MIS-C: WHO untersucht Kawasaki-ähnliche Entzündungskrankheit bei Kindern

Immer mehr Kinder weltweit erkranken an einer mysteriösen Entzündungskrankheit, die jetzt den Namen MIS-C beziehungsweise PIMS trägt.

Immer mehr Kinder weltweit erkranken an einer mysteriösen Entzündungskrankheit, die jetzt den Namen MIS-C beziehungsweise PIMS trägt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und der mysteriösen Entzündungskrankheit bei Kindern genauer untersuchen. In der Pressekonferenz am vergangenen Freitag forderte der WHO-Generaldirektor, Tedros Adhanom Ghebreyesus, Mediziner in aller Welt dazu auf, mit der WHO und den nationalen Gesundheitsbehörden zusammenzuarbeiten, um die Krankheit „besser zu verstehen”.

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Inzwischen hat die WHO der Entzündungskrankheit, die dem Kawasaki-Symdrom ähnelt, den Namen MIS-C gegeben. Das steht für Multisystem inflammatory disorder in children. Eine andere Bezeichnung lautet PIMS – also Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome.

Schon zwei Todesfälle bekannt

Ein Zusammenhang zwischen MIS-C und Covid-19 scheine plausibel, hieß es in einer Mitteilung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm am Freitag. Teilweise wurden betroffene Kinder positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet. Es handle sich aber um eine seltene Erkrankung, „deren potenzielle Verbindung zu Covid-19 weder nachgewiesen, noch gut verstanden wird”.

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Als erstes hatten Ärzte in Großbritannien auf die Entzündungskrankheit aufmerksam gemacht, die Ähnlichkeiten mit dem Kawasaki-Syndrom aufweist. Auch in New York wurde die Kinderkrankheit mittlerweile bei mehr als 100 jungen Patienten nachgewiesen. In Großbritannien und Frankreich hatte es zudem je einen Todesfall im Zusammenhang mit dem Syndrom gegeben. Das Erkrankungsrisiko für Kinder sei in der EU und Großbritannien sowohl für Covid-19 als auch für MIS-C dennoch gering, so das ECDC.

Symptome reichen von Durchfall bis Hypotonie

Anhand von bisherigen medizinischen Daten hat die WHO eine Definition von MIS-C zusammengestellt. Betroffen sind meist Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 19 Jahren. Eines der häufigsten Symptome ist Fieber, das in etwa - oder mehr - als drei Tage anhält. Außerdem treten immer zwei der folgenden Beschwerden auf:

  • Hautausschlag an Händen, Füßen oder im Mund sowie beidseitige, nicht eitrige Bindehautentzündung
  • Hypotonie oder Schock
  • Merkmale einer Funktionsstörung des Herzmuskels, Entzündung des Herzbeutels oder der Herzklappen
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen

Zudem weisen die Patienten meist hohe Entzündungswerte auf, werden positiv auf Covid-19 getestet beziehungsweise haben einen positiven Antigen-Test.

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Ist MIS-C eine reine Kinderkrankheit?

„MIS-C weist zwar einige überlappende Merkmale zum Kawasaki-Syndrom auf, unterscheidet sich aber unter anderem in Laborbefunden”, sagt Elizabeth Whittaker, klinische Dozentin für pädiatrische Infektionskrankheiten und Immunologie am Imperial College in London, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie gehört zur Arbeitsgruppe der WHO, die MIS-C genauer untersuchen will.

„Wir verfügen noch nicht über genügend Informationen, um sagen zu können, welcher Anteil der Corona-infizierten Kinder an MIS-C erkrankt, da in Ländern mit hoher Inzidenz noch keine nationalen Überwachungsdaten verfügbar sind”, so Whittaker. Auch ob das Entzündungssyndrom eine reine Kinderkrankheit ist oder auch Erwachsene daran erkranken können, sei „noch nicht überprüft worden”.

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Drosten-Studie in der Kritik

Der Berliner Virologe Christian Drosten machte kürzlich im NDR-Podcast deutlich, dass er keinen Grund zu Alarmismus sieht. Bei MIS-C handle sich um ein seltenes Phänomen, über das die internationale Kinderheilkunde nun beginne, zu diskutieren. Drosten verwies auch auf die gute Behandelbarkeit.

Drosten selbst war Ende April in einer Studie der Frage nachgegangen, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Er und sein Forscherteam fanden heraus, dass Kinder genauso infektiös sind wie Erwachsene. Je älter die Testpersonen, desto größer war auch die Menge an gefundener Viruslast im Hals.

Virologe Christian Drosten hat das Infektionsrisiko von Kindern untersucht.

Virologe Christian Drosten hat das Infektionsrisiko von Kindern untersucht.

Der Bio-Statistiker Leonard Held von der Universität Zürich hegt jedoch Zweifel an der Studie. Zum einen, weil kein Statistiker bei den Untersuchungen mit geholfen habe und zum anderen, weil die Autoren nur in Altersgruppen gearbeitet haben. „Wenn man nur die Gruppen analysiert, verliert man Informationen”, sagte Held dem St. Galler Tagblatt.

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„Die Studie untersuchte zudem nicht, wie lange die Personen schon krank waren, dabei ist bekannt, dass sich die Virenlast mit der Dauer der Erkrankung ändert. Das hätte berücksichtigt werden müssen”, so der Bio-Statistiker.

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