Keine Entlastung in Sicht

Grippe, RSV und bald wieder mehr Corona-Fälle? Krankenhäuser und Hausärzte geben noch keine Entwarnung

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Arztpraxis.

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Arztpraxis.

Die Zahl akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland steigt weiter an und sorgt in den Krankenhäusern zu immer mehr Problemen. „Die Werte liegen aktuell sogar über dem Niveau der Vorjahre zum Höhepunkt schwerer Grippewellen“, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Die Fachleute gehen im Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza von knapp zehn Millionen Menschen in Deutschland aus, die unter akuten Atemwegserkrankungen leiden.

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Corona-Comeback und Grippefälle: Was kommt auf Kliniken und Arztpraxen zu?

Eine Entspannung zeichnet sich bisher nicht ab – im Gegenteil: RKI-Chef Lothar Wieler rechnet fest damit, dass sich deutlich mehr Menschen in diesem Winter mit dem Coronavirus infizieren als in den vergangenen Monaten. Am Donnerstag verzeichnete das RKI etwa 40.000 neue Corona-Fälle im Vergleich zum Vortag und eine Inzidenz von 214. Die meisten Neuansteckungen gibt es bei den 35- bis 59-Jährigen. „Wir sind uns einig, dass die Fallzahlen im Winter wieder steigen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Schwer zu sagen sei nur, wie hoch die Zahlen sein werden. Hinzu kommt eine steigende Zahl von Grippefällen.

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„Problematisch ist die Gleichzeitigkeit mehrerer Erregerwellen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, die schwierige Situation vieler Kliniken. „Bei Erwachsenen belasten die Influenzainfektionen die Krankenhäuser, bei den Kindern sind es die RS-Viren“, so Gaß auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Diese enorme Belastung gehe einher mit einem ebenfalls hohen Krankenstand bei Pflegekräften und Ärzten. Eigentlich hatten die Krankenhäuser aufgrund der sinkenden Zahlen in Frankreich gehofft, dass der Höhepunkt der RSV-Welle in dieser Woche auch in Deutschland erreicht werde. „Offenbar dauert aber die Welle weiterhin an“, räumt Gaß ein und hofft weiter auf eine schnelle Entspannung.

Zahl der Arztbesuche höher als in den Vorjahren

Die vielen Krankheitsfälle sorgen auch für volle Arztpraxen. „Die aktuelle Situation in unseren Praxen ist definitiv angespannt“, sagt Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vizevorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes. „Insbesondere die Zahl der Patientinnen und Patienten, die uns mit Atemwegserkrankungen aufsuchen, ist sehr hoch.“ Aufgrund der deutlichen Zunahme akuter Fälle, wie sie die Arztpraxen derzeit „sehr intensiv“ erleben, sei der Herbst und Winter ohnehin immer eine sehr herausfordernde Zeit für die Hausärzte und ihre Praxisteams. Hinzu kommen die Influenzainfektionen. „Mit Besorgnis registrieren wir, dass die Grippewelle in diesem Jahr sehr früh gestartet ist“, so Buhlinger-Göpfarth. Wie auch DKG-Chef Gaß rufen die Hausärzte dazu auf, die Grippeschutzimpfung wahrzunehmen.

Kinderärzte warnen vor Krise – und sehen keinen Nutzen in Maskenpflicht

Kinderärztepräsident Fischbach befürchtet eine Verschärfung der angespannten Lage in den Kinderkliniken, hält aber eine Maskenpflicht eher für kontraproduktiv.

Nach Angaben des RKI lag die Zahl der Arztbesuche wegen Atemwegserkrankungen in der vergangenen Woche „über den Werten der Vorjahre zu dieser Zeit“. Den Fachleuten zufolge sei die Zahl „in einem Bereich, der sonst nur in Spitzenwochen starker Grippewellen erreicht wurde“.

Gesundheitssystem stößt im Winter an Grenzen: Stärkung der Versorgung gefordert

Dass immer wieder die Wintermonate zur Belastungsprobe für das Gesundheitssystem werden, stößt bei den Hausärzten sauer auf. „Jeden Winter werden die Probleme unseres Gesundheitssystems sichtbar und sobald sich die Situation im Frühjahr dann entspannt, scheint alles wieder vergessen“, kritisiert Buhlinger-Göpfarth. Sie fordert daher eine Stärkung der Versorgung durch Haus- und Kinderärzte und betont, dass dringend hausärztlicher Nachwuchs benötigt werde.

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