Mehr als 2800 Schäden durch Behandlungsfehler: Verbindliches Meldesystem fehlt in Deutschland

Instrumente liegen in einem Klinikum im OP-Saal.

Instrumente liegen in einem Klinikum im OP-Saal.

Berlin. Gutachterinnen und Gutachter der Krankenkassen haben im vergangenen Jahr in 2826 Fällen Behandlungsfehler festgestellt, die zu gesundheitlichen Schäden bei Patientinnen und Patienten geführt haben. Insgesamt erstellten die Expertinnen und Experten 14.042 Gutachten, nachdem Menschen sich wegen vermuteter Behandlungsfehler beschwert hatten, wie der Medizinische Dienst der Krankenkassen in seiner jährlichen Statistik am Dienstag mitteilte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Fast jedes dritte Gutachten (4099) kam demnach zu dem Schluss, dass ein Behandlungsfehler vorlag, in jedem fünften Fall (2826) wurde ein gesundheitlicher Schaden durch den Behandlungsfehler konstatiert.

Zahlen seit Jahren auf ähnlichem Niveau

Bei einem Verdacht können sich Patienten an ihre Krankenkasse wenden, die dann entsprechende Expertengutachten in Auftrag gibt. Die Zahlen bewegen sich seit Jahren auf ähnlichem Niveau. Rückschlüsse auf die allgemeine Fehlerhäufigkeit bei medizinischen Behandlungen können daraus nicht gezogen werden, da es keine zentrale Erfassung gibt. So gibt es neben Beschwerdemöglichkeiten bei den Kassen auch bei der Ärzteschaft Beschwerdestellen, manche Patientinnen und Patienten wenden sich auch direkt an Anwälte und Gerichte. Viele Fälle dürften auch gar nicht bemerkt oder gemeldet werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen fordert im Zuge der Veröffentlichung ein verbindliches Meldesystem für schwere Behandlungsfehler. Die jährliche Statistik, die der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) am Dienstag in Berlin vorstellte, zeige nur einen kleinen Ausschnitt des Problems, erklärte MDS-Geschäftsführer Stefan Gronemeyer: „Die Dunkelziffer ist hoch.“

Meldesystem in anderen Ländern schon vorhanden

Deshalb fordere die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verpflichtende Meldungen für sogenannte Never Events, also vermeidbare, besonders schwere Fehler. Dazu zählen etwa Patienten- oder Seitenverwechslungen, Medikationsfehler oder zurückgebliebene Fremdkörper nach Operationen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Meldungen müssten vertraulich und unabhängig von Haftungsfragen erfolgen, sagte Gronemeyer. Sie müssten allein einer Verbesserung der Patientensicherheit dienen. Während zahlreiche Länder ein solches Meldesystem bereits eingeführt hätten, fehle es in Deutschland noch immer. Bei der Begutachtung stelle der MDS immer wieder die gleichen Fehler fest.

RND/dpa

Mehr aus Gesundheit

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken