Newsletter „Die Pandemie und wir“

Nach der Wiesn kommt die Welle

Fahrgeschäfte, Bier, Menschenmassen – das Oktoberfest hat sich als Superspreader-Event entpuppt.

Fahrgeschäfte, Bier, Menschenmassen – das Oktoberfest hat sich als Superspreader-Event entpuppt.

Liebe Leserinnen und Leser,

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es ist keine Überraschung. Pünktlich mit dem Oktoberfest sind die Corona-Infektionszahlen in München rasch gestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in der Stadt bei nunmehr knapp 814 Fällen pro 100.000 Einwohner. Vor dem Fest hatte sie noch bei circa 200 gelegen. Hunderttausende Menschen, auf engstem Raum, ohne Masken und Hygienekonzepte – das konnte einfach nicht gut gehen. Ausbaden müssen es nun die Kliniken: Die Krankenhausbetten auf den Normal-, Intensiv- und Übergangsstationen füllen sich. „Das wäre nicht nötig gewesen, wenn vor dem Einlass Selbsttests gemacht worden wären“, kommentierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor wenigen Tagen die Entwicklungen auf Twitter.

Zu spät, jetzt ist die Infektionswelle da – und zwar nicht nur in München. Bundesweit klettern die Corona-Fallzahlen in die Höhe. Für Lauterbach ist die Lage eindeutig: „Wir befinden uns ganz klar am Beginn einer Herbst- und Winterwelle.“ Im schlimmsten Fall könnten die Infektionszahlen bald wieder vierstellig sein. Das Spiel beginnt von vorne. Wieder werde es viel zu tun geben, sagte der Gesundheitsminister, versicherte aber wenig später: „Wir werden die Welle im Griff haben.“

Lauterbachs Plan gegen die Corona-Welle

Mit einem Vier-Punkte-Plan soll es sicher durch Herbst und Winter gehen. Dieser sieht vor: eine „innovative“ Impfkampagne, eine breitere Anwendung von Medikamenten wie Paxlovid, eine bessere Datenlage und das neue Infektionsschutzgesetz. Gegen den Datenblindflug soll das neue „Pandemieradar“ helfen, das sich meine Kollegin Talisa Moser genauer angeschaut hat. Wie sich jeder Einzelne in typischen alltäglichen Corona-Situationen am besten verhalten sollte, dazu mehr in der Rubrik „Alltagswissen“.

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Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Laura Beigel

 

Was wichtig war

Am 1. Oktober ist das neue Infektionsschutzgesetz in Deutschland in Kraft getreten. Das bedeutet, in Fernzügen müssen Reisende jetzt FFP2-Masken tragen. Gleiches gilt für Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, Patientinnen und Patienten sowie Besucherinnen und Besucher. Letztere müssen einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen. Das Klinikpersonal muss sich dreimal pro Woche auf Corona testen. In Arztpraxen gilt die Maskenpflicht nur für Patientinnen und Patienten. Im Flugzeug entfällt sie ganz. Gegebenenfalls können die Länder die Maßnahmen auch noch einmal nachschärfen.

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Keine Masken, keine Tests: Sachsen will die Schulen grundsätzlich ohne Corona-Einschränkungen offenhalten. Eine generelle Maskenpflicht sei unverhältnismäßig, heißt es.

Werden die Schulen im Winter zu Corona-Hotspots? Wenn ja, könnten die Länder wieder eine Masken- und Testpflicht einführen.

Bundeseinheitliche Regeln für den Schulbetrieb sieht das neue Gesetz nicht vor. Die Schulen und Kitas zu schützen bleibt Ländersache. Diese können eine Maskenpflicht ab dem fünften Schuljahr vorschreiben sowie eine Testpflicht in Schulen und Kitas. Lehrerverbände fürchten derweil, dass Schulen in diesem Winter zu Corona-Hotspots werden könnten.

„Die Kinder und Jugendlichen stecken sich genauso gut zu Hause oder in der Freizeit mit dem Virus an oder geben es weiter“, meint Hans-Iko Huppertz, ehemaliger Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. Meist erkranken sie dann leicht oder sogar asymptomatisch. Huppertz sieht momentan keine Notwendigkeit für eine Maskenpflicht in der Schule. Eine Impfung, auch für Eltern und Lehrkräfte, kann einen zusätzlichen Schutz bieten und dabei helfen, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten.

 

Alltagswissen

Freunde haben zur Geburtstagsparty eingeladen. Doch kann man dort guten Gewissens hingehen – jetzt, da das Infektionsgeschehen wieder dynamischer wird? Der Corona-Test ist negativ, aber da sind Halsschmerzen und Schnupfen. Kann man trotzdem zur Arbeit? Und was ist mit weiteren Impfungen? Braucht es die überhaupt noch, zumal Omikron doch eher für milde Krankheitsverläufe sorgt? Diese und weitere Fragen haben wir vier Corona-Expertinnen und -Experten gestellt. Ihre Antworten lesen Sie in unserem Corona-Herbst-Knigge.

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Gut gesagt

Long Covid ist ein stark unterschätztes Problem mit bisher nur begrenzten Therapiemöglichkeiten.

