Sänger Peter Kraus: „Auf der Bühne fühle ich mich manchmal wie 17“

Archiv. Peter Kraus feiert seinen 80. Geburtstag am 18. März.

Seit fast 70 Jahren im Showgeschäft: Peter Kraus.

Hannover. Herr Kraus, neues Album, neue Tournee. Schön, dass Sie wieder so richtig Gas geben.

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Der Mensch braucht Ziele im Leben. Während der Pandemie ist mir ein bisschen langweilig geworden. Zusammen mit meinen Musikern habe ich dann überlegt, Songs aufzunehmen, die noch vor der Ära des Rock ‘n‘ Rolls entstanden sind. So ist dieses Album entstanden, und dazu brauchst du natürlich auch wieder eine Tournee. Tja, und schon rollt der Zug wieder. Geplant war das eigentlich nicht.

Sie klingen, als halte sich Ihr Bedauern in Grenzen.

Na ja, klar. Ich liebe meine Arbeit. Es geht nicht ohne. Musik muss einfach sein.

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Welchen Bezug haben Sie zu Swing und Jazz?

Das ist die Musik meiner Jugend. Ich habe diese Lieder aus dem Great American Songbook immer schon geliebt, ich bin damit aufgewachsen. Der Rock ‘n‘ Roll ist, genau wie der Blues, aus dem Swing heraus entstanden. Eine Swingnummer singst du nie gleich, nie identisch. Swing ist, wie auch Jazz, Improvisation. Ein Schlager dagegen ist langweilig, weil er nach dem immer gleichen Schema abläuft. Da stellen sich beim Singen keine Glücksgefühle ein.

Auf „Idole“ arbeiten Sie mit Annett Louisan, Götz Alsmann, Till Brönner und Helge Schneider zusammen. Wie ist Ihr Eindruck von den Kolleginnen und Kollegen?

Annett habe ich gerade erst bei den Videoaufnahmen zu unserem Lied „Blue Bajou“ kennengelernt. Davor haben wir nicht einmal telefoniert. Mit Götz Alsmann verbindet mich seit Jahren eine herzliche Kollegialität. Wir mögen und wir schätzen uns, mit Till Brönner ist es genauso. Mit Helge Schneider hatte ich vorher nie zusammengearbeitet, das passierte ganz unkompliziert. Wir telefonierten, wir mochten uns. Jetzt ist er dabei, mein Freund zu werden.

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Verfolgen Sie eigentlich auch das aktuelle Musikgeschehen?

Ja, zumindest so weit, dass ich ein bisschen mitreden kann. Aber nicht mit Begeisterung.

Sie hatten 2014 mit der „Das Beste kommt zum Schluss“-Tour Ihren Abschied von der Bühne angekündigt. Dann kamen weitere Tourneen.

Bei der vorigen habe ich spaßeshalber gesagt: „Ich feiere ein Riesenjubiläum – meine fünfte Abschiedstournee.“ Jetzt sind wir bei der sechsten, und das nächste Jubiläum haben wir dann bei der zehnten Abschiedstournee.

War es im Nachhinein voreilig, mit dem Karriereende zu kokettieren?

Die Wahrheit ist, ich spiele auch ein bisschen damit. Man muss sich immer etwas einfallen lassen und auch der Presse Futter geben. Das Ganze ist auch nicht meine Erfindung. Es gibt viele große Kollegen, die endlos Abschiedstourneen machen.

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Was treibt Sie persönlich an?

Die Musik ist einfach mein Leben. Solange ich mich körperlich so gut fühle, dass ich auf die Bühne gehen und die Leute begeistern kann, was unheimlich schön ist, so lange möchte ich das weiterhin tun. Nach der Pandemie sind die Leute hungrig, sie wollen wieder glücklich sein, und wenn ich ein bisschen etwas dazu beitragen kann, dann ist das ein Traum. Und für mich viel interessanter, als mich zur Ruhe zu setzen, aus dem Fernster zu schauen und nichts zu machen.

Wie wichtig ist Ihnen der Zuspruch der Fans?

Sehr wichtig. Ich bin glücklich, wenn ich andere Menschen froh machen kann. Live zu spielen für Publikum, das ist das maximal Dankbarste, das ein Künstler tun kann.

Haben Sie feste Routinen vor einem Auftritt?

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Vor einem Konzert brauche ich ein bisschen Ruhe. Diese Zeit verbringe ich gerne alleine für mich, natürlich bin ich auch schon angezogen und könnte theoretisch sofort loslegen.

Sind Sie aufgeregt, bevor Sie rausgehen?

Ach, das kommt ganz darauf an. Manchmal schon, aber in der Regel eigentlich nicht.

Wann schon?

Richtig nervös war ich zuletzt bei „The Masked Singer“, eben weil das ganz etwas anderes war. Ich war nicht einmal mehr ich selber, sondern eine Figur, ein Tier.

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Sie stehen auf der Bühne, seit Sie ein Teenager waren. Ist das grundsätzliche Gefühl noch dasselbe?

Das kann man überhaupt nicht vergleichen. In meiner Anfangszeit war das manchmal der Horror. Man hatte keine Absperrungen oder sonst was, man kam dann in die Garderobe, und da warteten schon drei Mädels. Genauso im Hotel. Da habe ich die verrücktesten Sachen erlebt. Die sind manchmal über den Balkon in mein Zimmer geklettert. Es war eine wilde Zeit. Aber wäre ich früher mit zwei, drei Bodyguards unterwegs gewesen, hätten die Leute gesagt: „Der spinnt.“ Dann wäre die Karriere zu Ende gewesen. Selbst die Beatles waren noch sehr nah an den Fans. Auch Elvis.

