So schützen Sie sich vor den Viren, Bakterien und Pilzen

Nicht nur Fußpilz: Diese Krankheitserreger lauern im Schwimmbad

Zahlreiche Badegäste kühlen sich im Kölner Stadionbad ab.

Zahlreiche Badegäste kühlen sich im Kölner Stadionbad ab.

Sommerzeit ist Badezeit. Dann zieht es wieder viele Menschen in die Freibäder, um sich im Wasser abzukühlen, einen Kopfsprung vom Drei-Meter-Turm zu machen, die Wasserrutsche herunterzurutschen oder einfach nur auf einem Handtuch liegend die Sonne zu genießen. Doch der Spaß am Freibadbesuch kann schnell vergehen, wenn plötzlich die Augen brennen, die Haut juckt oder die Ohren schmerzen. Schuld sind Krankheitserreger, die an Land und im Wasser lauern.

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Warmes Wasser ist ein idealer Nährboden

Gerade warmes, seichtes Wasser ist ein idealer Nährboden für Keime. Wie die Erreger dorthin kommen? Hauptsächlich mithilfe des Menschen. Bei jedem Badegang gelangen Haare, Hautpartikel, Schweiß, Urin, Cremes, Deos und Spuren von Fäkalien ins Wasser – und damit auch Bakterien und Viren.

Zwar desinfizieren die meisten Schwimmbäder ihre Becken mit Chlor, doch das hilft nicht gegen alle Erreger. Kryptosporidien sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts beispielsweise sehr widerstandsfähig gegenüber Desinfektionsmitteln wie Chlor. Die Parasiten aus dem Darm können mehrere Tage in einem gut desinfizierten Schwimmbadwasser überleben. Sie können Durchfall und Erbrechen verursachen. Doch das ist nicht die einzige Krankheit, die ein Schwimmbadbesuch zur Folge haben kann.

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Schwimmbad-Otitis

Wie es dazu kommt: Beim Baden Wasser in die Ohren zu bekommen lässt sich nur schlecht vermeiden. Normalerweise ist der Gehörgang durch das fettige Ohrenschmalz, das wie eine Schutzschicht wirkt, gut vor Keimen und Schmutz geschützt. Dringt Wasser ein, weicht die Haut jedoch auf und damit löst sich der natürliche Fettschutz auf. Chlor beschleunigt diesen Prozess.

Damit haben Krankheitserreger leichtes Spiel: Mühelos können sie jetzt in die Haut vordringen, sich dort vermehren und lokale Entzündungen hervorrufen. Die Ohren beginnen zu jucken, röten sich, werden berührungsempfindlich und schmerzen nach einigen Tagen. Ärztinnen und Ärzte bezeichnen diese Mittelohrentzündung auch als Schwimmbad-Otitis.

Beim Schwimmen und Tauchen kommt schnell Wasser ins Ohr. Zum Problem wird es vor allem dann, wenn es tief in den Gehörgang gelangt und länger nicht wieder abfließt.

Beim Schwimmen und Tauchen kommt schnell Wasser ins Ohr. Zum Problem wird es vor allem dann, wenn es tief in den Gehörgang gelangt und länger nicht wieder abfließt.

Was dagegen hilft: Als Erstmaßnahme empfiehlt es sich, ein Schmerzmittel einzunehmen und die Ohren von außen etwas zu kühlen. Werden die Schmerzen trotzdem nicht besser, sollte die Entzündung ärztlich abgeklärt werden. Denn es kann sein, dass nicht nur der äußere Gehörgang entzündet ist, sondern auch das Mittelohr. Um einer Schwimmbad-Otitis vorzubeugen, sollten die Ohren nach dem Baden mit einem dünnen Tuch oder einem Fön getrocknet oder mit Trinkwasser ausgespült werden. Hals-Nasen-Ohren-Ärztinnen und -Ärzte raten zudem, einen Tropfen Oliven- oder Babyöl nach dem Schwimmen ins Ohr zu träufeln, um den natürlichen Fettfilm der Haut wiederaufzubauen.

