hebt Raoul Schmidt-Lamontain aber auch mögliche negative Effekte hervor, verweist da­bei un­ter anderem auf zugestellte Wege, „wenn in Kürze ungeregelt E-Scooter auf den Markt gebracht werden.“ Fahruntaugliche Tretroller könnten in der Gegend herumliegen, einige Stadtteile über Ge­bühr mit abgestellten Fahrzeugen belastet werden. Und: Nicht zuletzt drohen auch Konflikte zwischen den mit bis zu 25 Stundenkilometer flotten Elektrorollern und Fußgängern.

Genau die befürchten auch die Mitglieder vom Verein Dresden Zu Fuß. Die Fußgänger-Lobby warnt vor einer Zulassung der Roller auf Gehwegen. „Gehwege sind Schutzraum für Fußgänger und damit auch für besonders schutzbedürftige Personen wie Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderung“, sagt Vereinsmitglied Matthias Medicus. Tatsächlich ist es anderswo bereits zu teils schweren Unfällen gekommen – weshalb beispielsweise in Frankreich die Verantwortlichen nun auf die Bremse traten und das Fahren auf Gehwegen untersagten.

Roller, aber auch Lastenräder und Pedelecs fordern die Planer heraus

In Dresden gebe es zudem schon jetzt häufig Be­schwerden wegen Konflikten mit Radfahrern. „Diese Problematik ist in Dresden aufgrund vieler ge­meinsamer Geh- und Radwege be­sonders ausgeprägt“, sagt Matthias Me­di­cus und nennt die An­tonstraße, die Schweriner Straße und den Elbweg als Beispiele. Dort und an­derswo könnten sich die Probleme künftig durch die Roller verschärfen.

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Beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) teilen die Mitstreiter diese Bedenken. Sachsens ADFC-Chef Konrad Krause hatte erst kürzlich vor „Riesenkonflikten“ mit Fußgängern gewarnt, hält zu­dem den Streit mit Radfahrern für programmiert. Auf sehr vielen Rad­wegen sei es jetzt schon eng – und das Netz oft schlecht ausgebaut.

Die Verantwortlichen im Dresdner Rathaus haben jedoch auch diese Sorgen mit auf dem Schirm. Raoul Schmidt-Lamontain räumt ein, dass die Roller, aber auch Lastenräder und Pedelecs die Planer herausfordere. Er verweist auf den Verkehrsentwicklungsplan und das Radverkehrskonzept: „Wir wollen sicherere Radwege ausbauen und die Lücken im Radwegenetz schließen.“

Anders als zunächst vom Bundesverkehrsministerium geplant, soll das Fahren mit E-Rollern auf Gehwegen nun aber ohnehin von vornherein ausgeschlossen werden. Da­mit reagierte Verkehrsminister An­dreas Scheuer (CSU) auf den Druck der Länder, unter anderem auch aus Sachsen. Ungeachtet dessen habe der Schutz der Fußgänger in Dresden höchste Priorität, wie Raoul Schmidt-Lamontain betont, der un­ter anderem für das Abstellen der Roller „rote Zone“ festlegen will.

E-Roller stehen bei der "micromobility expo" auf der Messe Hannover

E-Roller stehen bei der "micromobility expo" auf der Messe Hannover.

Der Bürgermeister baut auf freiwillige Selbstverpflichtungen, de­nen sich die Leih-Anbieter unterordnen sollen und die klare Regeln für ei­nen geordneten Betrieb und ein ge­­fahrenfreies Abstellen der Roller enthalten. So sei denkbar, dass beispielsweise der Theaterplatz von El­ektrorollern frei zu halten sei, ebenso wie die stetige Beobachtung der Ge­samtsituation. Auch an­dere Städte hätten mit den Selbstverpflichtungen gute Erfahrung ge­macht. „Wir setzen jetzt auf konstruktive Gespräche mit den An­bietern“, erklärt Raoul Schmidt-Lamontain.

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Von Sebastian Kositz

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