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Zweitältester Studentenclub Dresdens

50 Jahre Studentenclub Bärenzwinger

50 Jahre Bärenzwinger unter der Brühlschen Terrasse: Der zweitälteste Studentenclub Dresdens hat die Zeiten trotz so mancher Schwierigkeiten überstanden.

50 Jahre Bärenzwinger unter der Brühlschen Terrasse: Der zweitälteste Studentenclub Dresdens hat die Zeiten trotz so mancher Schwierigkeiten überstanden.

Dresden. Die gute Nachricht ist: Der Bärenzwinger lebt – und kann nun wieder sogar in seine ehemalige große Tonne, um echte Konzerte anzubieten. Die heißt jetzt Eventgewölbe und ist anmietbar. So geschehen am Abend des Internationalen Kindertages, als hier T.S.O! vor rund 300 Leuten spielte. Und am Mittwoch, als hier ein eher mäßig besuchter Festakt zum 50. Geburtstag als Studentenclub (nur der „Gutz“ ist noch reifer) in einen Ball mit der furios aufspielenden Dresdner TU-Bigband unter lockerer Leitung von Bertram Liskowsky.

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Statt Beifall: „Scheiß-T.S.O!“ und „Aufhören“

„Es war wie früher“, sagt Martin Kretschmar, der durchaus als Gesicht des Klubs gelten kann, der seit 19. August 1990 als Verein existiert – erstmals mit C im Club, nachdem sich die Technische Universität als Träger zurückgezogen hatte. Kretschmar, Jahrgang 1967 und im ersten Leben TU-Diplomautomatisierungstechniker, kam vor 24 Jahren das erste Mal hierher – und war kurz darauf in die Vereinspitze gewählt. Von 1995 bis 2005 war er Chef, danach jener des 1999 gegründeten Fördervereins.

Also wurde statt Beifall „Scheiß-T.S.O!“ und „Aufhören“ gerufen, was Neulinge immer noch verstört – und ihn freut. Denise Füssel, die jetzige Vereinschefin, ist hingegen Jahrgang 1990 und studiert im siebten Semester Wirtschaftsrecht. Beide haben als gebürtige Dresdner eine weitere Gemeinsamkeit: Ungefragt im ersten Jahr zum Schriftführer gewählt, hatten sie schon bei der zweiten Wahl den Chefhut der Verantwortung richtig auf.

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Die Dresdner TU-Bigband spielte unter lockerer Leitung von Bertram Liskowsky zur 50-Jahr-Feier.

Die Dresdner TU-Bigband spielte unter lockerer Leitung von Bertram Liskowsky zur 50-Jahr-Feier.

Gemeinsam nun auch zum kleinen Festakt, zu dem – rein kalendarisch zehn Tage zu früh – auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) eine kurze Rede hielt. Der, Dresdner Jahrgang 1971, studierte von 1992 bis 1998 an der TU Wirtschaftsingenieurwesen und bekannte nun, dass er nicht hier wäre, wenn er nicht früher hier auch gefeiert hätte.

Nun gedenkt man in diesem Jahr nicht nur des 200. von Marx und des Endes des erstes Weltkriegs vor 100 Jahren, sondern auch der 68er aller Orten. Aber ebenso wie dieser 50. Geburtstag ist der Bärenzwinger keine reine Wendestory. Denn bereits 1966 hatten Architekturstudenten die Idee einer exklusiven Begegnungsstätte und begannen, die mit Kriegsschutt verfüllten Katakomben, die seit 1590 zur Festung Dresden gehören, auszubuddeln. Genau ein Jahr nach der Grundsteinlegung war Eröffnung am 15. Juno 1968.

Die Flut 2002 verursachte in beiden Tonnen erhebliche Schäden, auch der Club Bärenzwinger musste erst wieder nutzbar gemacht werden.

Die Flut 2002 verursachte in beiden Tonnen erhebliche Schäden, auch der Club Bärenzwinger musste erst wieder nutzbar gemacht werden.

