„Schloss aus Glass“ – Von Träumern und Säufern

Das Leben mit dem Vater ist Höhen und Tiefen unterworfen: Rex (Woody Harrelson), Mary (Naomi Watts, r.) und die Kinder (v. l. Eden Grace Redfield, Charlie Shotwell und Sadie Sink).

Das Leben mit dem Vater ist Höhen und Tiefen unterworfen: Rex (Woody Harrelson), Mary (Naomi Watts, r.) und die Kinder (v. l. Eden Grace Redfield, Charlie Shotwell und Sadie Sink).

Hannover. Das Leben mit Rex (Woody Harrelson) kann der Himmel sein. Wenn er nüchtern ist, verspricht es Freiheit, Abenteuer und Outlaw-Romantik. Dann arbeitet er auch an den Entwürfen für ein Traumschloss für sich, seine malende Frau Rose Mary (Naomi Watts) und seine vier Kinder. Aber oft ist Rex betrunken. Dann gleicht das Leben mit ihm eher der Hölle. Seine unorthodoxe Einstellung, vor allem aber seine Alkoholsucht zwingen die Familie zu einem unsteten Dasein, oft auf der Flucht vor Gläubigern und Gesetzeshütern. Und die Sprösslinge müssen Hunger leiden, wenn Papa das wenige Geld mal wieder versoffen hat.

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Peinliche Begegnung mit den Eltern

Jeannette Walls hat ihre Kindheitserlebnisse zu einem Buch verarbeitet, das zum Bestseller wurde. Die Verfilmung von „Schloss aus Glas“ setzt 1989 ein, als sie, gespielt von Oscar-Gewinnerin Brie Larson („Raum“), sich bereits in New York als Klatschkolumnistin etabliert hat und kurz vor der Hochzeit mit dem Banker David (Max Greenfield) steht. Eine ihr peinliche Begegnung mit den Eltern, die in Manhattans Müll nach Brauchbarem wühlen, weckt Erinnerungen und führt sie schließlich wieder mit den beiden zusammen. Auch mit ihren drei Geschwistern, die alle ihre eigenen Wege gehen.

Zwischen Verstörung und Versöhnung

Das tief berührende Drama erzählt von elterlicher Verantwortungslosigkeit, geschwisterlicher Solidarität, kindlicher Stärke und Versöhnung. Deprimierende Passagen werden gelegentlich von Momenten kurzen Glücks unterbrochen. Dabei betont Regisseur Destin Daniel Cretton mit seiner ausgefeilten Rückblendenstruktur den harschen Kontrast zwischen Jeannettes prekärem Dasein als Kind und Teenager und den zumindest materiell gesicherten Verhältnissen, in denen sie in New York lebt. Dass ihr letzteres wichtig ist, versteht man sehr gut.

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Man kann aber auch nachvollziehen, warum ein Ausgleich mit dem Vater möglich ist. Denn Woody Harrelson verkörpert ihn mit einer schauspielerischen Glanzleistung in seiner ganzen Widersprüchlichkeit. Den uneinsichtigen Säufer ebenso wie den Träumer, dem sein Nachwuchs keineswegs egal ist. Ein wenig erinnert sein Rex an Viggo Mortensens „Captain Fantastic“, der seinen Kindern auch ein Außenseiter-Leben zumutete. Nur war der wesentlich verantwortungsvoller und in sich gefestigt.

Von Jörg Brandes / RND

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