Nach 25 Jahren

Dresdner Kreuzkantor Kreile verabschiedet

Eine seiner letzten Verbeugungen als Leiter des Dresdner Kreuzchors: Roderich Kreile bei seiner Verabschiedung am Samstag in der Kreuzkirche Dresden.

Eine seiner letzten Verbeugungen als Leiter des Dresdner Kreuzchors: Roderich Kreile bei seiner Verabschiedung am Samstag in der Kreuzkirche Dresden.

Dresden. Abschied nach 25 Jahren: Der Dresdner Kreuzkantor Roderich Kreile geht in den Ruhestand. Der evangelische Kirchenmusiker wurde am Samstagabend in der gut besuchten Dresdner Kreuzkirche für sein langjähriges Wirken mit dem vor mehr als 800 Jahren gegründeten Knabenchor gewürdigt. An der Feier nahmen Vertreterinnen und Vertreter von Stadt, Kirche und Gesellschaft teil.

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Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) dankte dem 65-jährigen Kreile für dessen individuelle Prägung des Chores und des städtischen Kulturlebens. Er habe sein Amt „mit ganzer Kraft und enormer Leidenschaft ausgeführt“, betonte Hilbert. Auch er habe dafür gesorgt, dass die Begeisterung für den Kreuzchor über Generationen weitergetragen werden könne.

Die Geschichte des Kreuzchores reicht fast bis zur Stadtgründung im 13. Jahrhundert zurück. Doch „jedes noch so traditionelle Ensemble muss am Puls der Zeit sein“, sagte Hilbert. Es könne und dürfe Neues ausprobieren, dies habe Kreile umgesetzt. Unter anderem sang der Knabenchor unter seiner Leitung erstmals im Dresdner Fußballstadion ein Adventskonzert.

Nachfolger im Amt des Kreuzkantors ist Martin Lehmann

Nachfolger im Amt des Kreuzkantors ist Martin Lehmann, der seit 2012 den Windsbacher Knabenchor leitet. Der 48-Jährige übernimmt den Dresdner Kreuzchor im September. Lehmann wird der 29. Kreuzkantor in der Geschichte des Chores sein. Seine musikalische Ausbildung erhielt er einst selbst beim Kreuzchor.

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Seinen angestammten Platz hat der Knabenchor, der auch Jungen aufnimmt, die keiner Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören, in der evangelischen Kreuzkirche am Altmarkt. Trägerin ist die Stadt Dresden. Mit Lehmann wird an der Spitze des Chores auch ein Generationswechsel vollzogen. Derzeit singen rund 140 Jungen zwischen neun und 18 Jahren im Kreuzchor.

Kreile erhält den Bundesverdienstorden

Für seine Verdienste soll Kreile am Donnerstag mit dem Bundesverdienstorden geehrt werden. Der Musiker habe den Kreuzchor „mit Beharrlichkeit, Empathie und Hingabe“ geleitet und den Ruf des Chores als deutscher Kulturträger ersten Ranges gefestigt, hieß es zur Begründung.

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Dem Kreuzchor wünsche er „Beständigkeit und gutes Wachsen“, sagte Kreile wenige Tage vor seiner Verabschiedung dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Knabenchöre kann es nicht hunderte geben, aber einige wenige, die so arbeiten wie wir, die Leuchttürme in unserer Gesellschaft sind, denen gebe ich eine Zukunft“, betonte er.

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Das Stichwort: Der Dresdner Kreuzchor

Der Dresdner Kreuzchor gilt als einer der ältesten und berühmtesten Knabenchöre der Welt. Traditionell besteht seine Kernaufgabe in der musikalischen Gestaltung der evangelischen Vespern und Gottesdienste in der Dresdner Kreuzkirche. 2016 feierte der Kreuzchor sein 800-jähriges Bestehen.

Über das gesamte Kirchenjahr hinweg bestreitet das Ensemble die Hälfte aller liturgischen Dienste in der Kreuzkirche am Altmarkt, die mit mehr als 3.000 Plätzen einer der größten Veranstaltungsorte in Dresden ist. Trägerin des Kreuzchores ist die Stadt Dresden.

Mehrmals im Jahr begibt sich der Kreuzchor auf Konzerttourneen, auch über deutsche und europäische Grenzen hinaus. Er war bereits in Israel, Kanada, Japan, Südamerika und den USA zu Gast. Hinzu kommen Auftritte bei internationalen Musikfestivals sowie Rundfunk- und Fernsehaufnahmen. Das Repertoire reicht vom Frühbarock bis zu zeitgenössischer und populärer Musik.

Ihr Abitur erlangen die Kruzianer an der Kreuzschule, dem heutigen evangelischen Kreuzgymnasium in Dresden. Viele der insgesamt rund 140 Sänger im Alter von neun bis 18 Jahren leben im Alumnat, dem Internat des Chores. Neben der schulischen Ausbildung erhalten sie Gesangs- und Instrumentalunterricht.

Die tägliche Probenarbeit und der spezifische Klang gelten als Grundlage des Erfolgs des Ensembles. Ehemalige Kruzianer waren unter anderem der Opernsänger Theo Adam (1926-2019), der Gründer des Windsbacher Knabenchores, Hans Thamm (1921-2007), und der Tenor und Dirigent Peter Schreier (1935-2019).

„Der Kreuzchor ist eine sächsische Institution“, betonte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in einem persönlichen Grußwort an Kreile. Er pflege die Schätze der Kirchenmusik und begleite die Menschen durchs Jahr. „Sie haben diese Aufgabe während Ihrer Amtszeit sehr ernst genommen“, schrieb Kretschmer und dankte Kreile zugleich für seine „niemals nachlassende Energie für den Kreuzchor“

Von epd

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