Gerald Haug,

Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, sieht noch großen Forschungsbedarf bei den Corona-Spätfolgen

In Rostock hat Anfang Oktober ein deutschlandweit einzigartiges Long-Covid-Institut eröffnet. Es soll eine Beratungsstelle für die Behandlung von Corona-Genesenen sein, die nach durchgemachter Erkrankung noch immer unter Symptomen leiden. Initiatorin ist die Lungenärztin Jördis Frommhold. Sie gilt als Expertin für Corona-Spätfolgen in Deutschland und ist Präsidentin des neuen Ärzteverbandes Long Covid.

 

Pandemie im Ausland

Ein Mann macht in Chinas Hauptstadt Peking einen Corona-Test: Tägliche Testungen sollen dabei helfen, das Virus einzudämmen.

Ein Mann macht in Chinas Hauptstadt Peking einen Corona-Test: Tägliche Testungen sollen dabei helfen, das Virus einzudämmen.

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China versucht weiterhin, mit allen Mitteln das Coronavirus auszurotten. Diese Null-Covid-Strategie mit monatelangen Lockdowns, täglichen PCR-Tests und Reisebeschränkungen ist radikal, und vor allem vertreibt sie immer mehr ausländische Arbeitskräfte. Nach groben Schätzungen hat sich die Zahl der ausländischen Manager und Fachkräfte seit Beginn der Pandemie mehr als halbiert. „Das Risiko weiterer Lockdowns schwebt wie ein Damoklesschwert über allem“, sagt Jens Hildebrandt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der deutschen Handelskammer (AHK) in China. Umso schwieriger ist es geworden, Fach- und Führungskräfte in das Land zu entsenden und dort zu halten.

 

Was kommt

Eine Spritze wird mit dem BA.1-Impfstoff von Biontech/Pfizer aufgezogen: Die Nachfrage nach dem Omikron-Vakzin ist gering.

Eine Spritze wird mit dem BA.1-Impfstoff von Biontech/Pfizer aufgezogen: Die Nachfrage nach dem Omikron-Vakzin ist gering.

Die Impfkampagne mit den Omikron-Impfstoffen nimmt nur langsam Fahrt auf. Vielleicht auch deshalb, weil Impflinge und Ärztinnen und Ärzte verunsichert sind, welches Vakzin nun das richtige ist. Gleich zwei stehen zur Auswahl: einmal gegen den Subtypen BA.1 und einmal gegen die Untervarianten BA.4/BA.5. Bislang fällt die Wahl mehrheitlich auf das BA.5-Vakzin – zum Nachteil der BA.1-Impfdosen. Werden diese nun zum Ladenhüter? (RND+)

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„Sicherlich werden die Hausarztpraxen nun vornehmlich den an BA.5 angepassten Impfstoff bestellen“, ist Markus Beier, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, überzeugt. Er stellte jedoch klar, dass alle verfügbaren Vakzine sehr gut vor schweren Covid-19-Krankheitsverläufen schützen – auch die an BA.1 adaptierten. Werden diese nun aber nicht verwendet, droht ihnen nach zwölf Monaten die Vernichtung. „Wie viele Impfstoffdosen in den nächsten Monaten verfallen, ist aufgrund der derzeit laufenden Impfkampagne nicht vorhersehbar und ist abhängig von der Impfbereitschaft der Bevölkerung“, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit.

 

Gesundes Zusatzwissen

Trauer, Angst, Panik, Frustration: Diese Emotionen können das sogenannte Broken-Heart-Syndrom verursachen – auf Deutsch: Gebrochenes-Herz-Syndrom. Die Symptome – starke Brustschmerzen, massive Atemnot oder ein Engegefühl im Brustkorb – ähneln denen eines Herzinfarkts. Das macht es umso schwieriger, die Funktionsstörung überhaupt zu erkennen.

Auch nach mehr als 30 Jahren gibt es beim Broken-Heart-Syndrom große Forschungslücken, schreibt RND-Redakteur Ben Kendal (RND+). Dabei erkranken jährlich immer mehr Menschen, vor allem Frauen. Warum, das versuchen Forschende derzeit herauszufinden. „Es ist wichtig, dass wir mehr Bewusstsein für das Broken-Heart-Syndrom schaffen“, fordert Kardiologe Melchior Seyfarth vom Helios-Universitätsklinikum Wuppertal.

 

Was das Leben leichter macht

Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben und sich auskurieren.

Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben und sich auskurieren.

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Muss ich meinen Vorgesetzten sagen, dass ich Corona habe? Bis wann muss mein ärztliches Attest im Betrieb vorliegen? Und genieße ich während meiner Erkrankung einen Kündigungsschutz? Wenn es um das Thema Krankschreibungen geht, verfügen Arbeitnehmende oftmals nur über Halbwissen. Meine Kollegin Katrin Schreiter hat sieben Arbeitsmythen einem Faktencheck unterzogen. Zusammen mit dem Arbeitsrechtler Tobias Werner klärt sie auf, was man eigentlich beachten muss, wenn man krank ist.

 

Was sonst noch wichtig ist

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie geht in diesem Jahr nach Leipzig – genauer gesagt an den Paläogenetiker Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie. Er war der Erste, der das Genom des Neandertalers sequenzierte. So konnten er und sein Team beispielsweise nachweisen, dass Reste der DNA des Neandertalers noch im modernen Menschen zu finden sind. Weitere Details zu Pääbos Forschungsarbeit hat RND-Autorin Heidi Becker zusammengetragen.

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