Klarträumen für Anfänger: Können wir lernen, unsere Träume zu steuern?

Guter Schlaf kann möglicherweise das Risiko für Herzerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall senken.

Wer luzide träumt, kann die Handlung seiner Träume bestimmen.

Ein luzider Traum, auch Klartraum genannt, ist ein außergewöhnlicher Zustand. Er tritt ein, wenn wir uns darüber bewusst werden, dass wir träumen – und trotzdem nicht aufwachen. Sobald das geschieht, können wir beginnen, die Handlung unseres Traums zu steuern und uns die schönsten Erlebnisse „herbeiträumen“. Dabei fühlen sich Klarträume verblüffend intensiv und real an. In einer Studie gab die Hälfte einer Gruppe befragter Erwachsener in Deutschland an, schon mindestens einmal eine solche Art von Traum erlebt zu haben.

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Weil es so verlockend erscheint, seine Träume lenken zu können, interessieren sich immer mehr Menschen dafür. Im Internet werden daher längst Kurse angeboten, mit denen sich das Klarträumen erlernen lassen soll. Im Angebot sind zum Beispiel „Klartraumlernen für Einsteiger“, „Sofort Luzides Träumen lernen“ oder „Luzides Träumen – Erschaffe deine Realität“. Meist handelt es sich um Onlineschulungen, aber es gibt auch Tagesworkshops, bei denen in der Gruppe gelernt wird. Die Kosten können bis zu mehrere Hundert Euro betragen.

Die Kurse werden teilweise mit großen Versprechen beworben. Im Klartraum sei alles möglich: „Fliegen, heißer Sex mit Stars, Reisen zu fremden Planeten“, heißt es in einem Angebot. Luzides Träumen sei geeignet, um im Schlaf seine motorischen Fähigkeiten zu trainieren schreibt ein anderer Anbieter. Aber was davon stimmt und lässt sich luzides Träumen wirklich so einfach erlernen? Michael Schredl ist Schlaf- und Traumforscher und leitet das Schlaflabor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mainz. Seit dem Film „Inception“ habe es einen regelrechten „run“ auf Kurse zum luziden Träumen gegeben, sagt er. In dem Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2010 spielt Leonardo DiCaprio eine Art Traumwandler, der nicht nur seine eigenen, sondern auch die Träume anderer Menschen kontrollieren kann.

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Klarträumen lässt sich trainieren

Grundsätzlich, sagt Schredl, lasse sich das Klarträumen durchaus trainieren. Mit bestimmten Methoden lässt sich die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen, einen luziden Traum zu erleben. Eine davon sei der „Realitätscheck“. Hierbei gewöhnt man sich an, sich tagsüber regelmäßig zu fragen, ob man wacht oder träumt. Irgendwann, so die Idee dahinter, wird man sich die Frage dann auch im Traum stellen. Im selben Moment soll man durch einen einfachen Test überprüfen, ob man schläft. Schredel selbst achtet als Realitätscheck auf seine Beine, verlagert sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen und versucht, winzige Schritte zu machen. „Wenn sich die Schritte allein durch die Konzentration vergrößern lassen, weiß ich, es handelt sich um einen Traum“, erklärt Schredl. Eine weitere Möglichkeit wäre, sich Nase und Mund zuzuhalten – kann man trotzdem weiter atmen, träumt man.

Schredl empfiehlt außerdem, ein Traumtagebuch zu führen, in das man direkt nach dem Träumen die Traumhandlung notiert. Wer seine Träume regelmäßig aufschreibt und sich merkt, was daran traumtypisch ist, wird sich mit größerer Wahrscheinlichkeit an diese erinnern und Klarträume erleben. Diese und weitere Methoden hat Michael Erlacher, ein ehemaliger Forschungskollege von Schredel, bereits 2010 in seinem Buch „Anleitung zum Klarträumen“ veröffentlicht. Jeder, der diese Grundlagen begriffen hat, könne das Klarträumen theoretisch auch lehren, sagt Schredl. Bei einigen der Onlineangebote kann Schredl erkennen, dass sie auf den Arbeiten von ihm, Erlacher und anderen Experten und Expertinnen basieren. Welche der unzähligen Kurse ansonsten seriös sind, lasse sich aber nur schwer beurteilen: „Es gibt keinen Maßstab zur Qualitätssicherung.“

