Deutlich mehr Mutationen

Was ist über den Ursprung des Affenpockenvirus bekannt?

Affenpocken zeigen sich durch Ausschlag auf der Haut.

Affenpocken zeigen sich durch Ausschlag auf der Haut.

In Deutschland und vielen weiteren Ländern treten derzeit Infektionen mit dem Affenpockenvirus neu auf. Darunter sind viele Länder, in denen der Erreger bisher nicht oder kaum vorkam. Das ist ungewöhnlich: Bisher war es fast ausschließlich in Afrika zu größeren Ausbrüchen gekommen.

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Das Affenpockenvirus existiert seit Langem, endemische Ausbrüche wurden aber bisher nur in den tropischen Regenwäldern Zentral- und Westafrikas registriert. Der Erreger gehört zur Familie der Orthopoxviren und ist eng mit dem Variolavirus verwandt, dem Erreger der Menschenpocken. Die Affenpocken sind eine Zoonose und können beim engen Kontakt mit Tieren von diesen auf den Menschen übertragen werden.

Nagetiere könnten „Reservoir“ für Virus bilden

Nachgewiesen wurde das Virus erstmals 1958. Damals waren Makaken in einem Zoo in Kopenhagen erkrankt und Proben des Erregers waren im Labor untersucht worden. Das bedeutet aber nicht, dass das Virus erst zu diesem Zeitpunkt entstanden ist. Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass es bei verschiedenen Tierarten in Afrika schon länger vorgekommen war.

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Angenommen wird, dass Infektionen vor allem bei Nagetieren verbreitet sind, diese könnten ein „Reservoir“ für das Virus bilden, indem sie sich innerhalb ihrer Populationen immer wieder ansteckten. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden bei Gambischen Riesenhamsterratten, Rotschenkelhörnchen, Sonnenhörnchen und mehreren Mäuse- und Rattenarten in Afrika Antikörper gegen das Affenpockenvirus nachgewiesen. Das bedeutet, dass diese Tierarten in der Vergangenheit infiziert waren. Lebendes Virus wurde laut RKI nur bei einem erkrankten, wild lebenden Afrikanischen Hörnchen isoliert.

Affenpocken in Zentral- und Westafrika endemisch

Auch bei kleinen Menschen­affen­arten wie Mangaben, Meerkatzen und Stummelaffen wurden Antikörper im Blut gefunden. Affen gelten aber eher als „Fehlwirte“. Sie können sich infizieren, tragen jedoch wohl nicht wesentlich zur Ausbreitung des Virus bei. Das Gleiche galt bisher für Menschen. Sie können sich bei Tieren, also bei Nagern oder (wahrscheinlich seltener) bei Affen, mit dem Erreger anstecken, was in den betroffenen Regionen in Afrika immer wieder geschieht. Welche Tierart genau am häufigsten für eine Übertragung auf den Menschen verantwortlich ist, wurde dabei noch nicht geklärt. Als eine Ansteckungsursache gilt aber das Verspeisen von „bushmeat“, von selbst erlegten Tieren aus dem tropischen Regenwald.

Das Virus tritt in Zentral- und Westafrika endemisch auf, das heißt, es kommt immer wieder zu größeren Ausbrüchen, die aber lokal begrenzt bleiben. Die erste Infektion bei Menschen wurde 1970 bei einem Kind in Kongo festgestellt. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich, so können Menschen, die sich bei Tieren angesteckt haben, die Krankheit weitergeben. Die Ansteckung zwischen Menschen fand bisher aber nur in begrenztem Ausmaß statt.

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Es muss mehr Mensch-zu-Mensch-Übertragungen gegeben haben

Dass nun vermehrt Fälle in Ländern außerhalb Afrikas aufgetreten sind, alarmiert einige Experten und Expertinnen. Anders als bei den vorher außerhalb Afrikas aufgetretenen Fällen handelte es sich nämlich bei den Infizierten nicht wie sonst überwiegend um Reiserückkehrer. Darauf wies auch RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz am Dienstag hin: „Die Mehrheit, und das ist die Besonderheit, hat keine aktuelle Reisegeschichte in ein endemisches Gebiet“, sagte Wieler. Da es aber in Europa kein Reservoir infizierter Tiere gibt, bedeutet das, dass es verstärkt zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch gekommen sein muss.

Zuletzt waren 2018 in mehreren Ländern außerhalb Afrikas Infektionen aufgetreten, die aber auf die Ansteckung bei Afrikareisen zurückgeführt wurden und zu keiner nennenswerten Weiterverbreitung in der Bevölkerung führten. In den USA wurden 2003 Affenpocken von als Haustieren gehaltenen Präriehunden übertragen, die sich vermutlich bei aus Afrika stammenden Hamsterratten angesteckt hatten.

Mehr Mutationen

Theoretisch wäre es möglich, dass das Virus seine Eigenschaften verändert hat und ein neuartiger Erreger für die weltweit beobachteten Infektionen verantwortlich ist, der sich leichter zwischen Menschen überträgt. Dann könnten Affen­pocken­viren in Europa oder auf anderen Kontinenten künftig öfter auftreten. Allerdings ist das noch nicht sicher. Derzeit versuchen Forscher und Forscherinnen noch, mehr darüber herauszufinden, aus welchem Grund es zu einer vermehrten Ansteckung zwischen Menschen kommen konnte.

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Der Forschungs­vereinigung Nextstrain zufolge haben Gensequenzierungen gezeigt, dass die nun in Portugal und den USA nachgewiesenen Viren eng miteinander verwandt sind und Affenpockenviren ähneln, die 2018 in Großbritannien, Italien, Singapur und Nigeria sequenziert wurden. Es handelt sich also zumindest nicht um ein völlig neuartiges Virus.

Experten vom Nationalen Gesundheitsinstitut in Lissabon hingegen verweisen in einer Analyse darauf, dass die nun sequenzierten Viren deutlich mehr Mutationen aufweisen, als es für Affenpockenviren zu erwarten wäre. Es sei daher nicht auszuschließen, dass sich das Virus sprunghaft verändert habe. Zudem sei es bei den Mutationen zum Verlust einiger Gensequenzen gekommen: Eine Hypothese besagt, dass der Verlust bestimmter Gene die Übertragung von Mensch zu Mensch erleichtern könnte.

Bisher deutet trotz alldem aber nichts darauf hin, dass das Affenpockenvirus nun in der Lage wäre, einen massiven Anstieg von Infektionen auszulösen. Auch wenn das Virus mehrere Mutationen aufweist, findet eine Ansteckung immer noch nur bei engen und offenbar zuletzt gehäuft bei sexuellen Kontakten mit symptomatisch infizierten Personen statt.

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