Neue Studie zum Coronavirus

Mit Omikron infiziert: Wie wahrscheinlich ist jetzt noch ein schwerer Verlauf?

Wer sich mit Omikron ansteckt, kommt in den allermeisten Fällen nicht mehr auf die Intensivstation.

Wer sich mit Omikron ansteckt, kommt in den allermeisten Fällen nicht mehr auf die Intensivstation.

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert, kann milde Erkältungssymptome bemerken, in der Folge aber auch ernsthafter an Covid-19 erkranken. Schon seit einigen Wochen mehren sich die Hinweise, dass Omikron weniger häufig ein schweres klinisches Erscheinungsbild hervorruft, als es noch bei Delta der Fall war. Aber wie wahrscheinlich ist es konkret, dass man einen schweren Verlauf erlebt?

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Ein britisches Forschungsteam wollte die verminderte Krankheitsschwere bei Omikron eindeutiger eingrenzen – und hat dazu Mitte März eine neue, umfangreiche nationale Kohortenstudie in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bewerteten dafür das relative Risiko, in ein Krankenhaus eingewiesen und behandelt zu werden oder covidbedingt zu versterben. Dabei berücksichtigten sie auch den Impfstatus.

Im Gegensatz zu Delta gab es im Schnitt ein um 59 Prozent vermindertes Risiko einer Krankenhaus­einweisung. Das Risiko, zu versterben, war um 69 Prozent vermindert. Wer geboostert war, hatte noch mal ein geringeres Risiko. Denn die Auffrischungs­impfung mit mRNA-Impfstoffen hält der Studie zufolge einen über 70-prozentigen Schutz vor einer Behandlung im Krankenhaus und vor dem Tod aufrecht. Das heißt: Fast drei Viertel der Menschen in der Gruppe der Geboosterten hat prozentual gesehen keine schweren Verläufe im Vergleich zur Gruppe der Ungeimpften.

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Weltweit zeigt sich: Omikron macht seltener schwer krank

Die Ergebnisse decken sich mit weiteren Untersuchungen in verschiedenen Ländern. Eine Untersuchung aus der kanadischen Provinz Ontario, die Mitte Februar im Fachmagazin „Jama“ veröffentlicht wurde, hatte beispielsweise ausgemacht, dass im Vergleich zu Delta ein 59 Prozent geringeres Risiko bestand, ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Um 81 Prozent weniger wahrscheinlich war es, auf einer Intensivstation behandelt zu werden, um 88 Prozent geringer als bei Delta war das Risiko, zu versterben.

Eine Kohortenstudie aus den USA resümierte, dass es in der Gruppe der Omikron-Infizierten weniger als halb so oft wie bei Delta zur Einweisung in die Notaufnahme, ins Krankenhaus oder auf eine Intensivstation kam. Auch Daten aus der Provinz Gauteng in Südafrika zeigten, dass die Rate der Krankenhaus­einweisungen trotz mehr Corona-Fällen während der Omikron-Welle deutlich niedriger war als in den vorherigen Wellen. In Deutschland war ebenfalls die Rate der Einweisungen auf Intensivstationen im Vergleich zur Rate der Corona-Infektionen geringer als noch während der Delta-Welle.

Die statistischen Werte der Studien variieren, weil es auch darauf ankommt, wo und wie die Daten aufbereitet wurden. Die Ständige Impfkommission geht deshalb von einer gewissen Spannbreite aus. Das Gremium resümierte unter Berücksichtigung aller bis dahin zur Verfügung stehenden Daten im epidemiologischen Bulletin von Mitte Februar: „Verglichen mit einer Delta-Infektion war das Hospitalisierungs­risiko über alle Altersgruppen und ohne Differenzierung nach Impfstatus bei Omikron-Infektionen um 40 bis 80 Prozent niedriger.“

