Wenn Pornografie zur Abhängigkeit wird

Noch Befriedigung oder schon ein Problem? Was Pornosucht ist – und was dagegen hilft

Schätzungen zufolge leiden etwa eine halbe Million Menschen in Deutschland unter Pornosucht.

Schätzungen zufolge leiden etwa eine halbe Million Menschen in Deutschland unter Pornosucht.

Wer online Pornos schaut, gehört längst zu keiner Randgruppe mehr. Fast die Hälfte (43 Prozent) aller Internetnutzerinnen und -nutzer sieht sich einer Umfrage zufolge Pornoseiten an. Aber wieviel Porno ist eigentlich gesund – und kann das Schauen der Filme wirklich süchtig machen?

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Gerade in Deutschland ist Pornografie äußerst beliebt: Der Techniker-Krankenkasse zufolge sorgt Deutschland für 12,4 Prozent des weltweiten Porno-Traffics im Internet – die meisten Pornos werden dabei übrigens in Hamburg geschaut. Paar- und Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning erklärt im RND-Podcast „Ach, komm!“, dass das Schauen von Pornos Vor- und Nachteile haben kann.

Wie „schlecht“ ist Pornokonsum?

Pornos zu schauen sei grundsätzlich nichts Schlechtes, sagt die Expertin im RND-Podcast. Die Filme können der Befriedigung dienen und – etwa beim gemeinsamen Schauen mit der Partnerin oder dem Partner – sogar für ein besseres Sexualleben sorgen. Problematisch kann es der Sexualtherapeutin zufolge aber werden, wenn nur Pornos angeschaut werden, die unrealistisches Aussehen und Handlungen enthalten. Gerade junge Menschen könnten dann glauben, dass das im Porno Gesehene der Realität entspricht, was Auswirkungen auf ihre sexuelle Entwicklung haben kann.

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Wie viele Menschen sind pornosüchtig?

Schätzungen zufolge leiden etwa eine halbe Million Menschen in Deutschland unter Pornosucht. Genaue Zahlen gibt es zur Pornosucht aber nicht, da diese erst seit Kurzem von der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den zwanghaften sexuellen Störungen gezählt wird.

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Ist eine Pornosucht schlimm?

Pornos aktivieren (ebenso wie Drogen) laut der Techniker-Krankenkasse das Belohnungszentrum im Gehirn, wodurch Botenstoffe wie Endorphine, Serotonin und Dopamin ausgeschüttet werden und für ein Glücksgefühl sorgen. Problematisch wird es, wenn das Gehirn sich an das Glücksgefühl gewöhnt – und immer mehr davon benötigt.

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Eine ausgeprägte Pornosucht kann dann dafür sorgen, dass andere Interessen, Familie und Freundinnen und Freunde oder auch der Beruf vernachlässigt werden. Aus Scham sprechen Betroffene oft nicht über die Sucht.

Was sind Anzeichen für eine Pornosucht?

Wie bei jeder anderen Sucht kann auch beim Schauen von Pornos die Tatsache, dass man nicht aufhören kann, ein Anzeichen für eine Sucht sein. Das Portal Arztphobie zählt Anzeichen für eine Abhängigkeit nach Pornografie auf:

  • Kontrollverlust durch Pornografie: Betroffene können nicht aufhören, Pornos zu schauen – bestimmte Verhaltensweisen lassen sich nicht mehr selbstständig steuern.
  • Toleranzentwicklung: Menschen, die abhängig nach Pornografie sind, benötigen immer extremere Reize, die Zeitabstände zwischen dem Konsum werden immer kürzer.
  • Negative Auswirkungen auf den Alltag: Wenn sich die Pornosucht auf den Alltag auswirkt, können Beziehungen, Hobbys und die Finanzen leiden. Auch der Beruf kann gefährdet sein – wenn etwa Pornos auf der Arbeit geschaut werden.
  • Schlechtes Sexleben: Auch das private Sexleben kann unter der Pornosucht leiden – oft besteht weniger Interesse an echtem Sex.
  • Geheimhaltung der Pornosucht: Weil Betroffene sich für ihre Sucht schämen, wird diese oft geheim gehalten.
  • Sucht wird befriedigt – nicht die Gefühle: Bei einer Pornosucht wird die Sexualität von den eigenen Gefühlen abgekoppelt – die Gefühle spielen eine untergeordnete Rolle.

Kann man sich von einer Pornosucht erholen?

Ein erster wichtiger Schritt, um eine Pornosucht zu überwinden, ist die Realitätsannahme, sagt Paar- und Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning im RND-Podcast. Betroffene sollten sich klarmachen, dass sie etwas ändern müssen, denn die Einsicht, dass sie ein Problem haben, sei der Sexualtherapeutin zufolge „das Allerwichtigste“. Dann sollte man sich klarmachen, dass man mit einer Pornosucht nicht alleine ist. Viele Menschen denken, dass sie nicht normal oder anders seien, sagt Henning – die Sucht nach Pornografie sei aber weiter verbreitet, als man vielleicht denke.

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Henning empfiehlt als Nächstes, den Konsum einzuschränken. Dabei kann es etwa hilfreich sein, ein Post-it auf den Bildschirm des Laptops zu kleben, um an die Vorsätze erinnert zu werden. Viele Menschen, die pornosüchtig sind, leben ihre Sucht in verkrampfter Haltung vor dem Computer aus, um sich zu befriedigen, weiß Ann-Marlene Henning. Mit Sex habe das nicht viel zu tun. Wer dies ändern wolle und der Spirale entkommen will, könnte einmal versuchen, das Setting zu ändern. Dazu könnten sich Betroffene etwa aufs Bett legen und Filme anschauen, die weniger extrem sind oder einfach mal den Ton ausschalten. Wichtig seien kleine Schritte, denn das Gehirn hat seine Muster und muss sich erst umgewöhnen, sagt Henning.

Partnerin oder Partner nicht therapieren

Wer merkt, dass das Problem nicht besser wird und sich vielleicht sogar verschlimmert, sollte Henning zufolge am besten einen Sexualtherapeuten oder eine Sexualtherapeutin aufsuchen. Diese sind genau in dem Bereich geschult und kennen sich demzufolge besser aus als etwa ein üblicher Psychotherapeut oder eine übliche Psychotherpeutin.

Wer das Gefühl hat, dass die Partnerin oder der Partner unter einer Abhängigkeit leidet und dies vielleicht sogar schon die Beziehung oder das Sexualleben beeinträchtigt, dem empfiehlt Ann-Marlene Henning immer ein Gespräch. Man solle zwar nicht versuchen, Partnerin oder Partner zu therapieren, aber ein ruhiges Gespräch ohne Vorwurf gibt dem anderen auch die Möglichkeit, ohne Scham zu reagieren und ehrlich sein zu dürfen.

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