Klartraumkurse gerieten unter anderem deshalb in die Kritik, weil befürchtet wird, dass luzides Träumen die Schlafqualität beeinflusst. Diese Sorge teilt Schredl allerdings nicht. „Untersuchungen haben gezeigt, dass Klarträume den Schlaf nicht weniger erholsam machen“, sagt er. Ohnehin machten luzide Traumphasen nur fünf bis zehn Minuten pro Nacht aus und kämen auch nicht jede Nacht vor. Ein möglicher unerwünschter Effekt von Klarträumen könnten allerdings luzide Albträume sein. Eine Studentin von ihm habe zum Beispiel das Klarträumen mithilfe der Bücher von Carlos Castaneda gelernt. In diesen Büchern ging es auch um „gefährliche Wesen“ aus der Zauberwelt, die uns laut Castaneda begegnen können. „Und genau diese Wesen tauchten nun in ihren Träumen auf“, erzählt Schredl.

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Risiko luzider Albträume

In einer Befragung, die Schredl mit einem Kollegen durchgeführt hat, waren rund 16 Prozent der luziden Träume Alpträume. Etwa der Hälfte der Betroffenen gelang es zudem nicht, aus diesen Albträumen aufzuwachen. Rund 32 Prozent gelang es auch nicht, auf den Albtraum Einfluss zu nehmen. Weil Klarträume sich so real anfühlen, kann ein luzider Albtraum besonders unangenehm sein. Schredl geht aber davon aus, dass sich solche Albträume auch wieder vertreiben lassen. So konnte er seiner Studentin erklären, dass Klarträume stark von unserer Erwartung abhängen. Der luziden Träumerin half das, die bedrohlichen Wesen aus ihren Träumen zu verbannen.

Wegen des Albtraumrisikos hält Schredl es für ungünstig, wenn es in Klarträumkursen keine theoretische Einführung gibt. Klarträumende sollten sich an jemanden wenden können, wenn Schwierigkeiten auftauchen, empfiehlt er. Als weiteres Problem bei den Onlinekursen sieht Schredl die übertriebenen Erfolgsversprechen. Klarträumen lässt sich nämlich nur in einem gewissen Ausmaß trainieren. Ob jemand ein starker Klarträumer oder eine starke Klarträumerin ist, ist auch Veranlagung. So gelte nur eingeschränkt, dass sich bestimmte Fähigkeiten verbessern lassen, wenn man sie in luziden Träumen ausführt. Tatsächlich gibt es zwar bereits Untersuchungen dazu, dass dies in einigen Fällen gelingen kann. So berichten manche Sportler und Sportlerinnen, in Klarträumen zu trainieren. Dabei handele es sich aber in der Regel um Personen, die ohnehin schon gut im Klarträumen waren, sagt Schredl. „Es gibt welche, die da sehr begabt sind und es dazu nutzen.“ Ihr Anteil an den Klarträumenden dürfte aber gering sein.

Luzides Träumen zu lernen sei nicht einfach, es lohne sich aber trotzdem, wenn man nicht zu große Erwartung habe und kein bestimmtes Ziel damit verknüpft, meint Schredl. Einen Klartraum zu erleben sei „besser als Drogen“ und schule die Selbstwahrnehmung. Für Fragen rund ums Klarträumen empfiehlt Schredl das Forum Klarträumen.de: „Der Austausch mit anderen ist wichtig“, sagt der Schlafforscher. Und um die grundlegenden Techniken zu erlernen, müsse man nicht unbedingt Geld auf den Tisch legen: „Es gibt auch ein paar gute Youtube-Videos“.

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