Studie: Regelmäßiger Alkoholkonsum verringert die Chancen auf eine Schwangerschaft

Ein Gläschen Wein mit der Freundin, ein Bierchen mit den Kolleginnen zum Feierabend: Alkohol ist für viele ein Genussmittel, doch beeinträchtigt laut einer aktuellen Studie die Fruchtbarkeit.

Ein Gläschen Wein mit der Freundin, ein Bierchen mit den Kolleginnen zum Feierabend: Alkohol ist für viele ein Genussmittel, doch beeinträchtigt laut einer aktuellen Studie die Fruchtbarkeit.

Schon wenige Gläser Bier oder Wein pro Woche könnten einer Studie zufolge die Chance einer Frau, schwanger zu werden, erheblich senken. Das berichtet ein US-Forscherteam im Fachblatt „Human Reproduction“. Demnach scheint nicht nur die konsumierte Menge Alkohol eine Rolle zu spielen, sondern auch, wann im Menstruationszyklus dieser konsumiert wurde. Experten bemängeln allerdings erhebliche Schwächen in den verwendeten Daten.

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Bereits vor einigen Jahren hatte eine dänische Studie ergeben, dass ein hoher Alkoholkonsum bei Frauen eine Schwangerschaft verhindern könne. Die Wissenschaftler berichteten damals im „British Medical Journal“ (BMJ), dass die Chance für eine Empfängnis allerdings erst ab einer Menge von 14 alkoholischen Getränken pro Woche sank. Nun versucht die Untersuchung des Teams um die Epidemiologin Kira Taylor von der Universität Louisville, ein differenzierteres Bild zu zeichnen.

Studie: Alkoholkonsum wirkt sich auf die Fruchtbarkeit aus

Das Team wertete Daten einer Studie aus, für die Frauen im Alter von 19 bis 41 Jahren zwischen 1990 und 1994 für maximal 19 Menstruationszyklen beobachtet wurden. Die Teilnehmerinnen gaben in einem Tagebuch an, wie viel und welchen Alkohol sie tranken. Dabei definierten die Forscherinnen und Forscher starken Alkoholkonsum als mehr als sechs alkoholische Getränke pro Woche, mäßigen Konsum als drei bis sechs Getränke pro Woche und Rauschtrinken als vier oder mehr Getränke an einem Tag.

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Ein Getränk bedeutete einen Drittel Liter Bier (355 Milliliter), ein mittelgroßes Glas Wein (148 Milliliter) oder zwei Schnäpse (44 Milliliter). Zudem berücksichtigte die Analyse weitere Einflussfaktoren, darunter das Alter der Frauen, ihre medizinische Vorgeschichte, Rauchen, Übergewicht, Verwendung von Verhütungsmethoden und die Absicht, schwanger zu werden. Insgesamt standen Daten von 413 Frauen zur Verfügung.

„Wir haben festgestellt, dass starker Alkoholkonsum in jeder Phase des Menstruationszyklus signifikant mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis im Vergleich zu Nichttrinkerinnen verbunden war“, sagt Taylor laut einer Mitteilung der Universität. Dies sei wichtig, weil manche Frauen mit Kinderwunsch glauben könnten, es sei „sicher“, während bestimmter Phasen des Menstruationszyklus zu trinken.

Doch gerade während der Lutealphase, also der letzten zwei Wochen des Zyklus, gehe auch mäßiger Alkoholkonsum mit einer deutlich verringerten Empfängniswahrscheinlichkeit einher, so Taylor. Die Art des Getränks machte dabei keinen Unterschied. Gehe man davon aus, dass eine typische, gesunde, nicht trinkende Frau beim Versuch, schwanger zu werden, eine ungefähr 25-prozentige Erfolgschance hat, wären es bei mäßigen Trinkerinnen 20 Prozent und bei starken Trinkerinnen 11 Prozent, so Taylor. Während der Lutealphase betrage die Erfolgsaussicht bei mäßigen Trinkerinnen sogar nur etwa 16 Prozent.

Möglicherweise, so Taylor, beeinflusse Alkohol Prozesse beim Eisprung oder beeinträchtige die Fähigkeit einer befruchteten Eizelle, sich in der Gebärmutter einzunisten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen indes, dass die von ihnen genannten Zahlen als grobe Schätzungen betrachtet werden sollten.

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Fruchtbarkeit der Partner spielt in der Studie keine Rolle – Kritik wird laut

Unabhängige Experten weisen auf Schwächen der Untersuchung hin. „Nicht nur, dass der Datensatz für eine signifikante Anzahl der einbezogenen Untergruppen recht klein war, die Daten stammten auch von vor gut 30 Jahren, sodass der Kontext nicht mehr aktuell ist“, sagt Reproduktionsmedizinerin Ying Cheong von der Universität Southampton. Zudem basierten die Ergebnisse auf den Selbstauskünften der Teilnehmerinnen, was Verzerrungen mit sich bringen könne. Und schließlich seien die männlichen Partner nicht befragt worden.

Dies kritisiert auch der Mediziner Tim Child von der Universität Oxford: „Vielleicht waren die Partner von Frauen, die viel tranken oder Rauschtrinkerinnen waren, selbst weniger fruchtbar?“ So könnte auch deren Alkoholkonsum eine Rolle spielen, etwa die Spermienqualität mindern.

Gareth Nye von der Universität Chester bemängelt, die ohnehin schon kleine Probandinnengruppe enthalte auch Frauen ohne Kinderwunsch und zudem einen großen Anteil von Frauen über 30 Jahren, die generell eine verringerte Fruchtbarkeit aufwiesen. Und schließlich beschreibe die Studie Korrelationen und keine Kausalitäten. Letztlich sei es ratsam, dass Frauen, die schwanger seien oder sich bemühten, schwanger zu werden, ihren Alkoholkonsum einschränkten und gegebenenfalls andere Aspekte ihres Lebensstils anpassten, wie die Ernährung, Sport oder den Koffeinkonsum, unterstreicht Nye. „An dieser Botschaft ändert die Studie nichts.“

RND/dpa

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