Heimspiel mit Verlängerung

Die Prinzen adelten den Kulturpalast mit alten Hits und Sinfonieorchester

Überzeugten im ausverkauften Konzertsaal des Kulturpalastes mit ihrem zeitlosen A-cappella-Pop: Die Prinzen.

Überzeugten im ausverkauften Konzertsaal des Kulturpalastes mit ihrem zeitlosen A-cappella-Pop: Die Prinzen.

Dresden. Wenn man wie die Prinzen seit über 20 Jahren auf der Bühne steht, darf man eigentlich so ziemlich alles, nur eines nicht: Den Bogen überspannen. Wohldosiert treten die sieben Sänger als Combo seit Jahren schon in Erscheinung. Das letzte Album kam 2015 heraus, und auch die Daten der aktuellen Tournee sind eher rar als dicht gesät. Zusammen mit dem Orchester der Musikalischen Komödie der Oper Leipzig eroberten die Prinzen nach dem Dortmunder Konzerthaus und der Elbphilharmonie in Hamburg nun den Dresdner Kulturpalast mit einem mitreißenden Heimspiel im ausverkauften Saal.

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Wer jetzt allerdings denkt, dass sie hier A-cappella-Genuss mit Orchester aus Thomanerkehlen pur kredenzten, der irrt. Das Orchester ließ unter der Leitung von Tobias Engeli zur Einstimmung Prinzen-Hits wie „Gabi und Klaus“ konzertant erklingen – und zeigte, dass die in Arrangements von Wolfgang Lenk durchaus das Zeug zu Filmmusik hätten. So ganz ohne Schlagzeug- und Bassrhythmen kommen die Prinzen aber dann doch nicht aus. Das Septett aus Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk, Tobias Künzel, Jens Sembdner, Henri Schmidt, Mathias Dietrich und Ali Zieme lässt sich nicht allein von dem 50-köpfigen Orchester verstärken, sondern auch von einer riesigen Soundmaschine – und zückt im Laufe des Abends ebenso Gitarre wie Schlagzeug-Sticks. Das ist schade fürs Orchester, bringt aber sofort ausgelassene Popkonzertstimmung in den Saal.

Hits wie „Das alles ist Deutschland“, „Schwein sein“ oder „Deine blauen Augen“ kann im Publikum sowieso schon jeder mitsingen. Doch auch die Prinzen sind an diesem Abend bestens aufgelegt und natürlich als „Söhne einer kleinen Vorstadt Dresdens“, wie sie gern betonen, immer für Scherze zu haben. Der „Sack voll guter Laune“, den Tobias Künzel und seine Bandkollegen dabei im Saal ausschütten, zeigt schnell auch bis in den letzten Winkel auf den äußeren Rängen Wirkung. Doch gehört zum Starleben eben auch, das zu tun, was die Fans nicht erwarten: Als Überraschungsgast bitten sie die finnische Opernsängerin Amanda Martikainen auf die Bühne, die beim Song „Kannst Du mich hören“ effektvoll zum typischen Prinzen-Sound kontrastiert und dafür lauten Beifall erntet.

Das Orchester lässt Lieder wie „Unspektakulär“ oder „Es war nicht alles schlecht“ im Saal satter und wärmer klingen, kommt jedoch selbst am besten in den ruhigeren Titeln zur Geltung: Tobias Künzel brilliert mit Gitarre und Streichern bei dem Song „Leben strengt an“. Sebastian Krumbiegel setzt sich für ein paar nachdenkliche Momente bei „Wenn du weinst“ an den Flügel. Und Jens Sembdner, der einzige Kruzianer im Thomaner-Bunde, mischt mit „Heute geht es ab“ sogar Jazzlaune ins Programm. Als die Oboe schließlich mit dem Publikum den berühmten Kammerton a als Auftakt zu „Ich wär‘ so gerne Millionär“ anstimmen darf, hat sich die gute Laune nun vollends im Saal ausgebreitet: Die letzten zwanzig Minuten hält es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen.

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Spätestens nach zwei Zugaben haben auch die Prinzen nun den Kulturpalast mit ihrem zeitlos witzigen A-cappella-Pop geadelt – und lassen den Abend dann doch noch pur, ganz ohne Mikro und Verstärker, ausklingen.

Von Nicole Czerwinka

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