Etliche Ereignisse waren einschneidend wie der zehnjährige Rechtsstreit mit der Evangelisch-Reformierten Gemeinde, die dort ein Altenheim betrieb. Am 1. Juni 2000 musste der Studentenklub seine „Große Tonne“ – wie zuvor schon den Kanonenhof – an die Gemeinde abgeben. Damit sank die Kapazität von 500 auf 299 Gäste. Am 31. Mai 2000 spielten T.S.O! und Yellow Umbrella und Jackpot zur Auszugsparty. Zwei Jahre später im August kam dann die Elbe per Jahrhundertflut und stand ein Weilchen zweifuffzig Meter hoch im Gemäuer. Das dritte Ereignis rettete den Klub als Kulturtempel: Ein Schallschutzdach, entworfen vom Architekten Sebastian Schöler, machte den Hof zum wetter- und lärmfesten Veranstaltungsraum. Dessen Eröffnung am 22. März 2007 war jenes Ereignis, welches den Geburtstag überhaupt ermöglicht.

Die Leute wollen Events, kein Repertoire.

Bis zu zehn Leute arbeiten heute hier, einen Menschen ernährt der Klub, der ohne Förderung von Uni, Studentenwerk oder Stadt und Land auskommt, halbwegs. Die Veranstaltungspalette ist recht übersichtlich geworden, was aber, so Kretschmar, alle Veranstalter derzeit zu spüren bekommen – die Leute wollen Events, kein Repertoire. Und Kino oder Skat machen andere Klubs, ergänzt Füssel. Was neu ist und gut laufe, sei Halloween, erklärt die Chefin, an normalen Tagen ist halt als Bar geöffnet. 16 aktive Mitglieder hat der Verein noch, 200 passive Altmitglieder stehen in den Akten. Genau wie der 1988 gegründete „Weihnachtsmannsackhüpfstaffelmarathon“ zieht auch das alljährliche Engerling-Gastspiel als fixer Erfolgstermin – am 30. April (abends als Anmietung im „Zeitgeist“) sowie am Kampftagmorgen als Frühschoppen vor Ort. Wie immer.

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So war der Mittwochabend, der gegen Mitternacht als Party verebbte, eine Lichtschimmer, auch wenn er mindestens das Doppelte an Resonanz gut verkraftet hätte und an die einstigen 150 000 Besucher per anno nicht mehr zu denken ist. Doch die Festwoche, eingebettet in die Dresdner Studententage, geht heute weiter mit einem Konzert des Jenenser Trios Dämse mit seinem Disco-Punk. Am Sonnabend wartet dann Alphonzo feat. Jaaz Smoothinsky zur HipHop-Party auf, bevor die Fete am Sonntagmorgen ab morgens um Elfe direkt in den Bärenzwingerbrunch mit Sasa und dem Bootsmann übergeht.

Eine echte Innenstadtperle in der gefühlten Weltkulturhauptstadt

Wer das verpasst, muss nicht traurig sein: Denn die Fußball-WM lädt zum ausdauernden Rudelfernsehgucken, kurioserweise ist zwischen Portugal versus Spanien (15. Juno, 20 Uhr) und Mexiko gegen Neuer am alten Tag der deutschen Einheit (17 Uhr) frei. Vermutlich, um heimlich irgendwo den echten Geburtstag zu feiern.

Eine echte wie lebendige Konstante warf am Mittwoch derweil schon große Schatten voraus. Denn Peter Förster, Impresario des einzigen echten Dresdner Sommertheaters und wie der oberste Meisterbürger ein Hüne von Gestalt, kapert den Klubhof wieder ab 19. Juli für seine nunmehr schon 15. Bespielung – ebenso wie der angemietete Gastgeber ohne jede Staats-, also Steuerbürgerknete. Wie immer kommt eine Uraufführung in eigener Regie, aus eigener Feder und mit eigenem Ensemble auf die Bühne: „Meuterei auf der Country“ heißt es hypersymbolisch. Über 42 Abende nahezu en bloc bis zum 9. September – eine echte Innenstadtperle in der gefühlten Weltkulturhauptstadt.

www.baerenzwinger.de

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www.eventgewoelbe-dresden.de

Von Andreas Herrmann

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