Schlafmediziner geben Tipps für einen besseren Schlaf

Allein oder zu zweit: Wie schläft man besser?

Alleine zu schlafen kann durchaus Vorteile haben – gerade für Frauen.

Ist es besser, alleine zu schlafen? Oder ist der Schlaf erholsamer, wenn man sich ein Bett teilt? Eine Umfrage unter 1000 arbeitenden Erwachsenen zeigt, dass wer ein Bett mit der Partnerin oder dem Partner teilt, seltener von Müdigkeit und Einschlafproblemen berichtet. Laut Professor Ingo Fietze, Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin, spielt das Alter dabei allerdings eine wichtige Rolle. „Gerade junge Menschen schlafen sehr gut, wenn sie mit dem Partner gemeinsam in einem Bett schlafen“, erklärt Fietze. „Das ändert sich aber im Alter.“ Die Wahrscheinlichkeit für Schlafstörungen sei dem Schlafmediziner zufolge im Alter höher und der Schlaf daher besser, wenn man allein und in einer komfortablen Umgebung schläft.

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Warum teilen sich dann trotzdem so viele Paare ein Schlafzimmer? Weil es ihnen ein Gefühl von Nähe und Intimität vermittle, sagt Hans-Günter Weeß, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). „Viele Menschen haben fast schon einen Ehrgeiz, zusammen zu schlafen, weil sie denken, getrennt zu schlafen sei ein Zeichen für eine zerrüttete Ehe“, erklärt auch Fietze.

Tief verankertes genetisches Programm

Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass die Menschen auch lediglich glauben könnten, besser zu schlafen, wenn sie sich ein Bett teilen. „Da geht es dann eher um das subjektive Gefühl als um die tatsächliche Schlafqualität“, erklärt Weeß. „Studien über die objektive Schlafqualität haben gezeigt, dass der Mann besser schläft, wenn er mit seiner Partnerin in einem Raum schläft, und die Frau besser, wenn sie alleine schläft.“ Die Gründe dafür seien laut Hans-Günter Weeß zwar nicht eindeutig belegt, Entwicklungspsychologen und -biologen vermuten aber, dass es sich dabei um ein tief verankertes genetisches Programm handelt.

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Der Mann schläft entspannter

Die Frau sei in den Vorzeiten nachts für die Gruppe zuständig gewesen und habe etwa Kranke gepflegt oder nach den Kindern gesehen, sagt Weeß. Der Mann durfte nachts schlafen, weil schon damals klar gewesen sei, dass ein ausgeschlafener Mann besser auf der Jagd ist, erklärt der Schlafmediziner weiter. Der Mann habe dann in der Gruppe gejagt und daher die Erfahrung gemacht, dass er in der Gruppe erfolgreicher und sicherer ist. Der Mann habe sich in der Gruppe also besser entspannen können, was Hans-Günter Weeß zufolge eine Voraussetzung für eine gute Schlafqualität sei.

„Auf heute übertragen bildet der Mann also eine Kleingruppe mit seiner Frau und schläft daher entspannter und besser“, sagt Weeß. „Die Frau schläft aufgrund ihrer Gruppenerfahrung, für andere zuständig zu sein, schlechter, wenn sie nicht alleine ist, weil sie immer im Stand-by-Modus ist.“

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Gelegentliche Besuche oder Übernachtungen

Wer sich für getrenntes Schlafen entscheidet, braucht sich deswegen übrigens keine Sorgen um sein Sexualleben zu machen. Paar- und Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning zufolge birgt die neue Situation zwar eine Gefahr, man sollte dann aber einfach auf „gelegentliche Besuche oder Übernachtungen bei der anderen Person“ achten. Getrennte Zimmer könnten dann sogar zum großen Gewinn werden – und einen Flirt am Tag bereichern. „Man kann Dates vereinbaren und vorher eben alles schön und einladend vorbereiten“, sagt Henning.

Tipps zum Einschlafen

Ob gemeinsam oder getrennt: Um ideale Voraussetzungen für den Schlaf zu schaffen, geben Ingo Fietze und Hans-Günter Weeß folgende Tipps:

  • Erst ins Bett gehen, wenn man wirklich müde ist
  • Wirklich abschalten: große und kleine Sorgen des Tages nicht mit ins Bett nehmen
  • Eine Stunde vor dem Schlafen „Feierabend“ machen: kein Sport, späte Mahlzeiten oder Arbeiten
  • Auf eine gute Bettqualität und Raumtemperatur achten und Lärm vermeiden
  • Für ein gedämpftes Licht sorgen und Blaulichtquellen ausschalten
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Trick 17: Nicht schlafen wollen

Weeß zufolge kann es beim Einschlafversuch auch hilfreich sein, nicht schlafen zu wollen. „Es gibt keine bessere Möglichkeit, sich wachzuhalten, als wenn man darüber nachdenkt, dass man jetzt unbedingt schlafen muss“, erklärt der Schlafmediziner. Stattdessen solle man sich einfach ins Kissen kuscheln und sich schöne Gedanken machen – und vor allem nicht auf den Wecker schauen.

Wer glaubt, eine Schlafstörung zu haben, aber im Urlaub oder am Wochenende gut schläft, muss Fietze zufolge übrigens noch lange keine schwere chronische Schlafstörung haben. In vielen Fällen verursacht dann Stress die Probleme beim Schlafen. Das könne man trotzdem jedoch bei einem Schlafmediziner oder einer Schlafmedizinerin abklären lassen.

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