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Disput um Ostrale-Zukunft

„Kein Angebot, das man annehmen könnte“

Der Ostrale-Hirsch auf dem Neumarkt.

Der Ostrale-Hirsch auf dem Neumarkt.

Dresden.Der Disput um die Zukunft der Dresdner Ostrale hält an. Die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Stadtratsfraktion Christa Müller sieht vorerst die Macher der Ausstellung zeitgenössischer Kunst am Zug. „Von der Ostrale muss nun ein klares Bekenntnis pro Dresden kommen“, sagte Müller gestern den DNN. Vor einer Woche war bekannt geworden, dass die Ostrale einen möglichen Umzug nach Chemnitz mehr als nur ins Auge gefasst hat. Chemnitz würde der Ostrale laut einer Absichtserklärung ab 2019 einen Vertrag von mindestens zehn Jahren Laufzeit sowie einen maximalen jährlichen Zuschuss von 250 000 Euro anbieten.

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Im Moment halte sich die Dresdner Stadtpolitik bei diesem Thema zurück, sagte Müller. Ein fraktionsübergreifender Antrag, der die Zukunft der Ostrale in den Futterställen im Ostragehege – wo sie seit 2007 zu Hause ist – zum Thema hat und der von Müller maßgeblich initiiert wurde, liegt erst einmal auf Eis. Bei besagtem Bekenntnis für die Landeshauptstadt durch die Ostrale würde er aber „sofort in den Geschäftsgang gehen“, sagte Müller.

Die jüngsten Querelen traten vor allem um die zukünftige Örtlichkeit der Ostrale zutage. Kurz nachdem Ende Januar bekannt geworden war, dass eine Konzeptstudie für die Sanierung der Futterställe 13,75 Millionen Euro vorsieht, wurde die Idee publik, stattdessen für etwa 18 Millionen Euro den sogenannten Schweinedom im Ostragehege zu sanieren, in fast unmittelbarer Nachbarschaft der Futterställe. Dort müsste sich die Ostrale einmieten, die aber die zur Verfügung stehende Fläche als nicht ausreichend ansieht. Auch ein Angebot, in der Messe Dresden für 2019 ein Interim zu nehmen, steht im Raum.

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Hier aber scheiden sich die Geister schon wieder. Trotz mehrfacher Nachfrage habe es weder ein Kostenangebot für die Nutzung der Messe gegeben, noch habe die Stadt eine Kostenübernahme erklärt, schrieb Franz Jakob Leyser, Vorsitzender des Vereins Ostrale.freunde, in einer Mitteilung, die auch als Brief an die Stadtratsfraktionen geschickt wurde. „Es gibt somit bislang kein Angebot, das man annehmen könnte“, resümierte Leyser. „Die Höhe der Mietkosten wäre auch bei einem Entgegenkommen der Messe vermutlich höher, als es die Ostrale unter derzeitiger Finanzlage zahlen könnte.“ Dazu komme die deutlich kürzere Nutzungsdauer. Zu einem Antrag über Bezuschussung könne außerdem „nach derzeitiger Informationslage erst im November 2018 entschieden werden“.

Chemnitz entscheidet am 20. Juni

„Klare Bekenntnisse sind nur auf Basis einer gesicherten Existenz möglich“, erwiderte Ostrale-Chefin Andrea Hilger auf Müllers Forderung. Langfristige Planungssicherheit sei für die Ostrale existenziell. Zudem gehe es um verbindliche Antworten. Sie beträfen „nicht allein die Futterställe, sondern auch und dringend das Interimsgebäude und vor allem die immensen Verwaltungskosten einer solchen Kulturveranstaltung“. Ein entsprechender Förderantrag sei am Mittwoch fristgerecht in Dresden eingereicht worden.

Hintergrund der aktuell als Patt erscheinenden Lage ist eine Hängepartie. Bereits im November 2016 hatte der Stadtrat Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) beauftragt, Konzepte zu entwickeln, die der Kunstausstellung Ostrale eine Zukunft im Ostragehege garantieren. Das ist aber erst in jüngerer Vergangenheit passiert. Ob das noch ausreicht, ist nun die Frage. Denn eine lange Zeit sah es so aus, als würde die Verwaltung den besagten Stadtratsbeschluss einfach ignorieren. Von der ellenlangen Vorgeschichte um Finanzierung und Zukunft der Ostrale, vor allem in den Jahren unter bürgerlicher Stadtratsmehrheit, mit Helma Orosz (CDU) als Oberbürgermeisterin, an dieser Stelle ganz zu schweigen.

In Chemnitz wird das Thema Ostrale dagegen demnächst wohl verhandelt. Der dortige Stadtrat kommt am 20. Juni zur Sitzung zusammen. Seine Entscheidung dürfte maßgeblich für die Zukunft der Ausstellung sein.

Von Torsten Klaus

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