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Teil zwei der Deutschlandtournee führt Satyricon am Freitag in den Beatpol

Satyricon

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Dresden. Dass Musiker es selten allen Fans recht machen können, mussten Satyricon schon Mitte der 1990er feststellen. Black Metal-Hörer sind eben generell etwas unaufgeschlossen gegenüber Neuerungen. Schmerzlich war das aber eher nicht. Es scheint, den Herren Satyr und Frost – Namen scheinbar direkt aus der Feder von C. S. Lewis – ist dieses „Rechtmachen-Wollen“ herzlich egal.

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Stattdessen sind Sänger Sigurd Wongraven (Satyr) und Schlagzeuger Kjetil Haraldstad (Frost) stets dabei, Neues, Langsames, sehr oft Rock ‚n’ Rolliges in die doch recht rohen Black Metal-Strukturen zu integrieren. Die enthielt der Erstling „Dark Medieval Times“ (1993) noch ziemlich lupenrein und, den Gepflogenheiten entsprechend, schlecht produziert.

Schon drei Jahre später legen die beiden Norweger aber einen Stilwechsel hin, der bis heute andauert. Die Alben „Nemesis Divina“ (1996) und noch mehr „Rebel Extravaganza“ (1999) erbosten die Puristen unter Schwarzmetallern, in dem sie Türen in Richtung Postrock und Mid-Tempo aufstießen. Kurz darauf unterschrieben Satyricon auch noch bei einem Major Label, was Hochverrat gleichkam. Satyr und Frost nahmen das wie gesagt locker und sind mit ihrem Genre übergreifenden Sound ziemlich erfolgreich.

Das Album „Volcano“ (2002) mit seinen deutlichen Hard Rock-Tendenzen wurde mit dem renommierten Spellemanprisen ausgezeichnet und kletterte bis auf Platz vier der norwegischen Charts. Das erste Nummer-1-Album veröffentlichten Satyricon 2013. Es ist selbstbetitelt und vergegenwärtigt jede Schaffensphase der Norweger – inklusive Verneigung in Richtung der schwarzmetallischen Wurzeln und Hard Rock-Tracks, die nach Black Metal mit ZZ Top klingen. Satyricon spendierten dem Album auch eine Interpretation mit dem Chor der norwegischen Nationaloper. Großes Kino, nur fällt Satyrs schon immer eintöniges Gekrächze vor diesem Background besonders auf.

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Das aktuelle Album „Deep Calleth Upon Deep“ (2017) setzte die Offenheit im musikalischen Denken von Satyricon folgerichtig fort: „Black Wings And Withering Gloom“ besticht mit exzessiver Knüppelei, zähe Atmosphäre liefert „To Your Brethren In The Dark“ und der Rock ‚n’ Roll ist in jedem Song zu spüren. Nach fünf Jahren Pause gerinnt in „Deep Calleth Upon Deep“ die musikalische Vielfalt in schmale acht Tracks, deren Qualität wie immer munter und mit zwiespältigen Ergebnissen in der Gefolgschaft diskutiert wird.

Die Setlist der aktuellen Tournee zum Album, die Satyr und Frost wie immer mit hervorragenden Gastmusikern bestreiten, enthält selbstverständlich auch Klassiker wie „K.I.N.G.“ und „Mother North“. Ein Konzertbesuch lohnt also für die, denen „Deep Calleth Upon Deep“ zu seicht daherkommt.

Freitag 19 Uhr im Beatpol; Support: Suicidal Angels

Von Franziska Schmieder

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