Covid-Risiko: Individuelle Faktoren spielen auch eine Rolle

Das heißt also: Auch wenn alle Studien statistisch auf Bevölkerungsebene eine Tendenz erkennen lassen, lässt sich das individuelle Risiko für einen schweren Verlauf im Einzelfall nicht exakt beziffern oder vorhersagen. Das Virus ist grundsätzlich harmloser geworden, bleibt aber weiterhin für viele Menschen nicht harmlos. Das Risiko, wochenlang auf Intensivstation beatmet zu werden, ist deutlich verringert, geht aber nicht gegen null. Laut dem Divi-Intensivregister befinden sich aktuell 2304 Menschen mit Covid-19 auf Intensivstation, 41 Prozent von ihnen werden invasiv beatmet (Stand: 17. März).

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Auch das Risiko, sich anzustecken, war noch nie so hoch wie im Moment. Täglich werden in Deutschland weit mehr als 200.000 neue Fälle registriert, immer neue Höchststände bei der Sieben-Tage-Inzidenz vermeldet. Und das führt auch weiterhin zu vielen Toten: Allein am 17. März sind 278 covidbedingte Todesfälle an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet worden, ähnlich hohe Raten gab es den Februar über.

Die Krankheitsverläufe variieren grundsätzlich stark. Viele können sich zu Hause auskurieren und verspüren erkältungs- oder grippeähnliche Symptome. Manche brauchen eine Unterstützung beim Atmen auf Normalstation im Krankenhaus. Einige wenige kommen auch noch auf Intensivstation. Entscheidend ist dabei zum einen, ob man geimpft, genesen und/oder geboostert ist. Zum anderen tragen Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen ein höheres Risiko.

Es kommt auch auf die grundsätzliche Verfassung des Immunsystems an. Denn nicht jeder Mensch hat dasselbe Schutzlevel an Antikörpern. „Die Spannbreite der Antikörpertiter kann ziemlich groß sein“, erklärte dem RND etwa der Immunologe Luka Cicin-Sain vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Bei älteren Menschen sei das Immunsystem beispielsweise nicht mehr so wirksam.

Impfdurchbrüche, auch mit Symptomen, finden bei älteren Geboosterten häufiger statt als bei den Jüngeren. Auch bei Menschen mit Vorerkrankungen sei ein guter Immunschutz oft nicht garantiert. Man könne auch nicht wirklich vorhersagen, ob jemand, der immungesund ist, eine gute Immunantwort nach der Impfung haben werde. Das hänge mit zahlreichen Faktoren des Immunsystems zusammen und variiere von Person zu Person.

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Auch beachten: das Risiko von Long Covid

Und auch, wer der Definition zufolge mild an Covid-19 erkrankt, kann mit Gesundheits­problemen, die verschiedene Organsysteme betreffen, zu kämpfen haben, wenngleich diese dann nicht mehr lebensbedrohlich sind. Neben der akuten Erkrankung Covid-19 leiden viele Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, an Spätfolgen. Das können ganz verschiedene Symptome sein, die teilweise noch Monate nach der Infektion beobachtet werden. Erschöpfung, Atemnot und Leistungsminderung zählen beispielsweise dazu. Fachleute sprechen dabei von Long Covid. Davon betroffen sein können Menschen, die im Krankenhaus wegen Covid-19 behandelt wurden, aber auch Menschen mit einem vergleichsweise milden Verlauf.

Dem RKI und der Stiko zufolge ist noch nicht bekannt, wie wahrscheinlich es ist, dass man infolge einer Omikron-Infektion davon betroffen sein wird. Wie viele Menschen in und nach der aktuellen Omikron-Welle konkret von Long Covid betroffen sein werden, ist ebenfalls schwer zu beziffern. Strukturierte Erhebungen dazu gibt es bislang nicht – denn die Virusvariante zirkuliert erst seit Ende November in der Welt. Was Studien inzwischen aber zeigen: Wer geboostert ist, erkrankt nicht nur deutlich seltener an schwerem Covid-19, sondern hat auch weniger häufig mit Long Covid zu kämpfen.

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