Wie die Corona-Krise Kinder und Jugendliche trifft

Kinder leiden unter den Folgen der Corona-Maßnahmen wie Schulschließungen und dem Verlust sozialer Kontakte.

Kinder leiden unter den Folgen der Corona-Maßnahmen wie Schulschließungen und dem Verlust sozialer Kontakte.

Immer wieder warnen Experten vor den schädlichen Folgen von Lockdowns, Schulschließungen und sozialer Isolation für Kinder. Inzwischen gibt es Studien, die belegen: Die seelische und körperliche Gesundheit vieler Kinder und Jugendlicher ist tatsächlich gefährdet.

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Eine der größten wissenschaftlichen Untersuchungen zum psychischen Befinden von Kindern und Jugendlichen in der Krise stammt von Forschern der Abteilung Child-Public Health am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Im Rahmen der Copsy (Corona und Psyche)-Längsschnittstudie hatten diese analysiert, wie sich die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der ersten und zweiten Corona-Welle verändert hat.

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Die Wissenschaftler hatten dazu von Mai bis Juni des vergangenen Jahres mehr als tausend elf- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche und 1500 Eltern online zum Umgang der Kinder mit der Krise befragt. Von Dezember 2020 bis Januar 2021 fand eine erste Folgebefragung statt, so konnten die Wissenschaftler das Befinden der Kinder während der ersten und zweiten Corona-Welle vergleichen. Sie verglichen die Ergebnisse außerdem mit einer Studie zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus der Zeit vor der Pandemie.

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Mehr als 30 Prozent hatten psychische Probleme

Hatten schon während der ersten Welle rund 71 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen berichtet, unter der Situation zu leiden, waren es während der zweiten Welle mit erneuten Maßnahmen rund 83 Prozent. Fast zwei Drittel der befragten Kinder gaben während beiden Zeiträumen an, der Schulbesuch und das Lernen würde ihnen schwerer fallen als noch zuvor. Sie hatten weniger soziale Kontakte und rund 40 Prozent sagten in der Befragung, dass ihre Freundschaften dadurch beeinträchtigt wurden. 20 bis 30 Prozent berichteten, dass es mehr Streit in der Familie gab, was auch von den Eltern bestätigt wurde.

Die Auswertung der Onlinebefragung hatte auch ergeben, dass mehr als 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen an psychischen Problemen litt, in einer Befragung vor der Corona-Pandemie waren es nur etwa 18 Prozent gewesen. Die Kinder und Jugendlichen neigten verstärkt zu Ängsten und Aggressionen, während der zweiten Welle berichteten sie sogar vermehrt von depressiven Symptomen. Auch psychosomatische Beschwerden wie Kopfweh, Bauchweh, Antriebslosigkeit und Reizbarkeit traten öfter auf.

Schlechtere Ernährung und Gewichtszunahme

Auch die Gesundheit der Kinder droht in der Krise beeinträchtigt zu werden. Das Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin (EKFZ) an der Technischen Universität München hatte im vergangenen September 1000 Elternteile zu den veränderten Lebensgewohnheiten ihrer Kinder befragt: Die Ergebnisse waren im Fachjournal „Annals of Nutrition and Metabolism“ veröffentlicht worden.

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Demnach aßen Kinder seit Beginn der Pandemie und der Corona-Maßnahmen mehr ungesunde Süßigkeiten und salzige Knabbereien und bewegten sich deutlich weniger. Insgesamt hatten dadurch 9 Prozent der Kinder an Gewicht zugelegt, wobei Kinder aus einkommensschwachen Familien stärker betroffen waren: Von ihnen nahmen sogar 23 Prozent zu.

Auch in einem Bericht des Kinderhilfswerks Unicef zur Lage der Kinder in Deutschland 2021 wird auf die Auswirkungen der Corona-Krise und der Lockdowns für Kinder eingegangen. „Die vielfältigen Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens gefährden nicht nur die Bildungserfolge junger Menschen, sondern haben weitreichende Folgen für ihr gesamtes Wohlbefinden und ihre Entwicklung“, schreibt Unicef in einer Zusammenfassung des Berichts. Ein Jahr nach dem Beginn des ersten Lockdowns in Deutschland zeichneten sich die massiven Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf Kinder, Jugendliche und Familien immer deutlicher ab, so Unicef.

Mehr Gewalt gegen Kinder?

Es habe sich dabei gezeigt, dass die Corona-Krise „viele Risiken für das kindliche Wohlbefinden weiter verstärkt“. Die Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen erhöhten das Risiko, dass „Kinder mit Förder- und Schutzbedürfnissen nicht ausreichend erreicht werden.“ Unicef hatte sich schon im vergangenen Jahr gegen Schulschließungen ausgesprochen und betont im aktuellen Bericht noch einmal, Kinder bräuchten „öffentliche Räume wie Bildungseinrichtungen, Freizeitmöglichkeiten und Unterstützungsangebote, um sich entwickeln zu können“.

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Experten gehen auch von einer Zunahme der Gewalt gegen Kinder aus, wenn Stress in den Familien zu nimmt und viele wegen Lockdowns oder Ausgangsperren gezwungen sind, auf engem Raum auszuharren. Zudem wird die Misshandlung von Kindern seltener bemerkt, wenn Schulen geschlossen werden und soziale Kontakte eingeschränkt sind. Verlässliche Daten zum Ausmaß der Gewalt in Familien sind schwer zu finden, da sie sich meist im Verborgenen abspielt.

Hier finden Betroffene Hilfe

Das Kinder und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ ist deutschlandweit montags bis samstags von 14 Uhr bis 20 Uhr kostenlos unter der Telefonnummer 116 111 erreichbar, auch eine Onlineberatung ist möglich. Samstags können sich Jugendliche außerdem unter der gleichen Nummer auch von anderen Jugendlichen beraten lassen, die dafür ausgebildet sind.

Für Eltern gibt es unter der Telefonnummer (08 00) 1 11 05 50 kostenlose Beratung, immer montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr.

Die Whatsapp-Hotline Krisenchat bietet psychosoziale Ersthilfe für Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahren.

Viele Jugendämter bieten zudem 24 Stunden Notfallnummern an.

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