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Wer regelmäßig Wassersport betreibt oder empfindliche Ohren hat, sollte überlegen, einen Spritz- und Schwimmschutz zu verwenden. Dieser besteht aus wasserfestem, weichem Material und kann wie ein kabelloser Kopfhörer im Ohr getragen werden. Er verhindert dadurch, dass Wasser von außen in den Gehörgang eindringen kann.

Schwimmbad-Konjunktivitis

Wie es dazu kommt: Chlorwasser kann nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen anfälliger für Krankheitserreger machen. Zusammen mit anderen organischen Stoffen im Wasser wie Harnstoff reizt es die Schleimhäute. So gelangen Keime ganz einfach in die Horn- und Bindehaut. Im schlimmsten Fall kann es dann zu einer Bindehautentzündung, einer sogenannten Schwimmbad-Konjunktivitis kommen.

Was dagegen hilft: Tränenersatzflüssigkeit in Form von Augentropfen kann den Reiz lindern. Wenn nicht, sollte lieber eine Augenarztpraxis aufgesucht werden. Schwimmbrillen können brennende Augen verhindern. Sie sind mittlerweile auch mit individuellen Sehstärken erhältlich.

Durchfall und Erbrechen

Escherichia coli (rosa), ein menschliches Darmbakterium, das beim Schwimmen ins Wasser abgegeben wird.

Escherichia coli (rosa), ein menschliches Darmbakterium, das beim Schwimmen ins Wasser abgegeben wird.

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Wie es dazu kommt: Die beste Hygiene schützt nicht davor, dass Darmkeime wie Escherichia coli ins Wasser gelangen. Denn am menschlichen Körper befinden sich oft kleinste Mengen von Fäkalien, die beim Schwimmen unbemerkt verbreitet werden. Wird Wasser geschluckt, können die Keime in den Körper gelangen und so Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen verursachen. Oft dauern die Darminfektionen nur wenige Tage an. Infizieren sich jedoch immungeschwächte Menschen, kann es durchaus zu schweren Krankheitsverläufen kommen, die schlimmstenfalls einen Arztbesuch nötig machen.

Was dagegen hilft: Die einzige Möglichkeit, einer Infektion mit den Darmkeimen vorzubeugen, ist: Beim Schwimmen möglichst wenig Wasser schlucken. Sich vor dem Baden gründlich abzuduschen kann ebenfalls dabei helfen, Krankheitserreger aus dem Schwimmbecken fernzuhalten. Wer sich krank fühlt und Durchfall hat, sollte grundsätzlich zu Hause bleiben.

Blasenentzündung und Scheideninfektion

Wie es dazu kommt: Darmkeime wie Escherichia coli können ebenfalls Verursacher einer Blasenentzündung sein. Über die Harnröhre können sie beim Schwimmen in die Blase gelangen und dort Entzündungen auslösen. Typische Anzeichen einer Blasenentzündung sind Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang. Die Beschwerden treten in der Regel nicht sofort auf, sondern erst nach einigen Stunden. Auch kann es durch Darmkeime und Pilze zu Scheideninfektionen kommen. Die Scheide juckt, brennt und schmerzt dann.

Was dagegen hilft: Frauen, die zu Blasenentzündungen und Scheideninfektionen neigen, sollten darauf achten, nicht zu lange im Wasser zu bleiben. Ebenso sollten sie nasse Badesachen nach dem Schwimmen ausziehen, sich abtrocknen und stattdessen trockene, warme Kleidung anziehen. So lässt sich verhindern, dass der Unterleib zu stark auskühlt und sich Keime im Harntrakt ansiedeln können. Während der Regelblutung gilt: Tampons nach dem Schwimmbadbesuch sofort wechseln.

