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Blutspende

100 Liter Lebenssaft – Detlef Doege spendet in Dresden zum 200. Mal Blut

Blutspenden ist für Detlef Doege längst Routine. Etwa zehn Minuten dauert sein 200. Aderlass.

Blutspenden ist für Detlef Doege längst Routine. Etwa zehn Minuten dauert sein 200. Aderlass.

Dresden.Wie zu jedem der sechs Termine im Jahr stellt sich Detlef Doege an die Rezeption des Blutspendedienstes vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) an der Blasewitzer Straße, um sich anzumelden. Doch an diesem Montagmorgen ist etwas anders: Auf ihn warten bereits die leitende Entnahmeärztin Christiane Hübler sowie einige Pressevertreter. Denn Detlef Doege wird zum 200. Mal Blut spenden. Diese stolze Zahl erreichen in Sachsen pro Jahr durchschnittlich gerade mal zwei Blutspender.

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Im Alter von 18 Jahren die erste Blutspende

Für den gebürtigen Cottbuser ist das Blutspenden von Beginn an keine große Sache: „Ich hatte damals keinen besonderen Grund, ich bin einfach mal hingegangen. In jungen Jahren habe ich das auch nicht regelmäßig gemacht.“ Mit 18 Jahren spendete er das erste Mal. Zum festen Bestandteil seines Lebens wurde es für den heute 62-Jährigen aber erst nach der Wende. „Mit Spendengeldern wird viel Unfug getrieben. Ich wollte etwas tun, was den Menschen direkt hilft. Mit einer Spende kann ich bestenfalls drei Menschen helfen. Deshalb mache ich das“, sagt Doegel.

Inzwischen ist der Besuch beim DRK ein fester Termin in seinem Kalender. Obwohl er in Nossen lebt, spendet er derzeit in Dresden. Aus beruflichen Gründen, wie er erklärt. Doegel arbeitet seit 43 Jahren bei einem regionalen Energieversorger im Bereich Umweltschutz und stimmt die Blutspendetermine mit seinen Arbeitszeiten ab.

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Mehr Regale als Blutkonserven

Entnahmeärztin Christiane Hübler ist dankbar für Menschen wie Detlef Doegel. „Aktuell gibt es bei uns mehr Regale als Blutkonserven“, sagt sie. Die Blutspendedienste haben derzeit mit einem extremen Engpass zu kämpfen. „Für seltene Blutgruppen haben wir nicht mal mehr einen Tagesvorrat“, gibt Hübler offen zu.

Sie sieht die Urlaubszeit und die extremen Temperaturschwankungen als Gründe dafür. Dabei ist Blutspenden bei Hitze alles andere als gefährlich: „Im Sommer haben wir mit viel weniger Nebenwirkungen zu kämpfen als im Frühjahr oder Herbst. Die Menschen verhalten sich bei diesen Temperaturen so, wie es optimal für eine Blutspende ist: Sie trinken viel, überanstrengen sich nicht und gehen alles ruhiger an“, erklärt die Ärztin.

In Dresden werden Spenden für den Bereich Ost gesammelt, der Sachsen, Berlin und Brandenburg umfasst. Dafür werden pro Tag 1200 Konserven gebraucht. Kommen diese nicht zusammen, werden andere Blutspendedienste kontaktiert. Wenn in Chemnitz beispielsweise mehr Konserven zusammengekommen sind, können diese in Dresden aushelfen.

Nach der Spende wird das Blut analysiert

Das DRK sichert deutschlandweit 70 Prozent der notwendigen Blutversorgung, den Rest übernehmen private und klinikeigene Dienste. Nach der Spende wird das Blut analysiert und kann am übernächsten Tag freigegeben werden. Sofern nichts Negatives festgestellt wird: „Ernste Auffälligkeiten gibt es sehr selten. Im letzten Jahr stellte sich in einem Fall heraus, dass der Spender HIV-positiv war. So etwas passiert aber äußerst selten“, berichtet Hübler.

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Bei harmlosen Auffälligkeiten werden die Spender schriftlich informiert. Um die Versorgung für Zeiten wie diese zu sichern, gibt es auch Termine an Feiertagen. Denn nicht alle benötigten Bestandteile des Blutes halten lange durch. So sind Blutplättchen schon nach vier Tagen nicht mehr zu gebrauchen, während rote Blutkörperchen sechs Wochen und Blutplasma sogar zwei Jahre eingelagert werden kann. In der Weihnachtszeit ist die Spendenbereitschaft besonders groß, weiß Christiane Hübler: „Wir veranstalten jedes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag eine Spendenaktion. Da ist das Haus voll und es kommen sehr viele Spender, trotz der langen Wartezeiten.“

Männer dürfen maximal sechs Mal im Jahr spenden

Detlef Doeger richtet seine Blutspendetermine nicht nach Feiertagen. Seit über vier Jahrzehnten gehört die Blutspende sechs Mal im Jahr – so oft dürfen Männer maximal spenden – einfach dazu. Und dann soll es auch am Montagmorgen endlich losgehen. „Können wir dann anfangen? Das dauert doch sonst nie so lange bei euch!“, fragt der Nossener ungeduldig und nimmt auf der Liege Platz. Und dann folgt der 200. Pieks für einen guten Zweck.

Was kann gespendet werden?

Blutspenden werden in erster Linie für Krebspatienten gebraucht. 19 Prozent sind aufgrund der Krankheit auf fremdes Blut angewiesen, es folgen Patienten mit Erkrankungen des Herzens oder des Magen-Darmtraktes mit je 16 Prozent und erst dann kommen Unfallopfer mit 12 Prozent. Das besagt die Statistik des DRK. Jeder gesunde Mensch ab 18 Jahren darf Blut spenden. Die Obergrenze liegt für regelmäßige Spender beim 72. Geburtstag, für Erstspender bei 65 Jahren. Wenn der Arzt nach dem Spende-Check das OK gibt, werden 500 Milliliter Vollblut entnommen. Frauen dürfen vier Mal im Jahr spenden, Männer bis zu sechs Mal. Plasmaspenden benötigen Patienten, deren Blut durch eine Krankheit oder Verletzung nicht mehr alle Funktionen erfüllt. Das kann bei großen Blutverlusten, Blutgerinnungsstörungen, Verbrennungen oder lebensgefährlichen Abwehrschwächen der Fall sein. Das Plasma ist der flüssige Teil des Blutes und wird während der etwa 45 Minuten dauernden Spende herausgefiltert. Die Blutzellen fließen anschließend zurück in den Körper. Maximal werden 850 Milliliter Blutplasma entnommen. Im Körper des Spenders wird das Plasma innerhalb von sechs Stunden nachgebildet. Deshalb kann Blutplasma bis zu 60 Mal im Jahr gespendet werden.Thrombozytenspenden dauern am längsten und halten am kürzesten. Denn dahinter verbergen sich Blutplättchen. Diese werden vor allem von Leukämie-Patienten oder anderen Erkrankten, die zu wenig Blutplättchen haben, benötigt. Wenn diese Menschen keine Spenden erhalten, kann es zu lebensbedrohlichen Blutungen kommen. Denn diese kann der Körper nur mit ausreichend Blutplättchen bekämpfen. Ähnlich wie bei der Plasmaspende werden die Thrombozyten herausgefiltert und den Rest bekommt der Spender wieder. Die Spende dauert etwa eine Stunde und kann grundsätzlich aller zwei Wochen durchgeführt werden. Nach vier Tagen werden die gespendeten Blutplättchen unbrauchbar.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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