Mehr Akzeptanz und weniger Stigmatisierung

Oberlidstraffungen, Botox und Fettabsaugungen: Warum sich immer mehr Männer operieren lassen

Immer mehr Männer unterziehen sich ästhetischen Eingriffen.

Schönheits-OPs erleben im Zeitalter von Instagram und Co. einen Boom. Laut einer aktuellen Erhebung ist die Anzahl dieser Behandlungen im letzten Jahr deutlich angestiegen. Laut der aktuellen Operations- und Behandlungsstatistik der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) sind 2021 in Deutschland 93.853 ästhetische Eingriffe durchgeführt worden – das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 15 Prozent. Darin wird aber auch ersichtlich: Der Anteil von Männern bei den ästhetischen Behandlungen lag im Jahr 2021 bei 13,2 Prozent – ein Jahr zuvor war der Anteil mit 9,65 Prozent noch niedriger.

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„Die Akzeptanz in der Gesellschaft steigt – natürlich auch wegen den sozialen Medien“, erklärt Christian Lenz, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aus München. Vor einigen Jahren sei das noch ganz anders gewesen. „Bei einem Mann, der sich Botox in die Stirn hat injizieren lassen, hatten doch die meisten Menschen Vorurteile.“ Da sich heute aber immer mehr Menschen ästhetischen Behandlungen unterziehen, sei auch die Stigmatisierung rückläufig, erklärt der Chirurg. Es sei heute nicht mehr unüblich, dass Männer auf Empfehlung von Freunden kommen, die ebenfalls eine ästhetische Behandlung hatten.

Mehr Druck in den Großstädten

Dennis von Heimburg, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aus Frankfurt, erklärt sich die Zunahme der Behandlungen damit, dass es Männern heute weniger gleichgültig sei, wie sie aussehen und auch ihre Eitelkeit zugenommen habe. „Immer mehr Männer sprechen auch offen über ihre Erfahrungen und schämen sich weniger“, erklärt der ehemalige Präsident der VDÄPC.

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Ob sich ein Mann eher einer Operation oder einem Eingriff unterziehen lässt, hänge aber auch davon ab, wo man wohne. „Wer in einem kleinem Dorf auf dem Lande wohnt, beschäftigt sich meist weniger mit dem Wunsch, sich die Lider straffen zu lassen“. In den Großstädten sei da oft der Druck größer, sagt Lenz.

Mehr OPs wegen sozialen Medien?

Die aktuelle Operations- und Behandlungsstatistik zeigt, dass auch pandemiebedingte Anlässe als Motivation für eine Behandlung dienen. So gaben laut VDÄPC 23,2 Prozent der Menschen an, sich wegen des Homeoffices, des Tragens einer Maske (13,2 Prozent) und wegen Videokonferenzen (11,8 Prozent) einem ästhetischen Eingriff zu unterziehen. „Viele haben öfter an Videokonferenzen teilgenommen und sich dann auch häufiger selbst gesehen und damit auch das, was sie stört“, erklärt Dennis von Heimburg.

Der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sieht auch in den sozialen Medien einen Grund dafür, dass sich mehr Männer für eine Behandlung entscheiden. „Früher hat man ein Foto gemacht, hat das dann entwickeln lassen, und eine Woche später hatte man dann ein Foto in der Hand, was einem entweder gefallen hat oder nicht.“ Gerade Menschen, die aber in den sozialen Medien unterwegs seien, fotografierten sich ständig. Diesen Menschen falle natürlich viel schneller auf, wenn ihnen etwas an sich nicht so gut gefalle, sagt von Heimburg weiter.

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Beratung und Sympathie

Auch wenn sich immer noch deutlich mehr Frauen (86,8 Prozent) ästhetischen Behandlungen unterziehen – die Beweggründe sind bei beiden Geschlechtern ähnlich, sagt Lenz. „Letztendlich geht es bei den Menschen, die etwas machen lassen, entweder um Prävention oder um den Wunsch, etwas zu verändern – das ist bei Männern genauso wie bei Frauen.“ Auch beim Alter gebe es kaum einen Unterschied zu Frauen. „Es gibt durchaus Männer, die auch mit 30 Jahren schon Unterspritzungen im Gesicht vornehmen lassen.“

Auch von Heimburg berichtet von jünger werdenden Patienten. Der Chirurg warnt aber davor, direkt zum Eingriff zu tendieren, wenn einem etwas mal nicht gefalle – gerade Veränderungen durch Operationen blieben üblicherweise ein ganzes Leben. Wer über Jahre den Wunsch hege, etwas operativ zu verändern, solle Beratungen von mindestens zwei verschiedenen Chirurgen aufsuchen und sich auf keinen Fall von Last-Minute-Angeboten unter Druck setzen lassen. „Das Wichtigste ist, dass der Arzt vertrauenswürdig, seriös und authentisch ist“, sagt von Heimburg.

Mehr OPs in den kommenden Jahren

Die Top-Eingriffe bei Männern waren der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) zufolge im Jahr 2021 übrigens Oberlidstradstraffungen, Botulinumbehandlungen und Fettabsaugungen. Ein noch sehr neuer Eingriff könnte die Zahlen in den nächsten Jahren noch höher steigen lassen – das sogenannte Bodybanking. Bei diesem Eingriff wird dem Patienten erst Fett abgesaugt und dann wieder injiziert, um einen Muskel zu definieren. Dennis von Heimburg erklärt, dass sich damit „einzelne Regionen, wie etwa die Bauchmuskeln oder die Oberarme, betonen lassen“.

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„In einigen Jahren ist es absolut vorstellbar, dass die Hälfte der Schönheitsoperationen von Männern in Anspruch genommen wird“, glaubt von Heimburg. Und auch Lenz geht davon aus, dass die Zahlen für Schönheits-OPs bei Männern in den nächsten fünf Jahren noch einmal deutlich steigen werden.

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