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Chlorallergie

Wie es dazu kommt: Gereizte Augen und juckende Haut interpretieren Badegängerinnen und -gänger oft als Chlorallergie. Dabei ist das eine typische Reaktion auf die Chemikalie. Es bedeutet noch nicht, dass tatsächlich eine Allergie besteht. Diese kann schlimmstenfalls auch mit Atem- und Kreislaufproblemen einhergehen. In der Regel sind aber nur sehr wenige Menschen wirklich allergisch gegen Chlor. Ein Test beim Allergologen kann im Einzelfall darüber Aufschluss geben.

Was dagegen hilft: Wer tatsächlich gegen Chlor allergisch sein sollte, muss nicht nur beim Schwimmen vorsichtig sein. Der chemische Stoff wird zum Beispiel auch dafür verwendet, Toilettenpapier zu bleichen. Die Chlorkonzentration ist darin jedoch deutlich geringer als im Schwimmbecken.

Um grundsätzlich Hautreizungen durch Chlor zu vermeiden, empfiehlt es sich, nach dem Baden direkt zu duschen. Wichtig dabei ist, nicht zu lange und zu heiß zu duschen, um die Haut nicht noch weiter zu strapazieren. Ebenso kann ein pH-neutrales Duschgel und eine hautfreundliche Feuchtigkeitslotion Linderung bringen.

Fußpilz

In gemeinschaftlichen Umkleidekabinen ist das Risiko für Fußpilz besonders hoch.

In gemeinschaftlichen Umkleidekabinen ist das Risiko für Fußpilz besonders hoch.

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Wie es dazu kommt: Fußpilz ist eine Erkrankung, unter der besonders häufig Profischwimmerinnen und Profischwimmer leiden. Sie entsteht durch Hautpilze. Die feuchtwarme Umgebung in Schwimmbädern und Gemeinschaftsduschen ist der ideale Lebensraum für die Pilze. Dort können sie locker mehrere Monate überleben. Übertragen werden die Pilzsporen durch direkten Hautkontakt oder Hautschuppen. Zum Beispiel dann, wenn jemand mit nackten Füßen in infizierte Hautschuppen tritt. Über Risse oder verletzte Stellen können die Pilze dann in die oberste Hautschicht eindringen. Vor allem zwischen den Zehen vermehrt sich Fußpilz besonders gut.

Die Folge: Die Haut an den Füßen juckt, schuppt und rötet sich. Oft bilden sich auch weißliche Hautplatten, die an Hornhaut erinnern, aber viel weicher sind.

Was dagegen hilft: Um Fußpilz vorzubeugen, sollten die Füße nach dem Duschen, Schwimmen oder Baden sorgfältig abgetrocknet werden, besonders in den Zehenzwischenräumen. In Umkleidekabinen, Gemeinschaftsduschen und Schwimmbädern ist es zudem ratsam, Badelatschen zu tragen, um erst gar nicht mit Hautpilzen in Berührung zu kommen. Ebenfalls wichtig: Handtücher, Socken und Schuhe nicht mit anderen teilen.

Ist Fußpilz erst mal da, helfen spezielle Antipilzmittel. Damit verschwinden die Beschwerden in der Regel innerhalb weniger Wochen – vorausgesetzt, sie werden frühzeitig und konsequent mit den Mitteln behandelt.

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Und was ist mit Corona?

Da das Wasser in Schwimmbädern regelmäßig aufbereitet wird, ist es höchst unwahrscheinlich, dass das Coronavirus darüber übertragen wird. Menschen, die eine akute Atemwegsinfektion haben, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) dennoch davon ab, baden zu gehen, um andere nicht zu gefährden.

Die Gefahr, sich mit Corona anzustecken, lauert eigentlich woanders: nämlich an Land. Dort, wo Menschen eng zusammenkommen. Das kann auf der Liegewiese oder in der Warteschlange an der Pommesbude sein. Deshalb empfiehlt die BZgA, auch im Schwimmbad die Hygiene- und Verhaltensregeln konsequent einzuhalten. Also Abstand halten, eine regelmäßige Hygiene und wo es enger wird, zur Not doch eine Maske aufsetzen.

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