Tiefstand bei den Corona-Todesfällen: Zeigen die Impfungen endlich Wirkung?

Immer noch sterben mehrheitlich ältere Menschen in Deutschland im Zusammenhang mit Sars-CoV-2.

Immer noch sterben mehrheitlich ältere Menschen in Deutschland im Zusammenhang mit Sars-CoV-2.

Es ist der niedrigste Wert seit Beginn des Jahres: Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Montagmorgen 34 neue Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-CoV-2. Derart geringe Todeszahlen gab es zuletzt im Oktober vergangenen Jahres, bevor die zweite Corona-Welle Deutschland erreichte. Wenngleich der neue Tiefstand der Corona-Todesfälle eine ermutigende Entwicklung darstellt, so muss er doch mit Vorsicht interpretiert werden.

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Todesfälle könnten wieder steigen

Denn die Meldungen können auch Todesfälle enthalten, die schon einige Zeit zurückliegen, also nicht tagesaktuell sind. Hinzu kommt, dass das Coronavirus in der Bevölkerung immer noch verstärkt übertragen wird. Das zeigt die Zahl der bundesweiten Corona-Neuinfektionen. Am Montag verzeichnete das RKI 5011 neue Fälle – das sind knapp 280 Fälle mehr als vor einer Woche.

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Sobald die Neuinfektionen zunehmen und sich das Virus und seine Varianten weiterverbreiten, kann es wieder zu vermehrten Todesfällen kommen. Ob dieses Szenario wirklich eintritt, wird sich aber erst in einigen Wochen zeigen. Warum? Das RKI schätzt, dass zwischen Symptombeginn und Tod im Durchschnitt 16 bis 18 Tage vergehen. Während der ersten Corona-Welle betrug diese Zeitspanne noch elf Tage. Die Zahl der Corona-Todesfälle hinkt also der Entwicklung bei den Fallzahlen stets hinterher.

Nach wie vor sterben in Deutschland mehrheitlich ältere Menschen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2, obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe der über 80-Jährigen seit Anfang des Jahres kontinuierlich zurückgeht. Am Sonntag lag die Kennzahl bei 52 Fällen pro 100.000 Einwohner, wie aus dem RKI-Situationsbericht hervorgeht. Damit war sie sogar niedriger als in der Gesamtbevölkerung (66 Fälle pro 100.000 Einwohner). Auch in der Altersgruppe der 66- bis 79-Jährigen zeigt sich ein Rückgang der Fallzahlen.

Zahl der Corona-Intensivpatienten hat sich in drei Monaten halbiert

Doch es gibt noch zwei weitere Faktoren, auf die der Rückgang der Corona-Todesfälle zurückzuführen ist. Zum einen hat sich die Situation in den Krankenhäusern deutlich entspannt. Die Zahl der Corona-Intensivpatienten beziffert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) aktuell mit 2865. Damit hat sich die Patientenzahl innerhalb von drei Monaten halbiert. Anfang Januar mussten die Intensivmediziner noch mehr als 5700 Covid-19-Kranke behandeln.

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Zum anderen sehe man mittlerweile den Effekt der Impfungen, ist Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, überzeugt. Er verweist auf die sinkenden Fallzahlen bei den über 80-Jährigen und die hohen Impfraten in Pflegeheimen. Senioren in Gemeinschaftsunterkünften gelten als besonders gefährdet für schwere und tödliche Verläufe.

Mehr als 5,17 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits eine Erstimpfung erhalten. Das entspricht nach Angaben des RKI einer Impfquote von 6,2 Prozent. Rund 2,48 Millionen Deutsche wurden inzwischen sogar zweimal geimpft – darunter sind knapp 641.000 Pflegeheimbewohner.

Divi-Präsident: Lockdown sorgt für niedrige Todeszahlen

Divi-Präsident Uwe Janssens glaubt ebenfalls, dass die Impfungen Wirkung zeigen – allerdings nicht so deutlich, wie die aktuell niedrigen Todeszahlen suggerieren könnten. „Wir sind bei den Impfungen – vorsichtig gesagt – relativ weit hinten“, sagte Janssens.

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Da Deutschland erst vor etwa zwei Monaten mit dem Impfen begonnen habe und die Zahl der verimpften Dosen erst jüngst deutlich stieg, könne die Auswirkung auf die Todeszahlen noch nicht so stark sein. Tatsächlich sind auch viele Hochbetagte noch gar nicht geimpft. Bei Menschen ab 80 Jahren haben erst etwas mehr als ein Drittel eine erste Impfdosis bekommen. Der niedrige Wert bei den Corona-Toten ist laut Janssens eher auf den Lockdown und die dadurch über Wochen gesunkenen Infektionszahlen zurückzuführen.

Pandemie führt in Deutschland zu Übersterblichkeit

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in Deutschland knapp 72.000 Menschen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 gestorben. Forscher des Oxford Centres for Evidence-Based Medicine haben zudem berechnet, dass die Ausbreitung des Coronavirus 2020 zu einer relativen Übersterblichkeit von 3,3 Prozent geführt hat. Die Übersterblichkeit bezeichnet die Anzahl an Todesfällen, die über einem historischen Mittel liegen. Besonders ausgeprägt war sie im vergangenen Jahr in Polen (14,4 Prozent), Chile (13,8 Prozent), Spanien und in den USA (jeweils 12,9 Prozent).

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Dänemark, Finnland, Island, Lettland, Norwegen und Südkorea verzeichneten 2020 hingegen weniger Corona-Todesfälle. „Die relative Übersterblichkeit in den von uns untersuchten Ländern reicht von minus 4,3 Prozent bis 14,4 Prozent“, schrieben die Forscher zu ihren Ergebnissen. Die Schätzungen zur Übersterblichkeit würden dabei helfen, „nicht nur die Todesfälle zu verstehen, die direkt auf Covid-19 zurückzuführen sind, sondern auch die, die indirekt daraus resultieren“.

mit Material der dpa

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