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Streit bei Schriftstellern

Showdown im Dichterklub: Tauziehen um Pen-Präsidenten Deniz Yücel

Journalist Deniz Yücel bei einer Lesung im Berliner Maxim-Gorki-Theater.

Berlin.Im Klub der lebenden deutschen Dichter und Denker herrscht Unruhe. Vornehm ausgedrückt. Es gibt auch Mitglieder des deutschen Pen-Zentrums (Poets, Essayists, Novelists), die von Hass und Chaos in der Schriftstellervereinigung sprechen.

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Hinweis: Am Freitagabend ist Deniz Yücel als PEN-Präsident zurückgetreten – lesen Sie hier mehr.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen steht Präsident Deniz Yücel (48), der seit erst sieben Monaten im Amt ist. Der deutsch-türkische „Welt“-Publizist soll Autoren mit rüdem Ton in Auseinandersetzungen und autoritärem Führungsstil verschreckt haben, heißt es in bekannt gewordenen E-Mails.

Zu lesen war darin von einer „tiefgreifenden, systemischen Störung des Anstands und der Würde des Pen“. Es ginge um „Bösartigkeiten, widerwärtige Beleidigungen, Diskriminierungen und falsche Anschuldigungen“.

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Einzelhaft in der Türkei

Einem breiten Publikum war Yücel bekannt geworden, als ihn die Türkei ab Februar 2017 für nahezu ein Jahr in Untersuchungshaft festhielt, 290 Tage davon in Einzelhaft. Nun werden ihm von Pen-Mitgliedern Mobbingattacken, unter anderem gegen Pen-Generalsekretär Heinrich Peuckmann, vorgeworfen.

Sie verlangen eine Abwahl Yücels auf der an diesem Freitag und Samstag im thüringischen Gotha tagenden Mitgliederversammlung.

Allerdings hatten Yücel und weitere Unterzeichner in einem Rundbrief an die Mitglieder bereits Anfang März um Entschuldigung gebeten. Sie räumten darin Fehler in der Kommunikation ein und gaben zu, dass sie sich tatsächlich im Ton vergriffen hätten.

Yücel scheut scharfe Worte nicht

Wer das Hauen und Stechen unter den Dichtern nicht verfolgt hat, reibt sich nun verwundert die Augen. Hier steht ein Mann zur Abwahl, der wie kaum ein anderer im Verband für die Meinungsfreiheit steht und der im vergangenen Oktober mit dem Ziel gewählt worden war, das Pen-Zentrum aus der medialen Abwesenheit herauszukatapultieren. Ein Mann, der jedoch auch bekennt, nicht zum „Posterboy der Pressefreiheit“ werden zu wollen.

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Als Pen-Präsident will Yücel, der scharfe Worte nicht scheut, Einfluss nehmen, das sagt er auch offen – und eigentlich ist es auch logisch, wenn man solch ein Amt anstrebt. In dieser Rolle hatte er sich im März auf dem Literaturfestival lit.Cologne für eine Flugverbotszone über der Ukraine ausgesprochen.

Votum auch online

Das hat offensichtlich das Fass der Pen-Scharmützel zum Überlaufen gebracht. Die früheren Pen-Präsidenten Gert Heidenreich, Christoph Hein, Johano Strasser, Josef Haslinger und Regula Venske forderten Yücel auf, sein Amt niederzulegen. Begründung: Diese Aussage sei nicht von der Pen-Charta gedeckt. Yücel lehnte ab, unterstützt zum Beispiel von den Autoren Juli Zeh und Daniel Kehlmann.

Wie der Showdown im Dichterklub ausgeht, war Freitagmorgen noch ungewiss. Laut Pen werden in Gotha mehr als 130 Mitglieder erwartet. Insgesamt hat der Verband – einer der weltweit mehr als 140 Schriftstellervereinigungen, die im Internationalen Pen vereint sind – etwa 770 Mitglieder.

Abwesende können ihr Votum auch online abgeben, was Prognosen erschwert. Sicher ist: Für die Anträge reicht eine einfache Mehrheit.

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