Dresdner Künstler

Eberhard Havekost gestorben

Der Dresdner Maler Eberhard Havekost.

Der Dresdner Maler Eberhard Havekost.

Dresden. Fast vier Jahre ist es mittlerweile her, dass Eberhard Havekost in der Dresdner Galerie Gebr. Lehmann, die damals noch im Hinterhaus in der Neustadt firmierte, eine umfangreiche Ausstellung bekam. „Natur“ war ihr tatsächlich überraschender Titel. Damals wurde damit auch ein Jubiläum gefeiert: 20 Jahre dauerte zu diesem Zeitpunkt die Zusammenarbeit von Galerie und Künstler bereits an. Hier hatte er 1995 seine erste Einzelausstellung – die genauer gesagt ein Zusammengehen mit Thomas Scheibitz war und den Titel „Wärme“ trug. Eine Art Durchbruch bildete wohl Havekosts Statement-Koje auf der Art Basel 1999, zu der die Galerie eingeladen worden war. Eine Erfolgsgeschichte, die nun nicht mehr weitergeschrieben wird. Am Freitagvormittag ist Havekost nach DNN-Informationen im Alter von 51 Jahren gestorben, völlig überraschend.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Retrospektive 1“ und „Retrospektive 2“ war ein Jahr vor der „Natur“-Ausstellung eine zweigeteilte, in Dresden und Berlin gezeigte Schau Havekosts betitelt. Eine kompakte und doch umfangreiche Rückschau offenbarte sich damals, mit mehr als 100 Arbeiten. Bereits vorher hatten ihm sowohl das Albertinum im Lipsiusbau als auch das Kupferstich-Kabinett Einzelausstellungen in Dresden gewidmet. Klares Indiz dafür, welchen Rang Havekost mit seinen fotorealistischen Bildern mittlerweile einnahm, die oft ausschnitt- oder geradezu puzzlehaft alltäglich anmutende Sujets in einen Blickwinkel setzten, der ihnen geradezu das Gegenteil der fast greifbar erscheinenden Bedeutungslosigkeit der Dinge einhauchte.

Ulrich Bischoff hatte als Chef der Dresdner Galerie Neue Meister das Haus für die Kunst der Gegenwart neu geöffnet – der Freundeskreis kaufte 2013 Havekosts Gemälde „Sommerwiese, B 11/12“ für die Galerie. 2004 und 2009 hatte Havekost dem Kupferstich-Kabinett unter dessen damaligem Chef Wolfgang Holler ein Konvolut aus Grafiken vermacht. Auch bei der alljährlich durchgeführten DNN-Kunstauktion war der Maler regelmäßig mit Werken vertreten.

Eberhard Havekosts Beitrag zu einer der DNN-Kunstauktionen.

Eberhard Havekosts Beitrag zu einer der DNN-Kunstauktionen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Havekost war zwar Einzelkämpfer, andererseits aber auch Teil einer Künstlergeneration, die von der Elbe aus tatsächlich die große Kunstwelt eroberte. Martin Borowski, Markus Draper, Stella Hamberg, Olaf Holzapfel, Frank Nitsche, Sophia Schama, Thomas Scheibitz, Thoralf Knobloch – alles Künstler, die zwischen Ende der 1980er und den frühen 2000er Jahren an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierten. Mittlerweile bilden sie und einige andere eine Phalanx, die oft auch den internationalen Durchbruch geschafft hat. So fanden sich Ausstellungen von Havekost und Knobloch einmal in London, wo Havekost 2013 im White Cube unter dem Titel „Cosmos Now“ seine Werke präsentierte, Knobloch 2011 mit „Wegkreuz“ in der Gallery Wilkinson präsent war. Ansonsten stellte Havekost weltweit aus: in Mumbai wie in New York, in Prag und Paris oder auch in der Frankfurter Schirn.

Der gebürtige Dresdner Havekost hatte an der hiesigen Hochschule für Bildende Künste studiert, von 1991 bis 1996. Ein Jahr später wurde er Meisterschüler bei Ralf Kerbach. Aufgewachsen ist Havekost in Dresden-Hosterwitz in einem Künstlerhaushalt. Er besuchte die Kreuzschule und lernte später den Beruf des Steinmetzes – bevor es ihn dann doch zum Künstlerdasein zog.

Seit 2010 hatte Havekost an der Düsseldorfer Kunstakademie eine Professur inne. Dort, wo er als 28-Jähriger noch als Student abgelehnt worden war.

Der Öffentlichkeit entzog sich der seit langem in Berlin lebende und arbeitende Künstler recht konsequent. Interviews waren rar. Havekost war einer, der seine Bilder reden ließ. Dem aufmerksamen Beobachter erzählen sie tatsächlich Geschichten. Sie sind es, die bleiben werden.

Von Torsten Klaus

Korrektur: Eberhard Havekost starb im Alter von 51 Jahren, nicht wie ursprünglich geschrieben mit 52.

Mehr aus Kultur regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Spiele entdecken