„Doppelmoral und Frechheit“: Intensivpfleger Lange kritisiert Impfpflicht für Pflegekräfte

Intensivpfleger auf der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Dresden.

Intensivpflegerinnen und -pfleger müssen sich in Deutschland ab dem 15. März verpflichtend impfen lassen.

Bis zum 15. März sollen sich alle Mitarbeitenden in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen gegen das Coronavirus impfen lassen. Intensivpfleger Ricardo Lange hält das nicht für richtig. Man habe die Pfleger und Pflegerinnen während der Pandemie nicht ausreichend vor dem Virus geschützt und so deren Gesundheit riskiert. „Und dann mussten wir noch infiziert arbeiten gehen.“ Ungeimpfte Pflegekräfte daher jetzt als Gefahr darzustellen, nachdem sie zwei Jahre lang unter widrigsten Bedingungen gearbeitet haben, sei „eine Frechheit, eine Doppelmoral“, wie er gegenüber der „Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ)“ in einem Interview betont.

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Die Gründe für die Skepsis einiger Pflegekräfte gegenüber der Impfung seien die gleichen wie bei anderen Menschen auch: „Viele sind verunsichert von der Kommunikation der Politik, dem ewigen Hin und Her. Manche haben Angst, weil die Impfstoffe so viel rauf- und runterdiskutiert wurden.“ Es sei nicht nur die Pflicht der Pflegekräfte, sich gesund zu halten, sondern die Pflicht aller.

Die Pflege kann sich weitere Besetzungslücken nicht leisten

„Jede Pflegekraft, die geht, ist eine zu viel und hinterlässt eine Lücke, die dann wir füllen müssen“, sagte Lange der „MAZ“. Die Mindestbesetzung auf den Intensivstationen sei eine Pflegekraft für zwei Patientinnen und Patienten, so Lange. Dies würde von vielen Kliniken als Obergrenze gesehen. Werden Kolleginnen und Kollegen krank oder sind im Urlaub, können es auch schnell drei oder vier werden. „Ich kenne auch Kollegen, die schon für fünf verantwortlich waren. Das können auch Corona- und Nicht-Corona-Patienten gleichzeitig sein“, erzählt Lange. „Je weniger von uns da sind, umso länger muss der Patient auf seine Schmerztablette warten – und das ist nur ein harmloses Beispiel.“

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Die Pflege braucht mehr Personal und mehr Geld – auch außerhalb von Corona

Ein Problem, das es nicht erst seit Corona gebe: Zwar gehen die Zahlen auf den Intensivstationen zurück, die Überlastung bleibe aber: „Das Gesundheitssystem war vor Corona schon überlastet, wegen Personalmangels“, so Lange. „Mich ärgert, dass das nicht bearbeitet wurde in den vergangenen zwei Jahren.“

RND/tmo

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