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Porträtkonzert in der Schlosskapelle

Die Stille und Arvo Pärt

Arvo Pärt

Arvo Pärt

Dresden.Musiker der Sächsischen Staatskapelle haben den Capell-Compositeur Arvo Pärt in der Schlosskapelle in einem fünfstündigen Porträtkonzert vorgestellt. Friedwart Christian Dittmann (Violoncello), Robert Oberaigner (Klarinette) und Petr Popelka, der das Kammerorchester leitete, erzählten dabei stellvertretend von der Probenarbeit. Sie seien überrascht gewesen, dass Arvo Pärt schon am ersten Tag gekommen sei, nicht erst später, um die Resultate zu prüfen. Auch habe er sich viel mehr auf die Situation als auf die Notation bezogen und sei interessiert gewesen, was die Musiker anbieten.

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Die Musik des Esten, Capell-Compositeur der Staatskapelle Dresden in der laufenden Spielzeit, ist höchst originär. Zwar kann man in den Werken Schwebungen, Permutationen oder Cluster finden, dennoch treten sie nicht als Merkmale einer Handschrift in den Vordergrund. Pärt unterwirft sich keinem Algorithmus, sondern folgt dem Klang, dem einzelnen Ton oder der Stille, in die er sich auflöst und aus der er wächst. Sein Komponieren besteht nicht im Minimalismus des Weglassens, sondern in der Reduktion auf den Kern.

Gerade deshalb entwickelt diese Musik eine große Suggestivkraft, die man auch spirituell empfinden kann. Wie „Für Alina“, von Andrej Kasik (Klavier) gespielt, das auf relativ einfachen Strukturen beruht und doch viel mehr bietet als die simplen Werke der „New Classics“. Da war es fast schade, die folgende Stille mit Applaus zu beenden, ebenso nach dem „Mozart-Adagio“ (Tibor Gyenge/ Violine, Friedwart Christian Dittmann/Cello und Michael Schöch/Klavier), einer bezaubernden Reminiszenz an den Freund und Violinisten Oleg Kagan – wo kann man schon erleben, dass Dissonanzen wunderbar sind?

In dem in Ausschnitten gezeigten Dokumentarfilm „The lost Paradise“ meinte der Geiger Gidon Kremer, dass in den Partituren Arvo Pärts kein Ton zufällig sei, seine Musik sei eine Zaubersprache. Petr Popelka formulierte es so: Es gebe da fast leere Seiten mit wenigen Noten, aber viel Musik.

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Das Konzert offenbarte aber auch eine kompositorische Vielfalt, die mit Notenreichtum überraschen kann, wenn die Töne B-A-C-H collagiert werden oder wenn in „Arbos“ Blechbläser und Schlagzeug expressiv die Triebe eines Kerns (Stammes) entwickeln – da schienen die zufälligen Lichtreflexe der Instrumente an der Wand wie beabsichtigt. Die Passacaglia für Violine und Klavier (Federico und Andrej Kasik) wiederum verwob raffiniert die überbrachte Form mit dem Substrat der individuellen Klangsprache.

Ergänzt wurde diese Fülle durch Werke anderer Komponisten. Für die exquisite Aufführung von Jean Sibelius‘ rekonstruiertem Septett „En saga“ gab es zu später Stunde noch einen extragroßen Applaus.

„Summa“ schrieb Arvo Pärt ursprünglich ebenso wie „Solfeggio“ für Chor. Beides erklang in Bearbeitungen für Streich- bzw. für Posaunenquartett. Ganz verzichten mussten die Zuhörer auf den Gesang jedoch nicht: Christina Bock, Ensemblemitglied der Semperoper, trug „Es sang vor langen Jahren“ nach einem Text Clemens Brentanos mit anrührender Schönheit vor.

Arvo Pärt bedankte sich herzlich bei den Musikern der Staatskapelle und dem stehend applaudierenden Publikum und lud sie ein zum Sinfoniekonzert im April.

Tipp: 9. Symphoniekonzert der Staatskapelle am 14., 15. und 16.4., Semperoper, Arvo Pärt Symphonie Nr. 4 „Los Angeles“, Claude Debussy „La mer“, Maurice Ravel „La valse“, Dirigent: Myung-Whun Chung

Von Wolfram Quellmalz

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