Rosis Nummer: 40 Jahre „Skandal im Sperrbezirk“

Die bayerische Gruppe Spider Murphy Gang.

München. Vor vier Jahrzehnten wüteten hierzulande keine Pandemiewellen, sondern es war die Neue Deutsche Welle, die übers Land schwappte. Lieder wie „Eisbär“, „Der Kommissar“, „Carbonara“, „Sternenhimmel“, „Da da da“, „99 Luftballons“, „Ich will Spaß“ und „Hurra, hurra, die Schule brennt!“ sind unvergessen. Zweifellos einer der größten NDW-Hits ist „Skandal im Sperrbezirk“ der bayerischen Rock-‘n‘-Roll-Band Spider Murphy Gang. Vor 40 Jahren (8. Februar) erreichte der Partykracher Platz eins der Offiziellen Deutschen Charts.

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Noch heute können sich viele im deutschsprachigen Raum kaum dem Sog des Songs entziehen, wenn der Text losgeht: „In München steht ein Hofbräuhaus, doch Freudenhäuser müssen raus, damit in dieser schönen Stadt, das Laster keine Chance hat.“ Und weiter: „Doch jeder ist gut informiert, weil Rosi täglich inseriert.“ Und später: „Ja, Rosi hat ein Telefon, auch ich hab ihre Nummer schon. (...) Und draußen im Hotel L'Amour, langweilen sich die Damen nur, weil jeder, den die Sehnsucht quält, ganz einfach Rosis Nummer wählt.“

Die Telefonnummer der Sehnsucht

Kaum eine Telefonnummer ist bis heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz so bekannt wie die angebliche von Rosi: „Unter zwounddreißig, sechzehn, acht - herrscht Konjunktur die ganze Nacht.“

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32 16 8: Die Telefonnummer der Sehnsucht oder Sexlust - mit der „Acht“ als Reim auf „Nacht“ - wählten manche Männer damals tatsächlich. Damals, also 1981/82, als der „Skandal im Sperrbezirk“ um die Prostituierte Rosi die Spider Murphy Gang aus München berühmt-berüchtigt machte.

Günther Sigl und Barny Murphy (bürgerlich: Gerhard Gmell) hatten die Spider Murphy Gang 1977 gegründet. Wie damals üblich begann die Gruppe, die sich nach dem Saxofonisten Spider Murphy in Elvis Presleys Rock-Hit „Jailhouse Rock“ von 1957 benannte, mit englischen Texten. Später stieg sie auf bairischen Dialekt um und startete damit in eine eigene Stilrichtung.

„Skandal im Sperrbezirk“ zunächst tabu

Auf ihrer Website erzählt die Band die Geschehnisse von '81/'82 wie folgt: Auch wenn Mundart-Rocker wie Wolfgang Niedeckens BAP („Verdamp lang her“, 1981) oder Zeltinger zwar bundesweit populär geworden waren, habe man lieber ein Lied aus der aktuellen LP auskoppeln wollen, bei dem „auch Nordlichter den Text verstehen“, und deshalb den Skandal um Rosi genommen.

„“Pech war nur, dass die Single nirgends lief“, sagt Günther. Beim Bayerischen Rundfunk war die heiße Nummer sogar total tabu. Denn da geht‘s - unerhört - um „Nutten“, die sich vor den Toren der Weltstadt mit Herz frustriert die Füße platt treten, während ihre beliebte Kollegin Rosi ungeniert im von der „Sitte“ überwachten „Sperrbezirk“ Konjunktur hat.“

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In die deutschen Charts stieg der „Skandal im Sperrbezirk“ dennoch am 7. Dezember 1981 ein, doch es dauerte neun Wochen, bis Platz eins erklommen war. Bis Anfang April stand der Song dann acht Wochen auf der Spitzenposition. Das zugehörige Album „Dolce Vita“, auf dem sich auch der Hit „Schickeria“ befindet, erreichte Mitte März Platz eins - und blieb dort fast ununterbrochen zwei Monate.

RND/dpa

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