War das cool für Sie, von den Mädels angeschmachtet zu werden?

Ja, sicher fand ich das cool. Allerdings war ich nie der Typ, der sich von seinem Roadie den hübschesten Teenager nach dem Konzert hinter die Bühne bringen ließ. Ich habe so etwas nie gemacht, ich mochte das nicht. Das hat mich nie gereizt. Ich hatte schon in früher Jugend klare Ziele vor Augen, war sehr diszipliniert.

"Für immer in Jeans", wie sein Album von 2012 titelt: Peter Kraus hat sich seinen jugendlichen Charme auch mit 80 Jahren bewahrt.

„Für immer in Jeans“, wie sein Album von 2012 titelt: Peter Kraus hat sich seinen jugendlichen Charme seit Jahren bewahrt.

Sie waren immer standhaft?

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Ich bin ein seit 53 Jahren glücklich verheirateter, treuer Ehemann. Ingrid war für mich damals die schönste Frau Wiens – und sie ist es bis heute. Außerdem habe ich mich in der Jugend ausgetobt, deshalb fiel es mir leicht, später standhaft zu sein.

Sind Sie selbst wieder wie 17, wenn Sie auf der Bühne stehen?

Manchmal habe ich das Gefühl. (lacht) Ich versuche sogar, einige Nummern genau wie damals aufzuführen, das macht den Leuten immer viel Spaß. Natürlich fühlt man sich jung da oben. Allein schon, wenn ich mich bewege, wenn ich tanze. Etwas vergreist auf einem Stuhl zu sitzen, das wäre für mich keine Option.

Sie singen auf „Idole“ unter anderem das Lied „Mr. Bojangles“, das vor allem in der Fassung von Sammy Davis Jr. berühmt wurde. Was hat Sie besonders an Davis fasziniert?

Mit 13, 14, als ich meine ersten Filme drehte, habe ich den Mann wahnsinnig verehrt. Ich fand schon umwerfend, dass ein Schwarzer, der nicht besonders schön ist und klein und ein Glasauge hat, ein Weltstar ist. Wegen Sammy habe ich sogar steppen gelernt.

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Sie haben ihn persönlich kennengelernt. Wie erinnern Sie sich an ihn?

Das war bei einer Wohltätigkeitsgala in Monaco. Ich habe 1000 Mark auf den Tisch gelegt, mein Manager auch, ich habe mir sogar ein weißes Dinnerjacket gekauft, denn damals trug man dort nur Weiß. Da ist er also aufgetreten, und zwar mit der Band, mit der ich später eine Bossa-nova-Bigband-Platte aufnahm. Tja, und die Leute haben weitergegessen, sich unterhalten und kaum Notiz von ihm genommen. Er schien ziemlich deprimiert zu sein. Anschließend saß er in der Bar an einem langen Tisch direkt neben mir. Ich überlegte, was ich sagen wollte, weil er mir leidtat. Da sagte er zu mir „Do you speak English?“, und ich sagte hocherfreut „Yes, I do“, und er: „That‘s great, but I can‘t talk to you. I‘m completely stoned.“ Mit diesen Worten hat er seinen Kopf auf die Tischplatte gelegt und ist eingeschlafen.

Haben Sie es auch mal erlebt, dass Sie auf der Bühne stehen und singen, und niemand hört zu?

Einmal.

Sind seit 53 Jahren verheiratet: Peter und Ingrid Kraus.

Sind seit 53 Jahren verheiratet: Peter und Ingrid Kraus.

Wo war das?

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Franz Beckenbauer hatte mich eingeladen, bei einer Feier von Bayern München zu singen. Ich komme da also hin und sehe: nur Fußballer, aber keine einzige Frau. Die standen da herum und haben sich unterhalten. Das war wirklich hart. Als Sänger bist du eh schon geschockt, wenn du rausgehst und es sind nur Männer da. Noch dazu nur Fußballer! Die haben mich völlig ignoriert.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Meine Frau und ich, wir genießen im Alter das, was wir haben. Wir haben zwei traumhafte Wohnsitze, einen am See, den anderen in den Bergen, wir haben genug von der Welt gesehen. Aber nach dieser Tournee werde ich mich bei meiner Frau mit einer tollen Reise bedanken. Weil sie gesagt hat „Wenn dein Herz dranhängt, dann mach das doch noch mal.“

Unterstützung von Helge Schneider

Peter Kraus, geboren 1939, ist seit fast 70 Jahren im Showgeschäft. 1954 spielte der Deutsch-Österreicher in der Erich-Kästner-Verfilmung „Das fliegende Klassenzimmer“. Zwei Jahre später nahm er seine erste Single auf: Little Richards „Tutti Frutti“ auf Deutsch. Kraus wurde zu einem der Teenieidole der Fünfziger- und frühen Sechzigerjahre. Der Musiker hat zahlreiche Alben eingespielt. Auf dem jüngsten Album „Idole“ interpretiert er – unterstützt unter anderem von Helge Schneider – berühmte Swing-Songs von Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. oder Nat King Cole. Für Anfang 2023 ist die Tournee „Meine Hits – Meine Idole“ geplant.

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