„Die Sisters Brothers“ – Der letzte Ritt der Pistoleros

Brüder mit schnellen Colts: John C. Reilly (r.) als Eli Sisters und Joaquin Phoenix als Charlie Sisters in einem Städtchen, das groß genung für sie beide sein sollte.

Brüder mit schnellen Colts: John C. Reilly (r.) als Eli Sisters und Joaquin Phoenix als Charlie Sisters in einem Städtchen, das groß genung für sie beide sein sollte.

Hannover. Howdy, Leute! „Die Sisters Brothers“ reiten zum letzten Mal zusammen. Sie wissen das nur noch nicht. Sie sind zwei Brüder, Revolverhelden, die gemeinhin nur superkurz fackeln, wobei der jüngere, nachdenklichere, der mit dem langsameren Pferd, eigentlich überhaupt nicht mehr so viel fackeln, prügeln und totschießen will. Er fängt auf dem letzten Ritt unwestmännisch zu träumen an. Von einer Frau. Von einem Laden. Etwas Gutes begründen, Mensch werden, schon der lieben Mutter zum Gefallen, und den Westen künftig einen guten Wilden sein lassen.

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Schon beim Buch hatte man das Gefühl: Das gibt einen guten Film

Der Autor Patrick DeWitt hatte die Geschichte von Eli und Charlie Sisters witzig, lakonisch und lebensnah zusammenfantasiert und man hatte von Anfang an das Gefühl, das könnte einen guten Film abgeben. Der Schauspieler John C. Reilly sicherte sich schon bald die Filmrechte, und nun liefert der französische Regisseur Jacques Audiard („Ein Prophet“, „Der wilde Schlag meines Herzens“) mit seinem ersten englischsprachigen Film eine Westernkomödie – unterhaltsamer noch als „True Grit“ von Ethan und Joel Coen. Sie fanden Western noch nie auch nur einen Deut unterhaltsam? Nun Hände hoch, Ladys and Gents, Sie schauen sich jetzt gefälligst „Die Sisters Brothers“ an und ändern Ihre Meinung! Oder wir schießen!

Der gelegentlich ultrabrutale, relativ coole Frauentyp Charlie (Joaquin Phoenix) und der in Gewaltfragen gelindere, schmerbäuchige Eli (John C. Reilly) sind angeheuert, für einen windigen Commodore (Rutger Hauer) den flüchtigen Hermann Kermit Warm („No jokes on names“ sagt der Brite) aufzuspüren und „umzulegen“. Es geht um einen Diebstahl, um eine mysteriöse Formel. Auf ihrer Reise von Oregon zu den Goldclaims Kaliforniens kommen Eli Zweifel an Auftrag und Auftraggeber, erst recht, als sich das potenzielle Opfer (Riz Ahmed) in Sacramento als umgängliche Type erweist. Warm heuert sich zudem Schutz an – John Morris (Jake Gyllenhaal) ist ein eleganter, eloquenter Privatdetektiv, der ein doppeltes Spiel spielt – ein Anti-Sisters-Brother par excellence.

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Im Westen von 1851 wird es so langsam eng für Pistoleros

Eli erkennt auf dem Ritt seine äußerlichen Unzulänglichkeiten: schäbige Kleidung, die Pfunde und dazu der üble Mundgeruch. Die Gebrüder Sisters entdecken die Vorzüge einer sagenhaften Neuerung namens Zahnpasta. Eli übermannt sogar das unrevolvermännische Mitleid mit der Kreatur. Sein Pferd nennt er stets mit dem Namen, was seinem coolen Bruder nie einfallen würde. In Eli zeigt sich die heraufdämmernde neue Zeit, er hat Zukunft. Denn im Jahr 1851 ist Selbstjustiz zwar noch nicht wirklich ein juristisches Problem, aber es wird mählich eng für die Pistoleros. Unerbittlich breitet sich die Ordnung der Zivilisation nach (Süd-)Westen aus. Charlie ist dafür nicht geschaffen – er ist ein Mann von Gestern.

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Am Anfang erscheinen Audiards/DeWitts Helden wie die typischen verworfenen Kerle für einen billigen Groschenroman, am Ende erinnern sie uns an Quijote und Pansa, haben sie einen Film lang sämtliche Wildwestklischees über den Haufen geritten. Dass sie in Amerika damit Box-Office-mäßig nicht aus dem Stall gekommen sind ist ärgerlich. Wir wünschen den Brüdern hierzulande einen guten letzten Ritt. So long, Leute!

Von Matthias Halbig / RND

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